Blizzard bricht Schweigen zur Hongkong-Kontroverse und mildert Strafe

Laut Blizzard-Chef J. Allen Brack habe der Ban für den Hearthstone-Profi, der »Freiheit für Hongkong« forderte, nichts mit der Aussage an sich zu tun.

von Elena Schulz,
12.10.2019 10:59 Uhr

Blizzard äußert sich erneut zur kontroversen Sperre für Chung »Blitzchung« NG Wai. Blizzard äußert sich erneut zur kontroversen Sperre für Chung »Blitzchung« NG Wai.

Blizzard-Präsident J. Allen Brack hat sich in einem neuen Statement ausführlich zur aktuellen Kontroverse um den gesperrten Hearthstone-Spieler Chung »Blitzchung« NG Wai geäußert. Er mildert die ursprüngliche Strafe für den E-Sport-Profi und erklärt, dass der Ban nichts mit dem Inhalt seiner Aussage zu tun gehabt habe.

Blitzchung hatte sich nach einem Sieg bei den Asia Pacific Hearthstone Grandmasters am 6. Oktober live an den Protesten in seiner Heimat Hongkong beteiligt und mit den chinesischen Worten »Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit« Freiheit für die chinesische Sonderverwaltungszone gefordert.

Worum geht es bei den Protesten in Hongkong?

Hongkong ist seit 1997 eine chinesische Sonderverwaltungszone. Das heißt, die Metropole mit 7,5 Millionen Einwohnern steht zwar unter der Staatshoheit der Volksrepublik China, aber anders als im Rest Chinas gelten dort nach wie vor die Rechte aus der Zeit als britische Kronkolonie wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Als die Stadtverwaltung um Juni 2019 vorschlug, künftig Auslieferungen an China zu ermöglichen, gingen Hunderttausende Bewohner der Metropole gegen die wachsende Einflussnahme der chinesischen Regierung auf die Straßen. Zusammenstöße zwischen Aktivisten und der Polizei schlugen immer wieder in Gewalt um. Aktuell kommt es nahezu täglich zu neuen Meldungen über Protestaktionen, Zusammenstöße und Festnahmen.

Kürzere Strafe und Preisgeld für Blitzchung

Ursprünglich sollte die Sperre dafür ein Jahr andauern. Von seinen Interviewern hatte Blizzard sich außerdem getrennt, weil sie ihn ermutigt haben, die Worte in Mandarin auszusprechen. Beide Strafen werden laut des aktuellen Statements auf sechs Monate Sperre reduziert. Außerdem darf Blitzchung sein bisheriges Preisgeld behalten. Das soll sich auf circa 14.500 Euro belaufen.

Blizzard war nach dem Ban für Blitzchung am 8. Oktober viel Kritik ausgesetzt. Während Spieler online zum Boykott von Blizzard-Spielen wie World of Warcraft oder Overwatch ausriefen, deckten Blizzard-Mitarbeiter im Studio die Inschriften mit den Studiowerten »Global denken« und »Jede Stimme zählt« ab, um so gegen das Vorgehen ihres Arbeitgebers zu protestieren.

Im Stream hatte Blitzchung Gasmaske und Skibrille aufgesetzt, beides Symbole für die Proteste in Hongkong. Im Stream hatte Blitzchung Gasmaske und Skibrille aufgesetzt, beides Symbole für die Proteste in Hongkong.

China soll nichts mit der Sperre zu tun haben

Ein zentraler Kritikpunkt war dabei Blizzards wirtschaftliche Nähe zu China, weil der chinesische Riesenkonzern Tencent immerhin fünf Prozent der Anteile am Publisher besitzt. Das wurde für viele auch in zwei unterschiedlichen Statements zum Thema deutlich, die vor dem aktuellen abgegeben wurden.

Während das allgemeine Statement im Westen den Ban mit einer Regel gegen Aktionen begründete, »die dich nach Blizzards alleinigem Ermessen in öffentlichen Verruf bringen, einen Teil der Öffentlichkeit beleidigen oder anderweitig Blizzards Image beschädigen«, hieß es im chinesischen Statement, dass man »die nationale Würde Chinas« schützen wollte«.

