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Icarus: Die Performance ist teils katastrophal, aber es gibt eine Rettung

Icarus sieht schick aus, erkauft sich den Look aber zu einem hohen Preis. Ohne DLSS oder FSR ist das Survival-Game in vielen Fällen quasi unspielbar.

von Alexander Köpf,
12.12.2021 11:44 Uhr

Unter schrillem Alarm öffnet sich die Luke unserer Landefähre. Wir sind im neuen Schürfgebiet auf dem Planeten Icarus eingetroffen. Langsam tasten wir uns aus der schweißbeengten Kapsel und setzen den ersten Fuß auf das sanft wogende Gras der fremden Welt. Sphärische Töne untermalen den saftigen knirschenden Klang unserer Schritte zwischen steilabfallenden Gebirgen, inmitten unberührter Wälder. Ein Brise schmiegt sich um uns und treibt uns vorsichtig ans Ufer eines kleinen Bergsees - idyllischer könnte es kaum sein.

Das glasklare Wasser plätschert friedlich, orange leuchtende Fische tummeln sich darin, während die Baumwipfel um uns herum tanzen. Der Wind wird offenbar immer stärker und...nein, das ist ja gar nicht der Wind. Das sind die aufheulenden Lüfter unserer Grafikkarte.

Und noch bevor wir den MSI Afterburner anschmeißen können, um einen Blick auf die Auslastung unseres 3D-Beschleunigers zu werfen, folgt auch schon der erst massive, wenn auch nur kurz anhaltende Bildrateneinbruch in Form eines deutlich spürbaren Rucklers.

Das nun aufleuchtende Overlay des Afterburners bestätigt weitere Performance-Einbrüche. Auf dem Weg dem Ufer entlang durch ein kleines Waldstück schwanken die FPS zwischen guten 80 und teilweise unter 50. Und das in WQHD-Auflösung samt einer Nvidia Geforce RTX 3090.

Nicht zu vergessen, dass Icarus bereits seit über einer Woche als Vollversion (!) bei Steam erhältlich ist. Dass es sich nicht etwa um einen Early-Access-Titel handelt, stößt auch vielen Spielern bei Steam sauer auf. Denn das Survival-Spiel von DayZ-Schöpfer Dean Hall läuft offenbar nicht nur auf unserem Testsystem ziemlich unrund.

Viele Spieler beklagen massive Bildrateneinbrüche, und das obwohl Icarus ohnehin nicht gerade viele Bilder pro Sekunde ausspuckt - noch nicht einmal auf High-End-Hardware, wie wir am Beispiel der RTX 3090 sehen. Dass das so sein würde, deuteten zwar bereits die recht hohen Systemanforderungen an, dennoch ist das Grund genug, Icarus einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie schlimm ist es wirklich um die Performance bestellt?

So testen wir

Für den Technik-Check orientieren wir uns an den oben bereits erwähnten Systemanforderungen. Diese sehen mindestens eine Nvidia Geforce GTX 1060 6GB vor, empfohlen wird jedoch eine RTX 3060 Ti. Da unsere GTX 1060 gerade Probleme macht, verwenden wir die in etwa gleichwertige AMD Radeon RX 580.

Unser Testsystem im Überblick:

  • Mainboard: MSI MEG X570 ACE
  • CPU: AMD Ryzen 9 5950X
  • RAM: 32,0 GByte Corsair Vengeance RGB Pro SL @3.800 MHz
  • Speicher: 2,0 TByte Kingston KC2500 (M.2 PCIe 3.0), 2,0 TByte Kingston KC600 (SATA)
  • Gehäuse: be quiet! Dark Base Pro 900 rev. 2
  • Netzteil: be quiet! Dark Power Pro 1200W
  • Kühlung: Corsair H150i RGB Pro XT
  • Tastatur und Maus: Razer Huntsman V2 Analog, Razer Viper 8K
  • Monitor: Gigabyte G27FC (1.920 x 1.080), AOC Agon AG273QXP (2.560 x 1.440), Acer Predator XB321HK (3.840 x 2.160)

Im Falle von Nvidia kommt der Geforce-Treiber 497.09 und im Falle von AMD der Radeon-Treiber 21.12.1 zum Einsatz.

