Bis zum Release von GTA 6 sind es nur noch wenige Wochen. Am 19. November 2026 endet die 13 Jahre lange Wartezeit und viele Fans der Reihe fragten sich ungefähr genau so lang: »Was dauert da denn so?«
Branchen-Insider und Journalist Jason Schreier ist dieser Frage auf den Grund gegangen und hat dafür bei Rockstar selbst an die Tür geklopft. In einem umfangreichen Bericht (hinter einer Bezahlschranke) beschreibt er, was ihm die Entwickler bei seinem Besuch in in Edinburgh verraten haben.
Entwicklung mit Hürden
Es ist kein Geheimnis mehr, dass GTA 6 das ambitionierteste Projekt in Rockstars Firmengeschichte ist und das stand wohl gleich zu Beginn fest. Insgesamt habe die Entwicklungszeit allerdings nicht 13, sondern 8 Jahre betragen. Denn nach GTA 5 waren die Devs erst einmal mit Red Dead Redemption 2 beschäftigt.
Ursprünglich war sogar geplant GTA 6 zeitgleich mit dem Western zu entwickeln, doch mit den immer höher gesteckten Zielen bei der Geschichte um Arthur Morgan entschied Co-Studio-Chef Rob Nelson alle verfügbaren Ressourcen auf das aktuelle Projekt zu werfen. Und so wurde GTA 6 vorerst hinten angestellt.
Nachdem Red Dead 2 vollendet war, verabschiedeten sich einige Führungskräfte von Rockstar, allen voran Drehbuchautor Dan Houser. An der Spitze der Entwicklung standen nun drei Köpfe: Rob Nelson, Phil Hooker und Aaron Garbut, die sich auf eine Richtung für das nächste GTA einigen mussten.
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Wird GTA 6 zu realistisch - Oder geht da noch mehr?
Bis Ende 2019 stand das Grundgerüst samt den Hauptfiguren Jason und Lucia fest, doch es erwies sich als schwierig, die Details festzuzurren. Wie originalgetreu sollte Vice City werden? Wie realistisch die einzelnen Spielhandlungen? Machte das Spiel überhaupt noch Spaß, wenn jeder Handgriff simuliert wird?
Mitten in diese Entscheidungen krachte die Corona-Pandemie, die viele Mitarbeitende in ihren Häusern hielt. Rockstar stellte immer mehr Leute ein und die Kommunikation wurde schwieriger. Einige der Senior-Designer warfen frustriert das Handtuch; Nelson erinnert sich:
Ein Team durch so etwas zusammenzuhalten, ist wirklich eine enorme Herausforderung. Ich kann mir gut vorstellen, wie ich mich fühlen würde, wenn ich irgendwo in einem Studio säße, Tag für Tag auf dieses Ding blicken und mitansehen würde, wie es einfach keine Gestalt annimmt – und man sich irgendwann fragt: »Wird sich das überhaupt jemals zusammenfügen?«
Nichtsdestotrotz nahm GTA 6 im Jahre 2022 so langsam Gestalt an und komplizierte Systeme wurden immer weiter ausdefiniert, wie beispielsweise die Möglichkeit, mit beiden Protagonisten gleichzeitig Aktivitäten zu unternehmen.
Doch in diesem Jahr kam der nächste große Rückschlag für Rockstar. Jemand hatte sich Zugang zum Kommunikationstool des Teams verschafft und dutzende Videos und Screenshots veröffentlicht. Garbut sagt beschreibt das Gefühl von damals so:
Es fühlt sich an, als würde jemand durch deine Schmutzwäsche waten. Es ist, als wären sie direkt in deinem Kopf. Du siehst deine frühen Arbeiten da draußen – etwas, das eigentlich nie jemand zu Gesicht bekommen sollte. Es ist auf eine seltsame Art extrem übergriffig. Und deshalb ist es auf emotionaler Ebene ziemlich schwer zu verkraften.
Ein Wandel im Team
Rockstar ging gerichtlich gegen den Leaker vor, doch musste sich für die Zukunft besser absichern. So wurde bis 2024 die Fernarbeit komplett abgeschafft. Ein Zugriff auf die Server und Tools des Unternehmens war für die Entwickler ausschließlich vor Ort im Büro möglich.
»Der Gedanke, das Spiel in so vielen verschiedenen Umgebungen zu haben, ist etwas, worüber unser Sicherheitsteam wohl kaum begeistert wäre. Wenn es sich nicht um ein Spiel handelte, das die Leute derart brennend stehlen wollen, wäre diese Diskussion vielleicht einfacher zu führen«, gesteht Rockstars Lead of Publishing Jennifer Kolbe.
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Die GTA 6-Leaks gehen mir nur noch auf die Nerven!
Gleichzeitig habe Rockstar aber auch bewusst Maßnahmen gegen Crunch ergriffen. Laut Schreier äußerten sich dutzende Angestellte positiv zu den neuen Ansätzen, die das Unternehmen verfolgte. Nach den negativen Berichten um Red Dead 2 seien sich die Entwickler jeder Ebene einig gewesen: »Wir machen das nicht noch einmal so« und so wurden Systeme eingeführt, mit denen Mehrarbeit ausgeglichen wurde.
Das führte natürlich dazu, dass Abläufe sich verlangsamen und Zeitpläne anders organisiert werden. Hier dürfte auch der enorme Zuwachs an Arbeitskraft hilfreich gewesen sein: Rockstar wuchs von 2.400 Angestellten im Jahre 2018 auf heute mehr als 4.700 an.
Eine unmögliche Deadline
Als 2023 der erste Trailer einen Release in 2025 ankündigte, war man noch felsenfest davon überzeugt, diese Deadline einhalten zu können. Doch die Gewissheit schwand mit den Monaten immer weiter. »Man verspürt einen gewaltigen Druck und die Pflicht, ein Spiel von allerhöchster Qualität im denkbar ehrgeizigsten Zeitplan abzuliefern», so Nelson, «Im laufenden Prozess evaluiert man das dann immer wieder. Und wenn man schließlich in Schlagdistanz gerät, muss man entscheiden, ob es wirklich realisierbar ist.«
So wurde GTA 6 das erste mal verschoben, einige Monate später ein weiteres Mal. Dafür sei nicht eine große Sache der Grund gewesen, sondern viel eher etliche kleine. Die vielen kleinen Puzzleteile seien am Ende nicht so zusammengekommen, wie man es sich erhofft hatte.
Als Beispiel nennen die Entwickler die Anzahl der NPCs in der Spielwelt. Für das, was man erreichen wollten, reichten die Produktionskapazitäten vorn und hinten nicht aus. So stampfte Rockstar ein Team aus dem Boden, dass sich einzig und allein um die Erschaffung von Hintergrundcharakteren kümmerte.
Das war aber nicht genug, wie Hooker erklärt: »Als sich abzeichnete, dass manche Bereiche es nicht rechtzeitig schaffen würden, fiel der Entschluss, das Veröffentlichungsdatum zu verschieben. Wir hätten den Zeitplan zwar einhalten können, aber dann wäre es nicht das Spiel geworden, das wir machen wollen.«
Doch für den 19. November sieht es gut aus, wie Schreier im Bericht festhält. GTA 6 werde für Rockstar zudem nicht nur ein für sich stehendes Spiel, sondern auch die Grundlage für kommende Projekte. Die in den letzten Jahren entstandenen Tools und die aufgerüstete Engine sollen die Arbeit an künftigen Titeln deutlich beschleunigen. Die Entwickler versprechen: Der nächste Release wird nicht so lange auf sich warten lassen.
Wir bleiben gespannt.
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