Hakenkreuze in Spielen - Geschäftsführer des game-Verbands hält Rechtsposition der Behörden für »überholt«

Wieder einmal sorgen Videospiele mit Hakenkreuzen für Aufsehen. Sollten Spiele als Kunstwerke NS-Symbole abbilden dürfen? Wir haben Felix Falk gefragt, den Geschäftsführer des Verbands der deutschen Games-Branche.

von Michael Herold,
11.05.2018 15:27 Uhr

Felix Falk war unter anderem auch sieben Jahre lang Geschäftsführer bei der USK.Felix Falk war unter anderem auch sieben Jahre lang Geschäftsführer bei der USK.

Hakenkreuze sind als Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen noch immer illegale Symbole, die nicht verbreitet oder öffentlich verwendet werden dürfen. Dementsprechend dürfen sie auch nicht in Videospielen abgebildet werden. Doch ist diese Symbolzensur in Spielen heutzutage noch sinnvoll?

Laut Felix Falk, dem Geschäftsführer von game, dem Verband der deutschen Games-Branche, ist die aktuelle Rechtslage nicht mehr zeitgemäß. Als »Leitmedium des 21. Jahrhunderts« müssten Videospiele endlich »die gleichen Chancen wie andere Medienformen haben, auch schwierige gesellschaftspolitische Themen wie die Zeit des Nationalsozialismus verantwortungsvoll und reflektiert umzusetzen«. Und damit auch die Möglichkeit, NS-Symbole wie das Hakenkreuz im verantwortungsvollen Rahmen abzubilden.

"Games sind Kunst - daran besteht kein Zweifel! Mittlerweile ist das glücklicherweise auch in Deutschland weithin anerkannt. Die aktuelle Rechtsposition mancher zuständigen Behörden beim Thema verfassungsfeindliche Symbole in Computer- und Videospielen ist daher überholt und hat mit der gesellschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre nicht Schritt gehalten."

Filme zum Beispiel dürfen nämlich schon lange Hakenkreuze abbilden. Als eindeutige Kunstwerke fallen sie unter die sogenannte Sozialadäquatsklausel, die Kunst, Wissenschaft und Unterhaltungsmedien unter bestimmten Umständen das Darstellen von NS-Symbolen erlaubt. Videospiele hingegen erscheinen in Deutschland meist in einer zensierten Version, aus der alle Hakenkreuze und Nazi-Bezüge rausgeschnitten wurden (zum Beispiel bei Call of Duty: WW2 oder Wolfenstein 2).

Zur Person:
Felix Falk ist seit dem 1. Februar 2018 Geschäftsführer des neugegründeten Verbands der deutschen Games-Branche namens game. Zuvor leitete er von 2009 bis 2016 bereits die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und anschließend den Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). Außerdem war er maßgeblich an der Entstehung des Deutschen Computerspielpreises beteiligt.

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»Es bleibt ein hochsensibles Thema«

Erst vor Kurzem sorgte das Browser-Spiel Bundesfighter 2 Turbo für Aufsehen, da man darin mit dem AfD-Politiker Alexander Gauland eine Hakenkreuz-Attacke durchführen kann. Doch obwohl dort eindeutig ein NS-Symbol verwendet wird, wollten weder die zuständige Staatsanwaltschaft noch die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart ein Ermittlungsverfahren gegen das Spiel wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen eröffnen.

In Bundesfighter 2 Turbo darf das Hakenkreuz also ungestraft gezeigt werden. Und laut Felix Falk ist dies ein Schritt in die richtige Richtung.

"Die Entscheidung im Fall 'Bundesfighter 2 Turbo', den Einsatz solcher Symbole in diesem satirischen Spiel strafrechtlich nicht zu verfolgen, zeigt aber, dass bereits ein Umdenken erkennbar ist. Dennoch bleibt auch der verantwortungsvolle Einsatz verfassungsfeindlicher Symbole ein hochsensibles Thema, das sich nicht eignet, lautstark Forderungen zu stellen. Als Verband der deutschen Games-Branche sind wir dauerhaft in Gesprächen mit allen Akteuren, um den Prozess zu beschleunigen, endlich einen zeitgemäßen Rechtsrahmen durchzusetzen."

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Damit sich die Rechtlage ändert, bräuchte es allerdings ein neues Gerichtsverfahren. Denn wie uns der Rechtsanwalt Kai Bodensiek erklärt hat, sind die Entscheidungen zum Fall Bundesfighter 2 Turbo nur wenig wert, da sie nur von Staatsanwälten stammen. Um einen neuen Präzedenzfall zum Thema Hakenkreuze in Videospielen zu schaffen, wäre allerdings ein Urteil von einem Gericht notwendig.

Felix Falk hat sich übrigens schon früher gegenüber der GameStar zum Thema NS-Symbole in Spielen geäußert. Im vergangenen November, als er noch Geschäftsführer des Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) war, nannte er das Hakenkreuz-Verbot in Videospielen einen »Verstoß gegen die Grundrechte der Kunst- und Meinungsfreiheit«.


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