Benchmarks

RTX 3060 Ti

  • Full HD (1.920 x 1.080)
  • WQHD (2.560 x 1.440)
  • 4K (3.840 x 2.160)
Niedrig
172,5
139,4
71,3
Mittel
132,6
91,3
53,1
Hoch
72,2
47,2
24,6
Episch
63,4
43,5
19,8
  • 0,0
  • 36,0
  • 72,0
  • 108,0
  • 144,0
  • 180,0

RX 580

  • Full HD (1.920 x 1.080)
  • WQHD (2.560 x 1.440)
  • 4K (3.840 x 2.160)
Niedrig
69,9
49,0
25,9
Mittel
50,0
32,4
17,9
Hoch
27,5
18,9
10,5
Episch
21,5
14,8
5,6
  • 0,0
  • 14,0
  • 28,0
  • 42,0
  • 56,0
  • 70,0

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ließe sich Icarus mit der RTX 3060 Ti selbst auf 4K noch mit brauchbaren Bildraten spielen. Doch der Schein trügt: Auch wenn wir mit dem Preset Niedrig im Schnitt etwa 71 FPS erreichen und noch nicht einmal mit größeren Performance-Einbrüchen zu kämpfen haben, kann die Grafik von Icarus einfach nicht mehr als spielbar bezeichnet werden. Alles unterhalb der Voreinstellung Hoch ist gelinde gesagt eine Zumutung für unsere Augen - egal bei welcher Auflösung. Am besten seht ihr euch das aber einfach selbst an:

Icarus - Das Survival-Spiel sieht nur bei hohen Detaileinstellungen schick aus 0:42 Icarus - Das Survival-Spiel sieht nur bei hohen Detaileinstellungen schick aus

So sieht das im direkten Vergleich aus:

4K Niedrig 4K Niedrig
4K Episch 4K Episch

Die sogenannte Draw-Distance ist so kurz gewählt, dass mit jedem Schritt neue Objekte in unmittelbarer Umgebung aufploppen (Pop-in-Effekt). Dazu flimmern Blattwerk und Schatten extrem.

Das eigentliche Problem dabei ist, dass ihr mit einer RX 580 respektive einer GTX 1060 in Full HD quasi gezwungen seid, eine besonders niedrige Grafikvoreinstellung zu wählen, wenn ihr halbwegs flüssig spielen wollt. Das gilt im Besonderen dann, wenn die FPS bei Nacht oder in dunklen Szenen zusätzlich einbrechen. So ist es beispielsweise auch GameStar-Autor Christian Just ergangen. Warum er Icarus dennoch weiter spielt, verrät er euch am besten selbst:

Icarus hätte so nicht erscheinen dürfen   31     7

Kolumne

Icarus hätte so nicht erscheinen dürfen

DLSS und FSR

Es gibt jedoch eine Rettung: Bildskalierung. Falls ihr stolzer Besitzer einer Grafikkarte aus Nvidias RTX-2000- oder RTX-3000-Reihe seid, raten wir euch dringend, von DLSS Gebrauch zu machen. Allen anderen legen wir AMDs Pendant FSR ans Herz. Die folgenden Benchmarks sind mit der RTX 3060 Ti und der Voreinstellung Episch erstellt worden:

DLSS

  • 4K (3.840 x 2.160)
DLSS Leistung
51,5
DLSS Ausbalanciert
45,4
DLSS Qualität
37,9
DLSS Aus
19,8
  • 0,0
  • 12,0
  • 24,0
  • 36,0
  • 48,0
  • 60,0

FSR

  • 4K (3.840 x 2.160)
FSR Leistung
58,2
FSR Ausgewogen
46,9
FSR Qualität
38,9
FSR Ultra-Qualität
24,8
FSR Aus
19,8
  • 0,0
  • 12,0
  • 24,0
  • 36,0
  • 48,0
  • 60,0

Sowohl DLSS als auch FSR liefern sehr gute und vor allem weit bessere Ergebnisse als die Voreinstellungen Niedrig oder Mittel. Dabei kann FSR mit Blick auf die Darstellungsqualität erwartungsgemäß nicht ganz mit DLSS mithalten (Ausschnitt um 400 Prozent vergrößert):

