Gute Wirtschaftssimulationen sind rar in der modernen Spielelandschaft, weshalb bis heute Klassiker wie Der Industriegigant 2 einen besonderen Platz in den Herzen von Genre-Fans haben. Bereits im Early Access ist dessen Nachfolger Industrie Gigant 4.0 diesem Erbe nicht gerecht geworden, wie unser Test damals zeigte.
Ein Jahr nach Beginn der Testphase sind Spieler jetzt noch enttäuschter als zuvor, denn was Entwickler Don VS Dodo und Publisher Toplitz Productions am 17. Oktober 2025 als Version 1.0 veröffentlichten, hat diese Bezeichnung in den Augen vieler nicht verdient.
Die offizielle Mitteilung, die zeitgleich mit dem sogenannten finalen Release den Entwicklungsstopp von Industrie Gigant 4.0 verkündete (es gibt keine weiteren Updates), rief Unverständnis und Betrugsvorwürfe in den Steam-Foren hervor.
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Industrie Gigant 4.0 stellt zum finalen Release alle Updates für die heftig kritisierte Wirtschaftssimulation ein
Die Enttäuschung sitzt tief. Zahlreiche Spieler, die das Spiel noch auf ihrer Wunschliste hatten oder in der Hoffnung auf eine vollständige Version ausharrten, sahen sich abrupt mit der (wenn auch absehbaren) Realität konfrontiert: Das vermeintlich finale Produkt ist unfertig und wird in diesem Zustand verbleiben.
Ein Nutzer fasst die Stimmung drastisch zusammen, indem er Industrie Gigant 4.0 von der Wunschliste »direkt in den Mülleimer« verschob.
Was die Entwickler sagen
Laut Toplitz und Don VS Dodo war die Early-Access-Phase eine »Reise voller Leidenschaft und Kreativität«, die dank der Unterstützung der Community möglich wurde. Sie betonen, wie viel ihnen die Wiederbelebung des Klassikers bedeutete und dass sie stolz auf das gemeinsam Geschaffene seien: eine »moderne Hommage« an die Serie.
Die Entwickler führen dabei eine Reihe von Verbesserungen und Neuerungen an, die das Spiel während der Early-Access-Zeit erhalten habe. Dazu zählen unter anderem:
- der Produktionsketten-Navigator zur Vereinfachung des Ressourcenmanagements
- ein Terrainbearbeitungstool für Echtzeit-Landschaftsgestaltung
- Neue Einstellungsmöglichkeiten beim Start einer neuen Partie. Spieler können nun beispielsweise ihre eigenen Ziele festlegen, das Startjahr frei wählen oder die Geschwindigkeit der Spielzeit individuell anpassen.
- Zudem wurde das Nachfragesystem der Städte überarbeitet und die Benutzeroberfläche des Linienmanagers neugestaltet.
- Als eine der neuesten Änderungen hebt das Studio hervor, dass nun die Zonenbeschränkungen beim Spielstart deaktivierbar sind, was das Bauen von Industrien in jeder Zone ermöglicht.
Die feierliche Rückschau auf die geleistete Arbeit steht jedoch in scharfem Kontrast zu der gleichzeitigen, ernüchternden Ankündigung: »Mit Erreichen dieses Meilensteins müssen wir euch aber auch mitteilen, dass es in absehbarer Zukunft keine weiteren größeren Updates oder neuen Funktionen geben wird.« Man werde zwar künftig schwerwiegende Probleme beheben, falls diese auftreten sollten, die aktive Weiterentwicklung des Spiels sei damit aber beendet.
Die Reaktion der Community
In den Kommentaren sehen viele Nutzer die Version 1.0 als einen Missbrauch des Early-Access-Prinzips, da sie das Gefühl haben, für ein unvollständiges Produkt bezahlt zu haben, das nun offiziell fallengelassen wird.
Ein Käufer, der das Spiel sogar ein zweites Mal erworben hatte, weil er die Entwickler für »ehrlich und ehrenhaft« hielt, fühlt sich zum Narren gehalten. Viele der Fans planen als Konsequenz, eine Forderung nach Rückerstattung bei Steam einzureichen.
Ebenfalls für große Frustration sorgt die Entwickleraussage, das Spiel habe während des Early Access »kontinuierlich umfangreiche Updates« erhalten. Diese Behauptung wird von Teilen der Community als »glatt unwahr« zurückgewiesen. Spieler bemängeln, dass es eine Lücke von fast sechs Monaten ohne größere Aktualisierungen gab und das Projekt trotz der angeführten Verbesserungen immer noch als »roh« und unfertig empfunden werde.
Die Steam-Reviews spiegeln die Enttäuschung der Spieler wider. Industrie Gigant 4.0 steht insgesamt bei 38 Prozent positiven Rezensionen und damit auf »größtenteils negativ«. Von den 52 Reviews der letzten 30 Tage sind sogar nur 5 Prozent positiv.
Mangel an Spieltiefe und fehlender Charme der Klassiker
Abseits des Entwicklungsstopps hält die Kritik am Spiel selbst an. Insbesondere langjährige Genre-Veteranen vermissen essenzielle Elemente. Bemängelt wird beispielsweise, dass die Karten zu klein sind und ein Kartengenerator für größere Spielareale fehlt, was das Zugsystem für Kurzstrecken unbrauchbar macht.
Ein weiterer schmerzhafter Kritikpunkt, besonders für Fans der alten Industrie-Giant-Titel, ist die Benutzeroberfläche. Sie wird als langweilig und nüchtern kritisiert. Im Vergleich zu den »fröhlicheren« Designs der klassischen Vorgänger, oder den Remaster-Versionen anderer Genre-Größen wie Anno oder Stronghold, fehle es Industrie Giant 4.0 an Charme und visueller Anziehung. Statt dieses Nachfolgers wünschen sich einige Fans mittlerweile lieber ein gut gemachtes Remaster der älteren Teile mit modernen Verbesserungen.
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