Ich wünschte, dieser Plaud-Konkurrent wäre besser: Das Boya Notra hält im Alltag nicht alle Versprechen

Inzwischen gibt's zahlreiche KI-Diktier-Gadgets. Das Boya Notra bringt einige coole Ansätze mit, doch nicht alle funktionieren gut.

Ich wollte das Boya Notra mögen, doch im Alltag hat es mich (noch) nicht überzeugt. Ich wollte das Boya Notra mögen, doch im Alltag hat es mich (noch) nicht überzeugt.

Ich diktiere viel. Gedanken unterwegs festhalten, Ideen für Artikel, kurze Notizen für mich. Dafür reichen Sprachmemos auf dem iPhone eigentlich völlig.

Doch es gibt Situationen, wo ein separates Diktiergerät glänzt. Interviews zum Beispiel. Oder berufliche Besprechungen mit mehreren Personen im Meetingraum.

Inzwischen gibt es dafür eine ganze Reihe von KI-Gadgets, die Stimmen aufnehmen und automatisch transkribieren. Der bekannteste von ihnen heißt Plaud – und er hat mit dem Boya Notra einen neuen Konkurrenten bekommen.

Ich war extrem gespannt auf dieses Gerät. So gespannt, dass ich mir am Ende sogar ein zweites Testmuster kommen lassen musste, weil ich den Ergebnissen des ersten nicht glauben wollte.

Doch auch das zweite lieferte exakt dasselbe Bild. Warum mich das Gadget so enttäuscht hat? Dazu gleich mehr. Schauen wir uns erst an, was das Notra eigentlich können soll.

Was das Boya Notra können soll

Das Gerät ist für rund 135 Euro zu haben, ist handlich und fühlt sich wertig an: 63 x 63 Millimeter, Aluminiumgehäuse, 45 Gramm. Damit ist es nicht ganz so schlank wie der Platzhirsch Plaud, aber absolut hosentaschentauglich.

Es klebt via MagSafe sicher am iPhone – kippelt minimal, was beim Telefonieren etwas klapprig wirkt, aber kein Drama ist. Ein Display gibt es nicht, nur eine LED und einen großen Aufnahme-Button.

Das Herzstück des Geräts ist jedoch der Schieberegler für die drei Aufnahmemodi, die das Notra zum ultimativen Allrounder machen sollen:

  1. Der Diktat-Modus: Für klassische Sprachmemos und Gedanken unterwegs.
  2. Der Anruf-Modus: Um Telefonate direkt von der Hardware-Ebene mitzuschneiden.
  3. Der Bluetooth-Modus: Für Online-Meetings via Teams oder Zoom über ein Headset.

Gepaart mit Versprechen wie 10 Metern Reichweite, 97 Prozent Transkriptionsgenauigkeit und 24 Stunden Akkulaufzeit klingt das nach einem starken Gesamtpaket. Das Starter-Abo ist mit 320 Freiminuten im Monat ebenfalls fair bemessen.

Soweit die Theorie. In der Praxis sieht die Welt allerdings ganz anders aus.

Wo das Boya Notra im Alltag enttäuscht

10 Meter Reichweite: Vergesst das. Ich habe das Notra draußen am See getestet, im Wald, in einem Büro. Am besten funktioniert es, wenn ich direkt und klar aus etwa 20-50 Zentimetern ins Mikrofon spreche.

So nah an den Mund gehalten funktioniert die Aufnahme gut. So nah an den Mund gehalten funktioniert die Aufnahme gut.

Ja, das Gerät erfasst auch Stimmen aus mehreren Metern Entfernung. Doch sobald Umgebungsgeräusche ins Spiel kommen – Wind, Wasserrauschen, Verkehr, Bürolärm – bricht die Sprachqualität massiv ein.

Das Notra hat nur zwei MEMS-Mikrofone, beide an der Oberseite. Das reicht offenbar nicht.

Die Mikros an der Oberseite reichen offenbar nicht aus, um Stimmen aus jeder Richtung klar einzufangen. Die Mikros an der Oberseite reichen offenbar nicht aus, um Stimmen aus jeder Richtung klar einzufangen.

