Im KI-Zeitalter muss ja anscheinend wirklich alles Künstliche »Intelligenz« haben. Fernseher blieben bisher etwas außen vor, vermutlich, weil wir sie nicht dauernd in den Fingern haben wie Handys, PCs oder Laptops.
Google holt das jetzt nach und rollt Gemini für sein Betriebssystem Google TV aus, so der Techriese auf seinem hauseigenen Blog.
Natürlich mit an Bord: Generative KI. Es gibt aber auch eine Funktion, die tatsächlich nützlich ist.
Nano Banana und Veo auf dem TV
Was kommt denn nun eigentlich alles auf Google TV und welche Marken bekommen das Update? Lasst mich das für euch schnell aufdröseln.
Folgende Hersteller haben Fernseher mit Google TV als Betriebssystem im Programm:
- Sony
- Philips
- Hisense
- TCL
- Sharp
- Grundig
- Thomson
- Telefunken
Hinweis: Nicht alle Modelle der entsprechenden Hersteller nutzen auch Google TV.
Folgende Funktionen verspricht Google mit dem kommenden Update:
- KI als »visuelles Framework«. Kurz gesagt: Gemini gibt Antworten auf Fragen, sucht Bilder und Videos – wie ein LLM eben.
- KI für Fotogalerien. Gemini soll helfen, bestimmte Momente wiederzufinden und Personen zu erkennen. Ach ja, Artstyles und Remixes gibt’s dazu.
- Nano Banana und Veo, um Fotos zu verändern oder gleich »originalen« Content zu erstellen.
- KI als Assistenz. Bild zu dunkel oder Dialoge zu leise? Gemini passt das auf Wunsch an.
1:53:19
Der KI-Hype frisst sich selbst – Tech-Jahresrückblick 2025
Wenn mich eines am KI-Hype der Techriesen stört, dann, dass entweder Probleme gelöst werden sollen, die es gar nicht gibt. Oder Features eingeführt werden, die in der Praxis kaum jemand nutzen dürfte.
Warum sollte ich Gemini auf dem TV nutzen, wenn mein Handy meist in Griffweite liegt? Dabei muss es sich um kein Android-Gerät handeln, das ebenfalls Gemini nutzt. Ich kann auch mein iPhone in die Hand nehmen und eine beliebige LLM ansteuern.
Mehr noch: Per Stimme kann ich das Smartphone eh aufwecken und befragen. Oder direkt dort Bilder bearbeiten, um sie dann über den Fernseher zu zeigen. Wozu brauche ich diese Funktionen auf dem TV, wenn es über das Smartphone vermutlich leichter und schneller geht?
Was mich allerdings noch mehr am Update stört, ist GenKI.
Euch hat das Ende von Stranger Things
nicht gefallen? Macht ein neues!
Im November schrieb ich darüber, wie sehr mir GenKI auf den Zeiger geht. Disney hatte angekündigt, entsprechende Features bei seinem Streaming-Dienst zu implementieren, damit jeder Kurzinhalte mit Disney-Marken erstellen kann.
Hier steckt dasselbe Schreckgespenst dahinter: Es geht um Engagement. Je mehr Menschen GenKI benutzen, desto mehr Gründe gibt es für Firmen, das auf jeder elektrischen Zahnbürste einzubauen. Ein Zirkelschluss, wie wir bereits in einem Artikel erklärt haben.
56:01
GameStar Tech Talk: Geht KI zu weit?
Und auch hier bleibt mein Argument bestehen: Wenn ich GenKI nutzen will, wieso sollte ich das über den TV tun? Prompts schreibe ich am Rechner am schnellsten oder spreche sie am Handy ein. Und der Gedanke, dass ich mich mit Freunden auf die Couch setze und wir uns unser eigenes Ende von »Stranger Things« zusammenprompten, kommt mir arg abstrakt vor.
TVs sind Computer, da ergibt es Sinn, sie mit dem Internet zu verbinden, um sie beispielsweise aktuell zu halten oder vom Gerät aus Apps zu nutzen. Als Besitzer eines Fernsehers mit Google TV als OS überlege ich aber ernsthaft, ihn vom Netz zu trennen. KI haben wir schließlich sonst schon fast überall.
Eine nützliche Funktion gibt es
Ich will ja nun nicht alles schlechtreden, denn in den Update-Notizen versteckt sich eine unfassbar nützliche Funktion, die theoretisch jedem nützt: Ich kann meinem TV ein Problem schildern und er behebt es.
Ein Beispiel: Ich arbeite seit bald zehn Jahren beruflich mit TVs und eines hat sich seither kaum verbessert: die verschachtelten Menüs.
Dem TV einfach sagen zu können, wo der Schuh drückt, reißt eine enorm hohe Barriere ein. Und mir geht es dabei gar nicht mal darum, das letzte Quäntchen Bildqualität aus dem Panel zu holen.
- Wenn ich dem TV sage, dass die Dialoge zu leise sind, stellt er automatisch das richtige Preset ein, um sie hervorzuheben.
- Wenn das Bild zu dunkel ist, sage ich dem Fernseher das und er passt Helligkeit und Kontraste an.
Ich brauche gar nicht versuchen, meinen Eltern zu erklären, wie sie am besten vorgehen. Solche Probleme löst die Assistive KI und da sehe ich ihren Einsatzzweck. Gern mehr davon!
Im Hinblick auf KI bin ich vorsichtig. KI ist ein Hype, den mir Unternehmen gern aufzwingen möchten – jetzt auch am TV. Von Generativer KI lasse ich grundsätzlich die Finger.
Was mir aber immer willkommen ist, sind Funktionen, die Barrieren aus dem Weg räumen. Wenn dank der KI auf Google TV Leute am Ende ein besseres Filmerlebenis haben, dann bin ich mit dem Update mehr als einverstanden.
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