Das Horror-Genre boomt – und auf der gamescom 2026 war von fetten AAA-Produktionen bis hin zum kleinsten Indie-Solo-Dev wirklich alles vertreten. Obwohl wir alle ein Lebenszeichen von Resident Evil: Veronica schmerzlich vermisst haben, habe ich mich für euch in die Hallen gestürzt, acht andere Horrorprojekte angespielt und ausführlich mit den Entwicklern gequatscht.
Falls euch also interessiert, was in den kommenden Monaten im (objektiv betrachtet natürlich allerbesten) Videospiel-Genre so passiert, dann stöbert gerne durch meine Liste!
Ach ja – Silent Hill: Townfall taucht hier nicht auf, da ich bereits im Juli bei einem Preview-Event satte drei Stunden in das Spiel eintauchen durfte:
Kategorie 1: Schöner Gänserhaut-Horror
Cronos: Lazarus
Genre: Survival-Horror, DLC | Entwickler: Bloober Team, PixelAnt Games | Publisher: Bloober Team | Release: 2026 | Zur Steam-Seite
Eins meiner Highlights und größten Überraschungen aus dem Jahr 2025 bekommt einen Story-DLC: Mit Lazarus wird die Geschichte des knallharten Survival-Horrorspiels Cronos: The New Dawn erweitert. Diesmal schlüpfe ich nicht mehr in die Rolle der unwissenden Reisenden, sondern in die schweren Stiefel des Wardens und erforsche mit ihm die Überreste von Krakau und der Menschheit. Der Warden hat nicht nur von Anfang an mehr Wissen als die Heldin des Hauptspiels, sondern soll sich auch für uns Spieler überlegen anfühlen.
Zwei neue Fähigkeiten sollen dieses Gefühl der Dominanz unterstützen. Mit einem Decoy kann der Warden Gegner für kurze Zeit von sich ablenken und sich in eine sichere Position begeben, während die Waisen unser Abbild angreifen. Mit Teleportation kann ich mich ebenfalls nicht nur aus brenzligen Situationen retten, sondern mich auch geschickt hinter Gegnern positionieren.
Ich habe bisher zwar nur einen kurzen Abschnitt von Cronos: Lazarus gesehen, habe aber keinen Zweifel daran, dass mich der DLC genauso abholen wird wie schon das grandiose Hauptspiel. Der Release soll noch diesen Herbst erfolgen!
Ritual Tides
Genre: Psychologischer Horror | Entwickler: Vertpaint | Publisher: Vertpaint | Release: tba | Zur Steam-Seite
Ritual Tides war definitiv einer meiner außergewöhnlichsten Termine auf der diesjährigen gamescom. Für den Entwickler und Vertpaint-CEO James Macleod durfte ich quasi als Versuchskaninchen durch eine frühe Version des Spiels stolpern, um ungenaue Sprünge, unklare Wegfindung und andere Fehler ausfindig zu machen. Da der Release von Ritual Tides nicht mehr in allzu weiter Ferne liegt, möchte James das Spiel vorher noch so gut es geht glattziehen.
Ganz nebenbei verriet er mir im Gespräch, dass er über zwei Jahre lang als Environment Artist bei Rockstar an Titeln wie Red Dead Redemption 2 und GTA 6 mitgearbeitet hat. Nach weiteren Stationen in der Branche steckt er nun all sein Herzblut in sein eigenes Indie-Horrorspiel. Doch Ritual Tides fasziniert mich nicht nur wegen dieses spannenden Lebenslaufs.
Das Abenteuer entführt uns ins viktorianische Zeitalter auf die fiktive, britische Insel Hortus. Jeder Baum, jeder Stein und jeder Strandabschnitt wurde hier per Photogrammetrie erschaffen. Glaubt mir: Der dichte Nebel und das sanfte Wellenrauschen sorgen schon jetzt für eine wahnsinnig dichte Atmosphäre. Für das Gegner-Design bedient sich James bei Lovecraft und schauriger Folklore.
Da steigen glibberige Fischwesen aus der Gischt, in dunklen Höhlen stürzen sich Facehugger-Spinnen auf mich und im späteren Verlauf sollen noch viel schlimmere Höllenbruten folgen. Ich bin jedenfalls mehr als bereit für die tollen, atmosphärischen Geschichten, die diese mysteriöse Insel zu bieten hat.
Und es war auch einfach cool, mal die andere Seite der Spieleentwicklung zu sehen, mit der ich normalerweise nicht so viel in Kontakt komme.