Die Audioqualität war so unzufriedenstellend, dass ich direkt noch ein zweites Testexemplar angefordert habe.

Das schnitt zwar tatsächlich etwas besser ab, die Aufnahmequalität des Plaud habe ich aber weitaus besser in Erinnerung.

Ein direkter Vergleich zwischen dem Notra und meinem iPhone 13 mini zeigt: Dank Noise Cancelling filtert das Notra die Schrittgeräusche im Wald sehr gut heraus, meine Stimme klingt jedoch gedämpfter:

Video starten 2:07 Boya Notra: Aufnahmequalität im Vergleich zum iPhone 13 mini

Doch es ist nicht nur die Aufnahmequalität, die mich enttäuscht hat.

Das Transkript ist unzuverlässig. Wenn ich klar und nah reinspreche, überzeugt das Transkript zu 95 Prozent. Doch sobald die Bedingungen weniger ideal werden: zerstückelt, lückenhaft, manchmal komplett falsch.

An einem kleinen Wasserfall an unserem Bach habe ich gesagt: »So, ich stehe jetzt hier an einem Wasserfall und mache einen Test.« Transkribiert hat das Notra: »Ich mache jetzt einen Test.«

Am See mit leichtem Wind war die Hälfte des Gesagten nicht erkennbar. Was aber nicht an der Aufnahme liegt, sondern an der Verarbeitung des Transkripts.

Um euch das deutlich zu machen, hier zwei Bilder. Auf dem einen seht ihr das Transkript der Aufnahme direkt in der Notra-App mittels Gemini (mit einem übrigens völlig falschen Titel). Auf dem zweiten Bild seht ihr, was Gemini 3.5 in der Gemini-App transkribiert hat.

Ja, auch das native Gemini war nicht perfekt, der letzte Satz wurde so nie ausgesprochen. Ich würde mich auf das Transkript in der Notra-App aber nicht verlassen – schon gar nicht für Telefonnummern oder wichtige Zahlen.

Die Sprecher-Erkennung ist ein Glücksspiel. Meine eigene Stimme wird viel zu häufig als zwei verschiedene Personen erkannt. Zwei echte Gesprächspartner wurden manchmal gar nicht unterschieden, manchmal als vier ausgegeben.

Der Bluetooth-Modus ist umständlich. Das KI-Gadget mit AirPods oder Arbeits-Headsets koppeln? Klingt super und ist sogar eine Besonderheit des Notra, ist für mich im Alltag aber zu umständlich.

Um ein Headset zu koppeln, muss das Notra per USB-C-Kabel mit dem PC oder Smartphone verbunden werden. Heißt konkret: Notra ans Handy kabeln, erst dann lassen sich die AirPods via Bluetooth verbinden. Soweit, so verkraftbar für eine einmalige Ersteinrichtung.

Das Problem: Bei jeder weiteren Verwendung erkennt das Notra das Headset wieder nur dann, wenn es am Kabel hängt. Ein Kabelzwang für kabellose Kopfhörer? Wir schreiben das Jahr 2026 – das ist einfach absurd.

Damit wird die größte versprochene Stärke des Notra – seine Flexibilität – komplett im Keim erstickt. Wer am Schreibtisch häufig eine Diktier- und Transkriptionslösung braucht, spart sich dieses Hardware-Gefriemel besser ganz und greift direkt zu reinen Software-Alternativen wie Otter.ai oder Whisper Flow.

Manuell starten nervt beim Anruf. Der Anrufmodus funktioniert technisch – beide Stimmen landen auf der Aufnahme, wenn das Gerät hinten an eurem Handy klebt. Blöderweise muss ich den Aufnahmeknopf drücken, bevor das Gespräch losgeht. Im Eifer des Gefechts vergisst man das. Eine automatische Aktivierung beim eingehenden Anruf wäre komfortabler gewesen.

Die App tut ihren Job, mehr nicht. Das Interface ist rudimentär. Die nützlichen Vorlagen – Interview-Notizen, Mündliche Notizen, Wichtigste Punkte – sind hinter dem Pro-Abo gesperrt. Gratis gibt es Besprechungsnotizen und Aufgabenlisten. Die App ist nicht schick, aber immerhin funktional.

