Ich glaube, ich bin nicht allein, wenn ich sage, dass eine Sprachnachricht manchmal einfach die schnellere, bessere und vor allem bequemere Lösung ist.
Zumindest erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich Sprachnachrichten über Signal, WhatsApp und Co. verschicke – obwohl ich selbst nichts schlimmer finde als minutenlange Nachrichten anzuhören.
Als ich also von der App »Wispr Flow« gehört habe, die Sprache in Text umwandelt und dabei App-übergreifend läuft, hatte ich keine andere Wahl, als sie zu testen.
Für den Test habe ich über zwei Monate die kostenfreie App-Version ausprobiert und nutze sie immer noch begeistert weiter – Spoiler: Ganz ohne Sprachnachrichten geht es immer noch nicht.
»Tipp nicht, sprich!« – Das Versprechen von Wispr Flow
Die Voice-to-Text-KI von Wispr Flow
könnt ihr auf dem PC oder eurem Smartphone verwenden.
Laut Hersteller »schreibt« die App mit 220 Wörtern pro Minute und ist damit deutlich schneller als normales Tippen.
Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Mensch tippt mit 30 Wörtern pro Minute – der Weltrekord, mit Fehlern, liegt bei etwa 305 Wörtern pro Minute.
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Das Tool blendet sich als Bubble überall dort ein, wo ein Textfeld erscheint. Laut Entwicklern werden über 100.000 Apps unterstützt, wobei sensible Anwendungen wie Banking-Apps ausgenommen bleiben.
Für die Datensicherheit sorgt ein optionaler Privacy-Modus, der verhindert, dass die eigenen Spracheingaben für das KI-Training genutzt werden.
Der Härtetest: Sprachen, Dialekte und falsche Betonung
Im Gegensatz zu klassischen Transkriptions-Apps funktioniert Wispr Flow
wie ein Add-on, das sich direkt in bestehende Textfelder einklinkt und bis zu 100 Sprachen unterstützt.
Ich habe das Tool auf Deutsch und Englisch getestet – den Sprachen, in denen ich ohnehin am meisten chatte. Für den Härtetest sind jedoch zwei besondere Herausforderungen hinzugekommen:
- Russisch: Da ich die Sprache nur zwei Jahre gelernt habe, spreche ich nur auf einem Grundniveau und mit holpriger Betonung, wodurch die KI ideal an ihre Grenzen gebracht werden kann.
- Fränkisch: Da viele ältere Personen in meinem Umfeld Dialekt sprechen, musste sich die App auch im regionalen Alltag beweisen.
Unkomplizierte Einrichtung und Bedienung: So lief es im Test
Bevor ich mit dem Diktieren beginnen konnte, musste ich mir zunächst ein Konto anlegen. Dafür hat es die Möglichkeit gegeben, einen externen Account zu verknüpfen oder sich klassisch mit einer E-Mail anzumelden.
Direkt danach hat mich eine interaktive Schritt-für-Schritt-Anleitung durch die wichtigsten Funktionen und Berechtigungen geführt.
Die Bedienung der App ist denkbar simpel und am besten mit dem Aufnehmen einer normalen Sprachnachricht zu vergleichen: Sobald ich ein Textfeld anklicke, erscheint das Pop-up von Wispr Flow
und ich kann direkt lossprechen.
Schon beim ersten Test habe ich die Stärken und Schwächen der App kennengelernt
Bereits beim ersten Test fiel mir auf, wie zuverlässig Füllwörter und Ähms
entfernt werden. Auch längere Sätze, Satzenden und neue Absätze erkennt die App automatisch, was mich besonders beeindruckt hat.
Das spartanische Menü (Verlauf, Statistiken, eigenes Wörterbuch) ist dem Early-Access-Status geschuldet, bleibt dadurch aber angenehm minimalistisch.
Während die ersten kurzen Testnachrichten fehlerfrei geblieben sind, ist die KI bei längeren Texten, Slang, Eigennamen oder gemischten Sprachen an ihre Grenzen gestoßen, da sie zu sehr versucht hat, den Kontext zu erraten.
