Ich habe meine Beine mit Motoren ausgestattet – mein Fazit nach 7 Tagen [Best of GameStar]

Mehr Leistung in den Beinen dank eines Exoskeletts? Es klingt nach Zukunftsmusik, aber das geht schon heute – und ich hab es für euch ausprobiert.

Wolltet ihr eure Beine schon immer mal mit einem Motor ausstatten? Dann könnte so ein Exoskelett für euch sein. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Wolltet ihr eure Beine schon immer mal mit einem Motor ausstatten? Dann könnte so ein Exoskelett für euch sein. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Stellt euch vor, ihr könntet die Leistung eurer Beine mit einem Gadget um bis zu 30 Prozent steigern. Was nach Zukunftsmusik klingt, ist heute schon Realität. Ich habe das Hypershell Pro X getestet: ein Exoskelett, das die Beine beim Wandern, Bergsteigen und Laufen unterstützen soll. 

Das von mir getestete Modell soll tatsächlich die eigene Leistung der Beine um die besagten 30 Prozent steigern können. Heute erzähle ich euch, wie meine erste Woche damit gelaufen ist. 

Transparenzhinweis: Der Hypershell Pro X wurde mir vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Artikels. Es bestand keine Verpflichtung für eine Veröffentlichung. 

Inzwischen habe ich auch das höherpreise Model X Ultra bei einer 20-km-Wanderung durch Wald und Matsch getestet. Diesen Bericht findet ihr hier: Mit einem futuristischen Exoskelett wollte ich mühelos eine 20-km-Wanderung bewältigen und stattdessen steckte ich bis zu den Knien im Matsch

Einrichtung und Bedienung: überraschend einfach

Der Hüftgurt ist schön gepolstert und das Gewicht von 2 Kilogramm ist kaum spürbar. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Der Hüftgurt ist schön gepolstert und das Gewicht von 2 Kilogramm ist kaum spürbar. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Der Hypershell Pro X kommt in einem großen Koffer und schon beim Auspacken hatte ich Sorge, dass die erste Einrichtung bestimmt kompliziert wird. 

Dem war nicht so. Das erste Einschalten wird von der Hypershell-App begleitet, die einen sehr einfach verständlich durch den Prozess führt. Allgemein müssen nur folgende Schritte befolgt werden:

  1. Akku einstecken.
  2. Hüftgurt einstellen.
  3. Beingurte einstellen.
  4. Einschalten. 

Anschließend erklärt die App, wie die Bedienung funktioniert. Der HyperShell Pro X hat nur eine einzige Taste und vier LEDs und ist deshalb richtig zu bedienen. 

  • Zum Ein- und Ausschalten tippt man zweimal und hält beim zweiten Tipp die Taste. 
  • Ein Doppeltipp erhöht die aktuelle Stufe um 25 Prozent.
  • Dreimal tippen verringert sie um 25 Prozent.
  • Hält man die Taste kurz gedrückt, wechselt man zwischen Eco- und Hyper-Modus (mehr dazu später).

Und das war's. Die Taste ist sehr einfach mit der rechten Hand an der Hüfte erreichbar und die LEDs sind oben platziert, sodass ich sie beim Laufen sehen kann. 

Die ersten Schritte: »Wow, das ist komisch«

Ihr fragt euch jetzt bestimmt, wie sich das Laufen damit anfühlt. Dafür zitiere ich mal meine Schwester, die das Exoskelett auch kurz ausprobiert hat:

»Wow, das ist komisch«. 

Und das ist es anfangs tatsächlich. Der Hypershell Pro X unterstützt beim Laufen das Anheben der Beine. Das heißt, dass bei jedem Schritt eure Beine etwas nach oben gezogen werden. Je nach eingestellter Stufe mehr oder weniger. 

Die Reichweite mit einer Akkuladung beträgt etwa 17,5 Kilometer. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Die Reichweite mit einer Akkuladung beträgt etwa 17,5 Kilometer. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Dabei gibt es die Wahl zwischen zwei verschiedenen Modi:

  • Eco: signalisiert durch grüne LEDs
  • Hyper: signalisiert durch rote LEDs

Im Eco-Modus zieht das Exoskelett die Beine etwas sanfter und weniger ruckartig nach oben. Der Hyper-Modus ist deutlich intensiver und etwas ruckartiger in der Unterstützung. Die Oberschenkel werden dabei bei jedem Schritt richtig stark nach oben gezogen. 

Auf der höchsten Stufe, also Stufe 4 des Hyper-Modus’, fiel es mir etwas schwer, »normal« beim Laufen auszusehen. Es sieht fast mehr aus, als würde man marschieren. 

Die zweiten Schritte: Okay, das ist ziemlich cool

Bevor ich das Haus verließ, habe ich mir erst einmal Gedanken darüber gemacht, ob dieses futuristische Gadget Blicke an sich ziehen wird. Zu meiner Überraschung scheint es vielen Menschen gar nicht aufzufallen. Man könnte eventuell meinen, dass es sich um ein medizinisches Reha-Gerät handeln könnte. 

Die Apparatur hat weniger Blicke auf sich gezogen, als ich erwartet habe. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Die Apparatur hat weniger Blicke auf sich gezogen, als ich erwartet habe. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Ich bin mit dem Hypershell Pro X mehrere Kilometer gelaufen. Dabei habe ich Routen gewählt, die sowohl flach als auch hügelig waren. 

Auf flachem Terrain wählte ich den Eco-Modus. Schon nach wenigen Metern habe ich den Effekt der Unterstützung bemerken können. Selbst nach mehreren Kilometern empfand ich deutlich weniger Ermüdung als ohne das Exoskelett. Die Scharniere sind in allen Richtungen beweglich, weshalb ich mich in der Bewegung kaum eingeschränkt fühlte. 

