Unsere gamescom-Besuche sind natürlich zum Großteil akribisch durchgeplant und wir laufen unseren Stundenplan von Termin zu Termin ab. Zwischendurch gibt es aber doch immer mal wieder Zeit, sich andere Spiele anzuschauen, die wir vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hatten und die uns vor Ort überzeugen.
Oder wir latschen zu einem Termin, nur weil ihn uns der Chef in den Kalender gedrückt hat, entdecken aber mittendrin, dass wir hier vor einer echten Spieleperle sitzen.
Zum Abschluss unserer Post-gamescom-Woche haben wir euch zehn Spieletipps zusammengefasst, die es bisher noch in keinen anderen Artikel geschafft haben – die ihr aber unbedingt im Blick und auf eurer Wishlist behalten solltet! Los geht's!
Dinolords
1:10
In Dinolords baut ihr Burgen wie in Stronghold und kämpft dann mit Dinosauriern darum
Genre: Echtzeitstrategie | Entwickler: Northplay | Publisher: Ghost Ship Publishing | Release: tba | Zur Steam-Seite
Fabiano Uslenghi: Ich sag's, wie es ist. Ich habe mich nur für einen Termin bei Dinolords angemeldet, weil ich Lust auf ein absurdes Quatschspiel hatte. Ich ging davon aus, dass ich hier vor allem was zu Lachen bekomme. Das Konzept allein ist ja schon absurd. In Dinolords reiten Ritter und Wikinger auf Urzeitechsen in die Schlacht!
Klar, natürlich spricht mich das als Ritter- und Dino-Fan an, aber so richtig ernst nehmen konnte ich diesen wirren Cocktail vorher nicht. Dann habe ich es aber gespielt. Ich kann gar nicht zu sehr ins Detail hier gehen, da zu meinen konkreten Spieleindrücken noch ein Embargo in Kraft ist. Aber ich kann euch grundsätzlich sagen, was Dinolords besonders macht. Also abseits der ganzen Dino- und Ritter-Geschichte.
Denn die absurde Mischung ist nicht die einzige Besonderheit dieser Indie-Perle! Dinolords traut es sich doch tatsächlich zu, das RTS-Genre mit einigen erstaunlich coolen Ideen aufzumischen. Das ist nicht einfach nur ein weiteres Echtzeitstrategiespiel mit Dinos. In Dinlords verschmelzen im Grunde Stronghold, Diablo und Overlord.
Ihr steuert nämlich primär euren Anführer, lauft wie in Diablo herum und kämpft gegen Gegner. Nebenbei baut ihr eine kleine Burg, rekrutiert Soldaten und Saurier, die ihr dann ein wenig wie in Overlord in die Schlacht schickt. Das funktioniert überraschend gut und fühlt sich frisch und unverbraucht an! Hätte ich nicht gedacht. Das ist kein Quatschspiel, das ist richtig gut!
Stranger Than Heaven
2:01
Stranger Than Heaven erschafft ein Szenario zum Leben, das man nun wirklich selten sieht
Genre: Action-Adventure | Entwickler: RGG Studio | Publisher: SEGA | Release: 15. Januar 2027 | Zur Steam-Seite
Jonas Gössling: Für die einen war es eine Enttäuschung, für mich war Stranger Than Heaven von Sega hingegen eine schöne Überraschung. Ich habe vom neuesten Studio der Yakuza- bzw. Like A Dragon-Macher nämlich nicht viel erwartet und dafür eines der spannendsten Kampfsysteme der vergangenen Jahre ausprobieren können. Das Action-Adventure wird nächstes Jahr eine Geschichte erzählen, die sich von 1915 bis 1965 erstreckt. Ich erkunde also im fertigen Spiel verschiedene, reale japanische Städte zu verschiedenen Zeiten.
Ich habe tatsächlich auf der Messe sogar drei davon gesehen, nämlich Kokura, Kure und Minami. Aber für Sightseeing war ich nicht da. Ich habe dort das neue Kampfsystem ausprobiert. Mit den beiden rechten Schultertasten hab ich dabei den rechten Arm und das rechte Bein gesteuert, mit den linken Schultertasten die linke Seite. Das klingt erstmal kompliziert und ist es zu Beginn auch.
Dafür erlaubt mir das ungewohnte Freiheiten beim Kloppen. Ich kann, selbst wenn mir jemand den rechten Arm festhält, immer noch mit links zuschlagen. Außerdem kann ich Kombos komplett frei zusammensetzen. Nur die Kamera war mit dem Geschehen etwas überfordert und das Spieltempo ist dann doch eher gemächlich. Trotzdem bin ich jetzt noch mehr gespannt, was das fertige Spiel noch zu bieten hat.
Stip
Genre: Puzzle | Entwickler: Sixtyfour | Publisher: Sixtyfour | Release: 2026 | Zur Steam-Seite
Rae Grimm: Mein unerwartetes gamescom-Highlight ist ein Mathe-basiertes Puzzle-Spiel, das dafür gesorgt hat, dass mir sowohl Mathe als auch ein Puzzle-Spiel Spaß gemacht haben und als Person, die normalerweise keine sonderlich positiven Gefühle für eines von beidem hat, fühle ich mich etwas verraten von mir selbst. Aber dieses Gefühl des (positiven) Verrats zeigt gleichzeitig auch ganz hervorragend, was für ein besonderes Spiel Stip eigentlich ist.