FSR Leistung FSR Leistung
DLSS Leistung DLSS Leistung

DLSS hingegen liefert über alle Modi hinweg richtig gute Ergebnisse:

DirectX 11 vs. DirectX 12

Icarus lässt euch die Wahl zwischen DirectX 11 und DirectX 12. Standardmäßig vorausgewählt ist dabei DirectX 11. Wenn ihr Icarus aus Steam heraus startet, könnt ihr zwischen den beiden Grafikschnittstellen wählen. Wollt ihr dauerhaft DirectX 12 verwenden, beispielsweise um in den Genuß von Raytracing zu kommen, könnt ihr in den Startoptionen (Steam -> Rechtsklick auf Icarus -> Eigenschaften -> Allgemein) -dx12 (ohne Anführungsstriche) eingeben.

Die Entwickler geben für die Verwendung von DirectX 12 allerdings an, dass damit eventuelle Performance-Einbußen einhergehen können. Sowohl in Zusammenspiel mit der RTX 3060 Ti als auch mit der RX 580 verzeichnen wir unter DirectX 11 tatsächlich minimal bessere FPS-Werte:

Icarus
DX11 vs. DX12 (RX 580)

  • FHD (1.920 x 1.080)
DirectX 11
22,4
DirectX 12
21,5
  • 0,0
  • 6,0
  • 12,0
  • 18,0
  • 24,0
  • 30,0

Raytracing

Wie oben beschrieben, setzt Raytracing die Aktivierung von DirectX 12 voraus. Icarus unterstützt dabei RTXGI (Globale Beleuchtung) und verlangt daher mindestens eine Geforce RTX 2060. Je nach Auflösungsstufe kostet die Echtzeitstrahlenverfolgung auf unserem Testsystem zwischen 21 und 28 Prozent Leistung:

4K (3.840 x 2.160)

  • RTX 3060 Ti
Raytracing Aus
19,8
Raytracing An
15,5
  • 0,0
  • 4,0
  • 8,0
  • 12,0
  • 16,0
  • 20,0

WQHD (2.560 x 1.440)

  • RTX 3060 Ti
Raytracing Aus
43,5
Raytracing An
34,4
  • 0,0
  • 10,0
  • 20,0
  • 30,0
  • 40,0
  • 50,0

FDH (1.920 x 1.080)

  • RTX 3060 Ti
Raytracing Aus
63,4
Raytracing An
52,2
  • 0,0
  • 14,0
  • 28,0
  • 42,0
  • 56,0
  • 70,0

Einen echten Mehrwert bietet die Globale Beleuchtung in besonders dunklen Szenen. In Wäldern beispielsweise werden durch die physikalisch weitgehend korrekt berechneten Lichtstrahlen viel mehr Details dargestellt, wie ihr an den folgenden Vergleichsbildern sehen könnt (Screenshots aufgenommen in WQHD auf einer RTX 3080 Ti):

Raytracing An Raytracing An
Raytracing Aus Raytracing Aus

Wie viel Videospeicher wird benötigt?

Die Frage nach der Menge des Videospeichers lässt sich nicht eindeutig beantworten. Icarus ist allerdings ein gutes Beispiel dafür, dass die Angaben aus Tools wie dem MSI Afterburner oftmals irreführend sein können. Dort wird nämlich nicht die tatsächliche Speicherbelegung sondern lediglich die Speichervorbelegung angeben. Und Icarus reserviert sich offenbar eine ganze Menge VRAM. Von den 24,0 GByte GDDR6X unserer RTX 3090 werden beim Spielen von Icarus in 4K samt der Voreinstellung Episch knapp 21,0 GByte vorbelegt.

Das kann durchaus erschrecken. Beim Gegencheck mit anderen Grafikkarten zeigt sich jedoch, dass Icarus keineswegs 21,0 GByte (abzüglich der Menge, die Windows belegt) benötigt. 4K und maximale Details sind mit der RTX 3080 Ti (11,0 GByte GDDR6X) ebenfalls ohne darauf zurückzuführende Bildrateneinbrüche möglich.

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