Aufnahmen werden im WLAN mit der App synchronisiert und können dort transkribiert und exportiert werden. Schneiden könnt ihr sie indes nicht.

Das Abo-Modell im Überblick:

TarifPreisTranskriptionBesonderheit
Starterkostenlos320 Min./MonatBasis-Vorlagen
Pro19,99 €/Monat / 110,99 €/Jahr1.280 Min./Monat40+ Vorlagen, ChatGPT, Export in 7 Formaten
Ultimate34,99 €/Monat / 249,99 €/JahrUnbegrenzt60+ Vorlagen, alle Sprachen (140+), ASK AI

Wer nur gelegentlich diktiert, kommt mit dem Gratis-Plan hin. Wer das Notra täglich nutzen will, landet schnell beim Pro-Abo – das macht das Gerät auf Jahressicht deutlich teurer als die 135 Euro Kaufpreis vermuten lassen.

Was wirklich funktioniert

Der Akku ist beeindruckend. Bei um die 50 Prozent Ladestand habe ich noch über 14 Stunden aufnehmen können. Die Herstellerangabe von 24 Stunden glaube ich dem Gerät.

Und der Anrufmodus, wenn man rechtzeitig auf Aufnahme gedrückt hat: Beide Stimmen werden überraschend gut eingefangen. Wer viel telefoniert, für den könnte das eventuell eine Lösung ein.

Das Boya Notra haftet via MagSafe an meinem iPhone. Ideal für Anrufe unterwegs. Das Boya Notra haftet via MagSafe an meinem iPhone. Ideal für Anrufe unterwegs.

Auch zum reinen Diktieren eignet sich das Boya Notra, vor allem dann, wenn man das Handy nicht dabei hat. Schnell aus der Jacken- oder Hosentasche geholt, aufs Knöpfchen gedrückt und losgesprochen – das funktioniert super. Die Transkribierung allerdings weniger.

Plaude Note Pro
Plaude Note Pro
Der Bestseller
Eindeutig der Platzhirsch unter den KI-Diktiergeräten und wesentlich dünner als die Konkurrenz.
189 €
Boya Notra
Boya Notra
Der Alleskönner
Seine verschiedenen Aufnahmemodi und die Möglichkeit, das Gerät mit Kopfhörern zu verbinden, machen es vielseitig einsetzbar.
135 €

Fazit: Für wen lohnt es sich?

Das Boya Notra hat coole Idee: Umgebungsaufnahme, Telefonat und Bluetooth-Headset in einem Gerät, das in die Hosentasche passt. Doch für jeden dieser Modi gibt es bessere Einzellösungen.

Die Stärke liegt in der Kombination, und genau da liegt auch das Problem, weil keiner der Modi wirklich überzeugt, sobald die Bedingungen auch nur leicht schwierig werden. Zumindest noch nicht.

Zum Thema: Ich hatte auf der IFA einen KI-Übersetzer im Ohr und konnte Chinesisch sprechen

Wer ausschließlich ruhige Telefonate mitschneiden oder einfach seine Gedanken einsprechen will, und das Transkript danach noch einmal kontrolliert: Das Notra kann das. Wer es als universellen Alltagsbegleiter für Gedanken unterwegs, Meetings und Gespräche plant, muss sich jedoch der Schwächen bewusst sein.

Pro
  • Stimmen werden auch aus 5m Entfernung erfasst
  • 3 Aufnahmemodi (inkl. Kopfhörer)
  • Lange Akkulaufzeit
Kontra
  • Aufnahmequalität könnte besser sein
  • Transskripte teils mangelhaft
  • Umständliche Kopfhörer-Kopplung
  • Rudimentäre App

Ich wollte das Boya Notra wirklich mögen. Es hat gute Ansätze, lässt mich im Alltag aber leider zu oft im Stich. Hoffentlich fixt Boya einige der Mankos mit einem Softwareupdate.

Im aktuellen Zustand ist aber selbst der vergleichsweise niedrige Preise noch zu viel verlangt. Ich bleibe jedenfalls bei meinen iPhone-Sprachmemos.

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