Bei sauberer Aussprache läuft es jedoch flüssig und sogar mein gebrochenes Russisch – bei dem die Betonung vermutlich etwas falsch war – wurde überraschend gut erkannt.
Mein absolutes Highlight war jedoch, dass Wispr Flow
auch meine fränkisch gesprochenen Sätze problemlos verstanden und direkt ins Hochdeutsche übersetzt hat.
Voice-To-Text statt Sprachnachricht: Diese Erfahrung habe ich in zwei Monaten gemacht
Gerade am Anfang hat sich Wispr Flow
im Alltagstest gut geschlagen und ist durch ein Feature schnell zu einer meiner Lieblings-Apps geworden.
Das Feature, das die App für mich besonders nützlich macht, ist nämlich die exzellente Geräuschunterdrückung. Mit der App kann ich auch in lauteren Umgebungen, in denen selbst Sprachnachrichten unverständlich wären, meine Texte problemlos formulieren.
Das erste größere Problem hat sich jedoch an dem Punkt gezeigt, an dem ich draußen im Wald spazieren war und, dank des schlechten Netzausbaus in meiner Heimat, keine Internetverbindung hatte.
Ohne eine Internetverbindung lässt sich das Tool nämlich nicht verwenden, da alles, was ich einspreche, erst mal über einen Server mit dem KI-Modell laufen muss.
Bei schlechterem Empfang hatte ich dadurch des Öfteren spürbare Verzögerungen und Abbrüche, was mich gerade bei längeren Nachrichten frustriert hat.
Ein Problem, das sich erst nach längerer Nutzung gezeigt hat, ist die steigende Fehlerquote gewesen. So habe ich im Schnitt in jeder dritten Nachricht einen Fehler gefunden.
Über den gesamten Testzeitraum hat die App nur bei zwei Nachrichten so viele Fehler gehabt, dass ich am Ende doch eine Sprachnachricht verschickt habe.
Eine nützliches Tool, aber kein kompletter Ersatz: Aus einem einfachen Grund
Wispr Flow
funktioniert im Alltag größtenteils zuverlässig und ist mit seiner Gestaltung schnell einsatzbereit.
Während meines App-Tests habe ich das Tool in meiner Notiz-App genutzt, Webseiten gesucht und ganze E-Mails durchs Diktieren verfasst – wobei meistens eine minimale Ausbesserung gereicht hat.
Dank der nahtlosen Systemintegration ist die App für mich eine echte Erleichterung beim Chatten, vor allem bei langen oder eiligen Nachrichten.
Ein kompletter Ersatz für Sprachnachrichten ist das Tool für mich jedoch nicht. Richtige Sprachnachrichten transportieren Gefühle über die Stimme, was bei reinen Textnachrichten nicht möglich ist.
Auch neige ich beim Sprechen zu längeren Ausführungen, die schnell zur unleserlichen Wall of Text
mutieren. Diese könnte ich zwar aufbrechen und mit Smileys beispielsweise auflockern, das bedeutet jedoch zusätzliche Arbeit und macht den Sinn der App hinfällig.
Mein Urteil: Die beste Alternative zu Sprachnachrichten hat auch ihre Macken
Trotz kleinerer Fehler und des Online-Zwangs ist Wispr Flow
für mich die bisher beste und unkomplizierteste Alternative zur klassischen Sprachnachricht.
Unter anderem auch deshalb, da viele Alternativen noch fehleranfälliger sind und beispielsweise bei der automatischen Erkennung von Füllwörtern versagen.
Während meines Tests waren lediglich zwei Nachrichten so fehlerhaft verschriftlicht, dass ich dieses Leseerlebnis niemandem zumuten wollte und sie gar nicht erst abgeschickt habe.
Wegen der einfachen Bedienung, dem verständlichen Design und des spürbaren Zeitgewinns kann ich euch die Transkriptions-App dennoch nur empfehlen.

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