Hogwarts Legacy: So ein Rollenspiel ist seit Jahren überfällig

Meinung: Avalanche arbeitet wirklich an einem Open-World-Rollenspiel im Harry-Potter-Universum - und dafür wird es allerhöchste Zeit.

von Fabiano Uslenghi,
17.09.2020 13:42 Uhr

Was für ein magischer Moment! Anders kann ich dieses Gefühl nicht beschreiben, das ich bei der Ankündigung von Hogwarts Legacy empfunden habe. Schon die vielversprechenden Leaks vor einigen Jahren weckten in mir die Hoffnung darauf, genau das irgendwann mal wirklich spielen zu können. Und jetzt ist es offiziell: Hogwarts Legacy wird ein vollwertiges Harry-Potter-Rollenspiel für Einzelspieler. Mit Open World, verschiedenen Fähigkeiten, Hogwarts-Häusern, magischen Kreaturen und Quidditch.

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Harry Potter: Open-World-Rollenspiel Hogwarts Legacy kommt für den PC

Auch wenn uns Publisher Warner Bros. und Entwickler Avalanche noch sehr viele Details schuldig sind, kann ich meine momentane Aufregung nach dem ersten Trailer, einigen Screenshots und einer Hand voll Informationen kaum noch verbergen. Denn meiner Meinung nach gibt es eigentlich keinen Grund, wieso wir bis 2021 auf so ein Spiel warten mussten.

Der Autor: Fabiano wurde zu Beginn der 90er-Jahre geboren und war damit genau im richtigen Alter als die Harry-Potter-Romane zum Ende des Jahrzehnts zu einem Massenphänomen wurden. Die Filme ließen dann ja auch nicht mehr all zu lange auf sich warten. Gemeinsam mit vielen anderen träumte er deshalb davon, nach der Grundschule lieber einen Brief aus Hogwarts zu bekommen, als auf die lahme Mittelstufe zu gehen. Was natürlich nur nicht geklappt hat, weil er nicht in Großbritannien lebt. Anfangs konnten die famosen Harry-Potter-Adventures diese verpasste Chance noch ausgleichen, so wirklich wollte oder konnte bisher aber noch kein Videospiel diesen uralten Wunsch in einem waschechten Rollenspiel aufgreifen. Zumindest bist jetzt.

Harry Potter braucht dieses Spiel

Ich muss mit Sicherheit niemanden mehr erklären, was Harry Potter ist. Die Fantasy-Welt rund um den Brillenträger mit der Blitznarbe hat sich seit Ende der 90er zu einer der größten Marken aller Zeiten entwickelt. Die Fangemeinde ist nach wie vor gigantisch und macht Harry Potter zu einem ähnlichen Schwergewicht wie Star Wars oder Der Herr der Ringe.

Und wie bei Star Wars und Herr der Ringe verdankt Harry Potter diese Beliebtheit zu großen Teilen auch seiner im wahrsten Sinne zauberhaften Welt. Allein das Konzept von Hogwarts, einer Zauberschule voller Mysterien, schrulligen Lehrern, Geistern und einem absurden Besensport, reicht schon aus, um sich dorthin zu wünschen. Und genau deshalb ist es für mich unerklärlich, wieso bisher noch niemand diesen Wunsch in Form eines hochwertigen Videospiels erfüllen wollte.

Eines der größten Highlights von Hogwarts Legacy ist sicherlich die berühmte Schule nach allerlei Geheimnissen abzusuchen. Eines der größten Highlights von Hogwarts Legacy ist sicherlich die berühmte Schule nach allerlei Geheimnissen abzusuchen.

Auch wenn Harry Potter mit seinen Büchern und Filmen eine besondere Geschichte erzählt, war für mich der viel größere Reiz daran immer der Traum davon, diese Zaubererwelt einmal selbst zu besuchen. Mehr noch als in den meisten anderen Fantasy-Geschichten, weckte Harry Potter besonders in Kindern meines Alters diese Hoffnung. Wer so wie ich mit Harry Potter aufgewachsen ist, der hat zu irgendeinem Punkt in seinem Leben mit absoluter Sicherheit mal gedacht: »Bestimmt kommt bald mein Brief!« Macht euch da nichts vor. Wir alle haben darauf gehofft!

Und auch wenn irgendwann natürlich die Realisierung einsickert, dass Eulen keine Briefe tragen, hinterlässt so ein Wunsch Spuren. Wenn die Realität diese Hoffnung nicht erfüllt, warum dann nicht ein Videospiel?

Und welches Genre könnte dieses Gefühl von: »Jetzt darfst du selbst nach Hogwarts reisen« besser vermitteln, als ein richtiges Open-World-Rollenspiel? Seinen eigenen Charakter erstellen, vom sprechenden Hut in ein Haus sortiert werden und sich dann überlegen, in welchen magischen Fächern man am liebsten brillieren will. Für mich unbegreiflich, wie es 20 Jahre dauern konnte, bis das mal ins Auge gefasst wurde. Jetzt muss die Entwickler der fantastischen Vision nur noch gerecht werden.