Und nun kommen wir zum eigentlichen Problem meines kleinen Beitrags in dieser Liste: Eigentlich ist Stip besser, je weniger ihr darüber wisst. Allerdings weiß ich auch, dass ich euch mit dem Wort »Mathe« bestenfalls noch nicht überzeugt habe, schlechtestenfalls habt ihr bereits angewidert weiter gescrollt …
Für den Fall, dass ihr das nicht habt, bekommt ihr nicht nur einen virtuellen Keks von mir, sondern auch die Information, dass bei Stip nicht alles so simpel ist wie es scheint. Was im ersten Moment wie ein minimalistisches, sehr befriedigendes Knobelspiel mit Zahlen wirkt, offenbart nach und nach gekonnt Hinweise auf eine dunklere Ebene voller beunruhigender Geheimnisse. Ja, noch beunruhigender als Mathe!
Ich war überrascht, wie schnell mich Stip in seinen Bann gezogen hat und mich alles um mich herum hat vergessen lassen — eine wahre Errungenschaft im gamescom-Trubel! Seitdem leide ich ein bisschen, weil der kleine Geheimtipp der Indie Arena Booth noch keinen offiziellen Release-Termin als 2026 hat. Wenn ihr mit mir leiden wollt, dann schaut euch unbedingt die Demo von Stip an. Ich verspreche, die Erfahrung ist es wert, selbst wenn ihr Mathe hasst.
Hello Sunshine
Genre: Survival-Mystery-RPG | Entwickler: Red Thread Games | Publisher: Megabit Publishing | Release: TBD | Zur Steam-Seite
Jonas Gössling: Wenn ein Survival-Spiel einen Survival-Muffel überzeugt, muss es ziemlich viel ziemlich richtig machen. Ich mag das Genre eigentlich nicht, es artet mir einfach zu oft in Arbeit aus - und noch mehr Arbeit kann ich beim zocken echt nicht gebrauchen. Hello Sunshine hat aber einen Weg gefunden, dass ich vielen meiner Probleme gar nicht erst begegne. Im Spiel laufe ich einem gigantischen Roboter hinterher, weil der einen riesigen Schatten wirft. Meine Spielfigur kann nämlich nicht lange in der Sonne stehen, sonst brutzelt die Hitze meine Lebensleiste herunter.
Zusammen laufen Roboter und ich nun zu einem gigantischen Turm in der Ferne. Unterwegs tauchen am Wegesrand immer wieder Gebäude und Fahrzeuge auf. Hier kommt der geniale Kniff: Mein mechanischer Freund läuft gemächlich immer weiter. Ich kann also nicht unendlich lange Zeit mit Erkundung verschwenden. Ich muss ständig überlegen, ob sich ein Ausflug lohnt oder nicht.
Dadurch ist das elendig lange Abklappern interessanter Orte aufs Nötigste reduziert. In diesen Gebäuden warten dann noch Quests, ich muss den Roboter abends immer wieder pflegen und reparieren, ich stoße natürlich auch auf Feinde und über allem schwebt die Frage: »Was zur Hölle ist hier eigentlich passiert?« Die Mischung aus interessanter Hintergrundgeschichte und reduziertem Survival hat mich zumindest sehr, sehr neugierig gemacht.
Mr. Records
Genre: Rhythmus-Spiel und Simulation | Entwickler: Glee-Cheese Studio | Publihser: Wired Productions | Release: tba | Zur Steam-Seite
Natalie Schermann: In Mr. Records spiele ich einen alten Mann in Unterhosen. Allein das sollte euch schon überzeugen, das Spiel zu wishlisten. Aber der ungewöhnliche Rhythmus-Simulations-Mix hat auch noch mehr zu bieten. Ich bin nämlich George und sammle Schallplatten, um sie in meinem Laden zu verkaufen.
Bevor ich sie aber verkaufen kann, muss ich natürlich selbst reinhören. Hier verwandelt sich Mr. Records in ein Rhythmus-Spiel. In über 40 fürs Spiel komponierten Liedern springe, schlage und gleite ich im Takt der Musik – mal headbange ich zu harten E-Gitarren-Klängen, mal wippt mein Fuß zu launigen Country-Melodien. Nicht nur die unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen werden zu einer Herausforderung, sondern auch die liebevoll gestalteten Hintergründe. Wie soll ich denn bitte rechtzeitig springen, wenn ich Hotdogs und anderen Georges beim Tanzen zuschaue?!
Habe ich ein Rhythmus-Level abgeschlossen, verfasst George einen kleinen Kommentar zum Lied und die Schallplatte wandert in den Laden. Tagsüber bediene ich Kunden und suche die passenden Alben für ihre Anfragen heraus. Am Anfang ist das noch sehr einfach – »Ich suche ein Geschenk, meine Freundin mag die Farbe Grün!« – soll aber im Laufe des Spiels noch schwieriger werden. Mr. Records stand nicht in meinem gamescom-Stundenplan und ich bin nur beim Event House of Wired darüber gestoßen, weil ich noch etwas Zeit hatte. Aber ich bin mit fantastischer Laune wieder gegangen – und das reicht mir, um mich auf das Spielchen zu freuen!
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