Ich stehe auf große Bildschirme. Das sagt euch ein Typ, der auf einem 48-Zoll-Fernseher am Schreibtisch arbeitet und in seinen Heimkino-Artikeln ständig betet, ihr möget einen größeren TV besitzen als ihr glaubt.
Doch ausgerechnet bei meinem Foldable habe ich die Klappfunktion kaum genutzt.
- Der Ersteindruck war ein absoluter Wow-Effekt auf der IFA 2024.
- Nach einer Woche habe ich den Faltbildschirm abgefeiert. So viele Möglichkeiten!
- Nach vier Wochen nutzte ich das Feature, weswegen ich mir das Handy zugelegt hatte, kaum mehr.
Es hat Monate gebraucht, bis ich auf den Trichter gekommen bin: Gewohnheit.
Ein Disclaimer vorweg: Ich bin absoluter Casual-Nutzer. Diese Kolumne spiegelt meine Erfahrung mit dem Honor Magic V3 im Alltag wider und ist kein ausführlicher Test. Mit dem Artikel hoffe ich, den Menschen zu helfen, die mit einem Falt-Handy liebäugeln und wissen wollen, wie es so ist.
Das Gewohnheitstier im Manne
Ich bin aber auch nur ein Gewohnheitstier – und das zeigte sich bei meinem ersten Foldable mehr denn je.
Das ließ mich bei meinem Fazit nach einem Monat zu folgender Aussage kommen:
Das Falt-Handy ist auch nur ein Smartphone.
Diese Aussage werde ich nun revidieren. Heute sehe ich das anders und weiß das große Display viel mehr zu schätzen.
Ich habe lange Zeit nämlich etliche Vorteile liegen lassen – obwohl ich sogar von ihnen wusste!
- Die Bild-in-Bild-Funktion erlaubt mir, bis zu drei Screens im Blick zu haben.
- Tippen fällt mir sehr viel leichter.
- Beim Lesen fühlt es sich hochwertiger an.
- Wenn ich ein Foto schieße, sehe ich mehr auf dem Display und habe mit beiden Händen einen festeren Halt.
- Beim Spielen habe ich mehr Bildschirmfläche, was das Zocken teilweise immens erleichtert (und mehr Spaß macht).
Was auf den Screenshots nicht gut herauskommt: Die einzelnen Elemente wie Buttons oder die Spielkarten sind natürlich deutlich größer bei aufgeklappten Display. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)
Warum also habe ich vermeintlich mutwillig auf all diese Vorteile verzichtet? Das will ich euch sagen.
Das Problem war ich
Nicht erst seit dem Aufkommen der Smartphones, sondern auch davor haben wir Handys stets einhändig benutzt. Mein erstes Nokia habe ich Ende der 1990er bekommen.
Ein über 25 Jahre trainiertes Muskelhirn zu überwinden, ist eine Bärenaufgabe. Und hierin liegt auch die Wahrheit.
Wir nutzen Handys schlichtweg immer mit einer Hand und das seit Jahrzehnten. Diese Gewohnheit musste ich mir erstmal abtrainieren.
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Honor Magic V3 vs. Samsung Galaxy Z Fold5
Ich habe Monate gebraucht, um die Aufklappfunktion in meinen Alltag zu integrieren. Wenn ich mal eben schnell das Wetter checke oder eine Nachricht beantworte, falte ich das Handy immer noch nicht gleich auf, weil es einfach nicht nötig ist.
So habe ich mein Muskelhirn umgepolt: Jedes Mal, wenn ich wusste, dass ich jetzt mein Handy länger in der Hand habe, habe ich es aufgeklappt. Konsequent.
- Auf einer längeren U-Bahn-Fahrt
- Morgens beim Kaffee, wenn ich Nachrichten lese.
- Wenn ich auf dem Handy spiele.
- Im Wartezimmer beim Arzt
Der Antrieb dahinter ist nicht nur, dass ich ein Feature nutze, das ich praktisch finde. Am Ende des Tages habe ich viel Geld für das Handy bezahlt und dann das wichtigste Feature nicht zu nutzen, wäre ganz schön blöd.
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Screenshot per Knuckle Gesture am Honor Magic V3
Baustellen, die immer noch bleiben
Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Das große Display ist super, aber auch nicht perfekt.
Zum einen ist das Bildformat nicht perfekt. Aufgeklappt ist das Honor Magic V3 fast quadratisch. Bei YouTube-Videos oder Inhalten, die auf Widescreen ausgelegt sind, habe ich Balken. Hier könnten Trifolds einen besseren Job machen.
Zum anderen steht immer noch die Frage der Langlebigkeit im Raum. Ich nutze mein Foldable seit April; Abnutzungserscheinungen habe ich noch keine. Doch wie sieht es in einem Jahr oder zwei aus? Ich werde es euch wissen lassen.
Fazit
War das eine Reise, ich sag’s euch! Von Euphorie über Ernüchterung bis zu Akzeptanz, aber am Ende bin ich jetzt glücklich mit dem Foldable.
Mich mit dem Handy anzufreunden, hat lange gedauert, besonders, weil auf den anfänglichen Wow-Effekt ein tiefes Tal folgte.
Ich habe daraus aber eine wichtige Erkenntnis gezogen. Man muss sich mit manchen Dingen – vor allem in unserem geliebten Tech-Bereich – einfach intensiv auseinandersetzen. Das kann unter Umständen auch mal dauern.
Ich habe rund ein halbes Jahr gebraucht, um mich von der Einhandnutzung umzugewöhnen. Ich bin eben doch ein alter Hund, aber einer mit einem großen Bildschirm in der Hosentasche, der mir den Alltag erleichtert. Den neuen Trick musste ich nur lernen.
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