Kategorie 2: Fremde Kulturen erleben
Kumarn: The Wandering Spirit
1:28
Kumarn: The Wandering Spirit – Das neue Horrorspiel nimmt sich Little Nightsmares zum Vorbild und ertränkt es in der schaurig-schönen Kultur Thailands
Genre: Action Adventure | Entwickler: WereBuff Studio | Publisher: Wired Productions | Release: tba | Zur Steam-Seite
Kumarn habe ich euch bereits letztes Jahr in meiner gamescom-Horror-Liste vorgestellt – jetzt hat das kleine thailändische Indie-Entwicklerteam mit Wired Productions auch einen Publisher gefunden. Als großes Vorbild stand hier Little Nightmares Pate.
In Kumarn schlüpfe ich in die Rolle des kleinen gleichnamigen Gottes, dessen Zuhause zerstört wurde. Gemeinsam mit seinem Zebra-Begleiter kämpft er sich nun an thailändischen Geistern und Dämonen vorbei. Dabei mixt Kumarn wunderschöne traditionelle Dekorationen, Tänze und Umgebungen mit furchteinflößenden Verfolgungsjagden und schauriger Inszenierung.
Zebras sind in Thailand übrigens nicht heimisch, wie mir der Entwickler erklärt. Sie gelten aber als Glückssymbol und werden als Puppen oder Zeichnungen an Schreinen platziert.
Ich freue mich schon sehr auf den Release von Kumarn – allein, weil ich noch mehr über thailändische Geister und Götter erfahren möchte. Und zu einem Spiel im Stil von Little Nightmares sage ich nie »Nein«!
Agni: Village of Calamity
Genre: Survival-Horror | Entwickler: Separuh Interactive | Publisher: Wired Productions | Release: tba | Zur Steam-Seite
Agni: Village of Calamity würde eigentlich auch perfekt in die nächste Kategorie »Lieber nicht nach dem Essen« passen. Das Survival-Horrorspiel orientiert sich nämlich stark an indonesischen Slasher-Filmen und geizt absolut nicht mit Blut. Allein in meiner 15-minütigen Anspiel-Session musste ich gleich drei verschiedene Todesszenen mitansehen.
Wir schlüpfen in die Rolle der Ermittlerin Agni, die in einem abgelegenen Dorf nach ihrem vermissten Partner sucht. Statt Antworten findet sie dort jedoch okkulte Rituale, völlig verstörende Bewohner und die reine Hölle auf Erden.
Wie mir Ardhan, der Operations Director von Separuh Interactive, erklärt, ist das Spiel ein echter Liebesbrief ans Horror-Genre. Spielerisch verschmilzt hier der klassische Survival-Horror inklusive fester Kamerawinkel im Stil von Resident Evil mit der atmosphärischen Erkundung aus Alan Wake. Dazu kommen cineastische Inszenierungen à la David Cage und eine tiefe Verwurzelung in der indonesischen Kultur.
Ardhan hat mir dazu super spannende Hintergründe verraten, die ich davor nicht kannte: Viele Menschen in seiner Heimat sind muslimisch, glauben aber parallel auch an hinduistische Götter. So ist der Name Agni im Hinduismus eigentlich dem Feuergott vorbehalten, in Indonesien wird er aber sehr oft als Frauenname vergeben.
Auch der Glaube an Geister ist dort extrem stark. Wenn einem Menschen grausame Gewalt angetan wird, so der Glaube, kann er als Rachegeist zurückkehren, von anderen Besitz ergreifen und ihnen das Leben zur Hölle machen. Ob das den Dorfbewohnern in Agni widerfahren ist oder ob sie einfach nur sadistische Psychopathen sind, wird sich wohl erst noch zeigen müssen.
»Keine Angst, im wahren Leben bin ich voll nett«, schiebt Ardhan dann plötzlich hinterher. Auf dem Bildschirm wird unsere Heldin nämlich just in diesem Moment von einem wildgewordenen Mann in Stücke gehackt – und der sieht dem Operations Director einfach verblüffend ähnlich. Weil das Indie-Team aus nur sechs Leuten besteht, musste Ardhan für das Motion Capturing der Figuren kurzerhand selbst als Schauspieler einspringen.
Schon auf dem Summer Game Fest war der Agni-Trailer mein heimliches Highlight, und ich bin super froh, dass es jetzt auf der gamescom mit diesem tollen Plausch geklappt hat. Ich bin nämlich immer für mehr Sichtbarkeit internationaler Indie-Entwickler – vor allem im Horror-Genre!
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