Hogwarts Legacy - Open-World-RPG im Harry-Potter-Universum angekündigt 2:40 Hogwarts Legacy - Open-World-RPG im Harry-Potter-Universum angekündigt

Vom Lieblingsspiel zur Lizenzgurke

Aber Hogwarts Legacy bei weitem nicht das erste Harry-Potter-Spiel und auch nicht das erste mit Open World. Gerade die ersten Adventures zu Der Stein der Weisen, Die Kammer des Schreckens oder Der Gefangene von Askaban erfüllten mir den Wunsch nach einer Hogwarts-Einladung. Diese Spiele gehörten in meiner Kindheit zu meinen absoluten Lieblingsspielen.

Gerade Der Stein der Weisen habe ich sicherlich dutzende Male durchgespielt. Und schon hier verbrachte ich viel Zeit damit, einfach durch die Gänge der Zaubererschule zu schlendern. Letztlich verkörperte ich darin dann aber doch nur den guten Harry und war deshalb nicht nur an dessen Geschichte, sondern auch sein Haus und seinen Freundeskreis gekettet. Viel lieber wäre ich selbst in Hogwarts eingeschult worden und hätte die magische Welt auf eigene Faust erkundet.

Die alten Harry-Potter-Adventure erschienen zwar parallel zu den Filmen, setzten aber bei Musik und Design der Figuren nicht auf die Fillmvorlage. Die alten Harry-Potter-Adventure erschienen zwar parallel zu den Filmen, setzten aber bei Musik und Design der Figuren nicht auf die Fillmvorlage.

Nach Der Gefangene von Askaban ging es mit dieser Spielereihe auch steil bergab. Der Feuerkelch verwandelte sich in ein kurioses Hack'n'slay (wenn auch ein funktionales). Alle Spiele danach waren dann einfach nur noch klassische Lizenzgurken. Da wurde Harry Potter plötzlich zu einem Deckungsshooter mit Zauberstäben und gruseligen Charaktermodellen der Schauspieler. Die Lego-Spiele konnten die Flagge der Harry-Potter-Videospiele noch eine Weile hochhalten, doch dann kamen VR-Ableger und Handy-Spiele, die das Feuer endgültig zum Erlöschen brachten. Der Traum von einer Reise nach Hogwarts war für mich damit scheinbar endgültig gestorben.

Was von Hogwarts Legacy zu erwarten ist

Der größte Verdienst von Hogwarts Legacy ist jetzt schon, dass es mir wieder Hoffnung gibt. Auf dem Papier klingt das alles nämlich genau nach dem, was ich mir eben seit der Kindheit von einem Harry-Potter-Spiel wünsche:

  • Ein richtige Open World, die neben Hogwarts noch das Umland wie Hogsmeade oder den Verbotenen Wald abbildet.
  • Die Möglichkeit, sich für eines der vier Häuser zu entscheiden.
  • Meine Fähigkeiten individuell in unterschiedlichen Fächern verbessern: Zaubertränke, Kräuterkunde, Pflege magischer Geschöpfe.

Gleichzeitig konnte mich das Spiel noch überraschen, indem es sich für ein außergewöhnliches Setting entschieden hat. Wir besuchen Hogwarts nicht zusammen mit Harry Potter in den 90ern, sondern etwa 100 Jahre früher. Und für mich klingt ein Hogwarts im späten 19. Jahrhundert spannender und vor allem unverbrauchter als wieder auf dieselben Geheimnisse oder Personen aus den Büchern zu treffen. Von Dumbledore, Snape und Co. habe ich genug gesehen.

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Trotz all der Vorfreude bleibt aber eine gewisse Skepsis. Wir wissen momentan schlicht noch zu wenig, um ausnahmslos optimistisch zu sein. Weder konnte ich mehrere Minuten zusammenhängendes Gameplay bestaunen, noch durfte ich selbst Hand anlegen. Ich weiß ja noch nicht Mal, wie das alles funktioniert. Kann Hogwarts Legacy etwa eine wirklich spannende Geschichte erzählen, wenn ich doch selbst über mein Haus entscheide? Spielen Gryffindor, Slytherin, Hufflepuff oder Ravenclaw dann überhaupt eine Rolle? Wir werden sehen.

Eins steht aber fest: Ganz egal, ob Hogwarts Legacy jetzt ein Hit wird oder an den Ansprüchen der Fangemeinde zerbricht, die Idee hinter diesem Spiel ist genau die richtige und sorgt dafür, dass ich nach so vielen Jahren wieder Ausschau nach Briefe tragenden Eulen halten will.

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