»Es wird zu viel Geld ins Gameplay gesteckt« - Experte über häufige Fehler von Free2Play-Entwicklern

Ein Industrie-Experte erklärt, wieso zu viel Investition ins Kern-Gameplay für Free2Play-Entwickler zum Problem werden kann.

von Christian Just,
25.02.2020 09:51 Uhr

Kolossale Free2Play-Erfolgstitel wie Fortnite sind in der Spiele-Landschaft eher die Ausnahme. Kolossale Free2Play-Erfolgstitel wie Fortnite sind in der Spiele-Landschaft eher die Ausnahme.

Der Industrie-Berater Ben Cousins hat in einem Beitrag auf der Website Gamesindustry.biz über die häufigsten Fehler von Free2Play-Entwicklern gesprochen und erklärt, wie man sie vermeiden könnte.

Seine Aussagen fallen dabei kontrovers aus: Beispielsweise legen Studios seiner Aussage nach nicht genügend Wert auf Live-Service, geben zu viel Geld für Gameplay-Entwicklung aus oder setzen schlichtweg zu wenig auf Pay2Win.

Letztere beiden Punkte bedienen ein heftiges Streitthema, allerdings begründet Cousins nüchtern, wie seine Aussagen zustande kommen.

»Zu viel Geld für Gameplay«

In Free2Play-Spielen seien viele Aspekte wichtig, um am Ende ein profitables Produkt und einen sich selbst finanzierenden Live-Service zu bekommen. Dazu gehören neben einem spaßigen Gameplay auch UI-Elemente, was besonders bei Mobile-Spielen zum Tragen kommt.

Cousins betont, dass in Geschäftsplänen für Spiele viel zu selten genug Ressourcen für ein gutes Interface und eine klare Nutzerführung eingeplant werden.

Viele Entwickler würden aber zu viele Ressourcen darauf verwenden, hohe Qualität beim Gameplay bereitzustellen. Als Beispiel nennt er Fortnite, das beinahe eingestampft worden wäre, weil es den hohen Qualitätsansprüchen von Epics damaligem Production Director Rod Fergusson nicht genügte.

Später entwickelte sich daraus eines der erfolgreichsten Spiele aller Zeiten. Wichtiger als durchweg hohe Qualität sei eine gute Balance mehrerer Aspekte, wie Cousins ausführt:

"Es ist oft notwendig, den qualitativen Produktionsaufwand herunterzuschrauben, um ihn an anderer Stelle zu erhöhen - zum Beispiel bei der Verbesserung des Nutzererlebnisses. Das verstehen viele nicht. Entwickler sind es gewohnt, die Qualität und den Feinschliff so weit wie irgend möglich zu pushen."

So sei es bei Live-Service-Spielen wichtig, möglichst oft und möglichst viele neue Inhalte bereitzustellen und auch auf Masse zu setzen. Das sei kaum zu erreichen, ohne bei der Produktion Ressourcen einzusparen.

»Nur die Großen können ohne Pay2Win«

Viele Free2Play-Entwickler wollen sich bei ihren Spielen von Pay2Win distanzieren und stattdessen lieber auf den Verkauf von kosmetischen Items konzentrieren. Hier liegt aber laut Cousins besonders bei kleinen und weniger finanzstarken Studios ein grober Denkfehler vor.

Spiele, die ausschließlich von Cosmetics leben könnten und damit Unsummen einspielen - beispielsweise Fortnite - können auf eine teils riesige Spielerbasis zurückgreifen. Er führt weiter aus, dass die Verkäufe pro Spieler dabei sehr gering ausfallen.

Hat man keine massive Spielerbasis, würde sich ein reines Kosmetik-Modell demnach oft nicht lohnen. Laut Cousins ist es für kleinere Projekte wichtig, ein selbsttragendes Geschäftsmodell zu entwickeln, möglichst ohne die Spielbalance zu zerstören:

"Einem Free2Play-Geschäftsplan sollten realistische, sich selbst tragende Ziele zugrunde liegen. Das bedeutet, dass eine Wirtschaft, die ausschließlich auf kosmetische Items ausgerichtet sind, niemals in Betracht gezogen werden sollten. Manchmal mildern die Entwickler dieses Problem, indem sie Premium-Plus-Mikrotransaktionen durchführen. Manchmal legen sie mehr Wert auf eine PvE-Mechanik, bei der "pay to win" nicht so ein Thema ist. Manchmal arbeite ich mit ihnen an Innovationen zwischen rein kosmetischen Aspekten und Pay2Win. Dabei versuchen wir, das beste aus beiden Welten zu vereinen."

Bei einem kleineren Spiel, das ausschließlich auf kosmetische Mikrotransaktionen setzt, ist laut Cousins ein Erfolg sehr unwahrscheinlich. Deshalb rät er Entwicklern zu aggressiverer Monetarisierung, insbesondere bei Spielen, die keinen kompetitiven Aspekt beinhalten.

Der Boom von Free2Play hält an

Free2Play-Spiele sind nach wie vor ein stark wachsendes Feld der Spielebranche. Bei den digitalen Käufen landen inzwischen 80 Prozent aller Ausgaben bei kostenlosen Spielen. Entsprechend wird auch in der Community immer intensiver und häufiger über Finanzierungsmodelle gestritten.

Wir bei GameStar haben deshalb 2018 reagiert und unser Wertungssystem um Abwertungen für Pay2Win und bestimmte Mikrotransaktionen erweitert. Dass in Free2Play-Titeln aber natürlich auch jede Menge Spaß stecken kann, beweist unsere Liste mit den aktuell besten kostenlosen Spielen.

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