Wer die Preisentwicklung von Laptops beobachtet, erlebt derzeit ein faszinierendes Paradoxon. Während Laptops scheinbar immer teurer werden, bekommt ihr ausgerechnet einige Apple MacBooks so günstig wie noch nie in diesem Jahr.
Der Retail-Trend: Rekordtiefs im freien Handel
Schaut man rein auf die offiziellen Apple-UVP-Preise, herrschte in den letzten Wochen scheinbar Stabilität. Doch die Wahrheit liegt im freien Handel (Amazon, Notebooksbilliger und Co.). Hier kam es in den letzten Wochen zu einer regelrechten Rabattoffensive:
- MacBook Air (M5-Generation): Das im Frühjahr gestartete 13-Zoll-Modell mit der neuen M5-Architektur (standardmäßig mit 16 GB RAM ausgerüstet) erlebte im Mai einen drastischen Preisrutsch. Lag der Einstiegspreis zuvor knapp über der 1.000-Euro-Marke, drückten Händler den Preis Mitte bis Ende Mai auf ein Rekordtief von immerhin rund 949 Euro. Aktuell liegen die Preise allerdings schon wieder bei 989 Euro.
- MacBook Pro (14 Zoll, M5 Pro): Auch die professionelle Schiene zog nach. Für das 14-Zoll-Modell mit M5-Pro-Chip und 16-GB-RAM möchte Apple in seinem Store unverändert 1.899 Euro haben. Bei verschiedenen Händlern staubt ihr den Rechner aber schon für 1.399 Euro ab!
- MacBook Neo: Apples neuer, im März vorgestellter Budget-Hit kostet in der Basis-Version mit 256-GB-SSD unverändert 699 Euro. Im Handel bekommt ihr das kleine Notebook dagegen bereits für 605 Euro.
Die Hintergründe: Warum sinken die Preise?
Eigentlich müssten Laptops aktuell teurer werden. Die PC-Industrie leidet weiterhin unter einer extremen Knappheit bei DRAM-Speicherchips, da die Halbleiterhersteller ihre Kapazitäten für die gigantische Nachfrage von KI-Rechenzentren reservieren. Experten schätzen, dass die Preise für Windows-Laptops und Chromebooks im Laufe des Jahres 2026 um bis zu 40 Prozent steigen könnten.
Dass Apples MacBooks in den letzten zwei Monaten dennoch günstiger wurden, hat dabei primär zwei Gründe:
- Die Marge als Puffer: Apple operiert traditionell mit extrem hohen Gewinnspannen bei Speicher-Upgrades. So kostet etwa eine Verdopplung des RAM von 16 GB auf 32 GB beim MacBook Pro geschmeidige 500 Euro Aufpreis. Diese Luxusmarge erlaubt es Apple und den großen Retailern, die gestiegenen Einkaufskosten der Standard-Basismodelle abzufedern, ohne die Preise sofort an die Kunden weiterzugeben.
- Lagerräumung & Marktanteile: Mit dem MacBook Neo wildert Apple aggressiv im Segment unter 600 Euro. Um die teureren Modelle, wie etwa das MacBook Air M5, daneben attraktiv zu halten und die Verkaufszahlen im Sommerloch anzukurbeln, erlaubte Apple den Händlern im Mai ungewöhnlich viel Spielraum für Rabattaktionen.
Dass Apple die steigenden Chipkosten allerdings durchaus im Blick hat, zeigte sich im Mai an anderer Stelle: Das günstigste Mac Mini Modell wurde klammheimlich eingestellt, wodurch der Einstiegspreis dort um satte 200 Euro stieg. Bei den MacBooks blieb dieser Preisschock im Mai und Juni 2026 bisher aber aus.
Fazit
In den letzten zwei Monaten sind die realen MacBook-Preise für Verbraucher deutlich gefallen. Wir erleben aktuell ein perfektes, aber möglicherweise kurzes Schnäppchenfenster. Wer ein MacBook im Standard-Setup (16 GB RAM / 512 GB SSD) sucht, kauft jetzt so günstig wie noch nie in diesem Jahr.
Allerdings zeigt die Preiskurve des Chipmarktes ganz klar nach oben: Sobald die aktuellen Lagerbestände der Händler abverkauft sind und die RAM-Krise voll durchschlägt, könnten die Preise im Spätsommer oder Herbst wieder spürbar anziehen.

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