Im aktuellen Statement betont Brack nun, dass Blitzchungs Sperre nichts mit der Aussage an sich zu tun habe und man bei einer gegenteiligen Aussage zur Unterstützung Chinas genauso reagiert hätte.

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Offizielle Streams sollen unpolitisch bleiben

Blitzchung habe laut Brack bewusst die Regeln gebrochen, als er live die Aussage machte. Die besagen ihm zufolge, dass sich der Stream auf das Spiel konzentrieren soll und schließen poltische oder gesellschaftliche Statements jeglicher Form aus.

"Wir interviewen besonders starke Spieler, damit sie ihre Gefühle teilen können. Wir wollen diesen Moment mit ihnen teilen. Ihre Begeisterung zu hören, ist ein mächtiger Weg, um uns zusammenzubringen.

Am Wochenende hat Blitzchung sein Segment dafür genutzt, um ein Statement über die Situation in Hongkong abzugeben und hat damit die Regeln verletzt, die er anerkannt und verstanden hat. Darum haben wir so gehandelt.

Jede Stimme zählt und wir ermutigen jeden in unserer Community seine Sicht an den vielen Orten, wo das möglich ist, zu teilen. Der offizielle Livestream muss sich allerdings auf das Turnier konzentrieren und ein Ort sein, wo jeder willkommen ist. Deshalb möchten wir, dass sich alle offiziellen Kanäle auf das Spiel konzentrieren."

Dass sei auch der Grund, warum man die Interviewer bestraft habe. Ihre Rolle sei es, den Schwerpunkt auf dem Turnier und den Spielern zu halten. Deshalb habe man laut Brack sehr wohl im Einklang mit den Werten des Unternehmens gehandelt. Man habe nicht versucht, Blitzchungs Meinung zu unterdrücken, sie sei nur im Stream fehl am Platz gewesen.

Blizzards Regeln stellen klar, dass es im offiziellen Stream nur um Hearthstone gehen darf. Blizzards Regeln stellen klar, dass es im offiziellen Stream nur um Hearthstone gehen darf.

»Man hätte die Situation besser lösen können.«

Trotzdem gesteht Brack ein, dass Blizzards Vorgehen nicht ideal war. Das Unternehmen wollte sich nach dem Vorfall die Zeit, seiner Community zuzuhören und habe eingesehen, dass man vorschnell und nicht angemessen gehandelt habe.

"Wir wollen sicherstellen, dass wir eine sichere Umgebung für alle unsere Spieler bieten, die niemanden ausschließt und dass unsere Regeln und Abläufe klar sind. Dafür steht mit »Spiel nett und fair« ein weiterer Blizzard-Wert.

Im Turnier an sich spielte Blitzchung fair. Wir glauben deshalb, dass er seinen Preis erhalten soll. Wir verstehen, dass es manchen nicht um den Preis geht und andere finden es respektlos, überhaupt darüber zu sprechen. Das ist nicht unsere Absicht."

Trotzdem wolle man nicht auf eine Sperre verzichten, weil zum fairen Spielen auch das faire Verhalten vor und nach einem Match gehöre. Als Kompromiss habe man sich dafür entschieden, die Sperre auf sechs Monate zu senken. Wenn Blitzchung möchte, könne er danach wieder an Spielen der Hearthstone-Profiliga teilnehmen. Das gleiche gelte für die Interviewer, die ursprünglich gefeuert wurden. Jetzt dürfen auch sie nach sechs Monaten zurückkehren, wenn sie wollen.

In Zukunft werde man allerdings auch weiterhin auf die Einhaltung der eigenen Turnierreglen achten, um sicherzustellen, dass sich die offiziellen Livestreams um die Spiele drehen und nicht »zur Plattform für spaltende soziale oder politische Ansichten werden, so dass sich jeder unanbhäng von politischen Ansichten, Glauben, Herkunft und Geschlecht als Spieler und Wettbewerber willkomen willkommen fühle«.

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