  • Für einen Spagat reicht der Bewegungsumfang jedoch nicht aus.
  • Beim Hinsetzen hat der Akku auf dem Rücken etwas gestört. 

Der Hüftgurt kann mit zwei Klammern und den Gurten an der Vorderseite verstellt werden. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Der Hüftgurt kann mit zwei Klammern und den Gurten an der Vorderseite verstellt werden. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Richtig beeindruckt wurde ich beim Bergauflaufen oder Treppensteigen. Hierfür habe ich den Hyper-Modus verwendet, und es war unfassbar einfach, selbst steile Hügel zu erklimmen. Ich bin sogar bergauf gerannt und empfand es als deutlich weniger anstrengend für die Beinmuskulatur. Auch Treppensteigen fiel mir mit dem Exoskelett deutlich einfacher. Beachtet jedoch, dass vor allem die Muskelermüdung geringer ist. Herz und Lunge müssen dennoch mitmachen. 

Der Fitnessmodus: Jeder Spaziergang wird zum Workout

Ich persönlich fand den Fitnessmodus sehr interessant, der sich allerdings nur über die Hypershell-App aktivieren lässt. 

Bei diesem erhalten eure Beine keine Unterstützung, sondern das Gegenteil: mehr Widerstand. Es fühlt sich etwa so an, als würde man durch Wasser laufen. Dabei konnte ich die Schwierigkeit zwischen 1 und 100 Prozent einstellen.

Das Laufen im Fitnessmodus konnte mich richtig ins Schwitzen bringen. Jedes Anheben fühlte sich etwa so an, als würde man mit den Oberschenkeln ein Gewicht wegdrücken. Der Widerstand fühlte sich dabei allerdings nicht hart und plötzlich an, sondern sehr geschmeidig und natürlich – deswegen meinte ich, dass es sich anfühlt, wie durch Wasser zu laufen.

So lässt sich der Hypershell Pro X auch als Trainingsgerät für Spaziergänge zu verwenden.

Was ihr über das Hypershell Pro X noch wissen solltet

  • Das Gerät wiegt nur 2 kg und ist sehr bequem beim Tragen. 
  • Eine Akkuladung reicht für etwa 17,5 Kilometer. Der austauschbare Akku wird über USB-C geladen.
  • Das Gerät ist IP54-zertifiziert und somit gegen Spritzwasser geschützt. Wanderungen im leichten Regen sollten also problemlos möglich sein. Es ist außerdem bis zu -20 Grad kälteresistent. 
  • Die Unterstützung ist auch wirksam beim Radfahren. 
  • Schon nach nur zwei Tagen knarzt das linke Scharnier etwas. In der Funktion gibt es dadurch keine Einschränkung, aber dadurch ist das Gerät etwas hörbar. 

Mein erster Eindruck und Empfehlung

Der HyperShell Pro X kann eine hervorragende Unterstützung für euch sein, wenn ihr viel draußen unterwegs seid. Sei es beim Wandern, Radfahren, Bergsteigen oder anderen Outdoor-Aktivitäten. 

  • Bedenkt jedoch, dass die zusätzliche Unterstützung nicht gerade fördernd für den Aufbau von Muskulatur ist. 
  • Andererseits könnte euch so ein Exoskelett mehr dazu motivieren, hinauszugehen und euch zu bewegen. Das ist wiederum sehr gut für die körperliche und auch mentale Gesundheit. 

Wichtiger Hinweis zur Nutzung des Hypershell Pro X

Während der Hypershell Pro X beeindruckende Unterstützung bei Outdoor-Aktivitäten wie Wandern und Bergsteigen bieten kann, sollte die Nutzung wohlüberlegt sein. Die Entlastung der Beinmuskulatur ist zwar angenehm und ermöglicht längere Strecken mit weniger Ermüdung, birgt jedoch auch das Risiko, den natürlichen Trainingseffekt zu mindern. Eine übermäßige Nutzung könnte dazu führen, dass die Muskulatur weniger gefordert wird, was dem Aufbau von Kraft entgegenwirkt.

Daher empfehle ich euch, die unterstützenden Funktionen des Exoskelett gezielt und in Maßen einzusetzen, um ein Gleichgewicht zwischen Unterstützung und eigenem Muskeltraining zu gewährleisten.

Auch Menschen mit Gehbehinderungen oder eingeschränkter Mobilität können von diesem Gerät profitieren. Ich habe deswegen mit einem befreundeten medizinischen Produktberater gesprochen.

  • Die unterstützende Wirkung könnte betroffenen Menschen etwa beim Treppensteigen oder anderen alltäglichen Aktivitäten helfen.
  • Der Fitnessmodus kann beim Aufbau von Muskulatur helfen. 

Mich persönlich motiviert das Gerät tatsächlich. Ich mache gern Fotografier-Spaziergänge und mit diesem Exoskelett im Fitnessmodus wird jeder davon zu einem kleinen Work-out. So verbinde ich mein Hobby mit einer sportlichen Aktivität. 

Der Preis von 1.100 Euro ist hoch, aber meinem ersten Eindruck nach absolut wert. Wenn euch das zu teuer ist, könnt ihr auch zum günstigeren Go X-Modell greifen, das die körperliche Anstrengung um 20 Prozent verringern kann (es gibt bei diesem keinen Hyper-Modus). Dafür kostet es nur 900 Euro. 

Habt ihr Fragen zu diesem Exoskelett? Stellt sie mir gern unten in den Kommentaren! 

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