50% aufs erste Jahr – nur für kurze Zeit!

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Wirtschaftssimulation Industrie Gigant 4.0 war ein »massiver Verlust« und hat »Erwartungen nicht vollständig erfüllt« - Publisher muss nach 1,2 Millionen Euro deutscher Förderung kritische Fragen beantworten

Industrie Gigant 4.0 hat seine Spieler enttäuscht. Der deutsche Publisher Toplitz Productions erklärt jetzt, warum die Entwicklung trotz staatlicher Millionen-Förderung einstellt wurde.

An die Wand gefahren: Der Industrie Gigant 4.0 hat zum Release für viel Wirbel gesorgt. Jetzt verteidigt der Publisher in einem Interview die Entscheidungen dahinter und gibt Einblick in Verkaufszahlen und finanzielle Auswirkungen des Flops. An die Wand gefahren: Der Industrie Gigant 4.0 hat zum Release für viel Wirbel gesorgt. Jetzt verteidigt der Publisher in einem Interview die Entscheidungen dahinter und gibt Einblick in Verkaufszahlen und finanzielle Auswirkungen des Flops.

Subventionen von der bayerischen Landesregierung und dem deutschen Staat in Höhe von 1.217.765 Euro stecken im deutschen Spiel Industrie Gigant 4.0 von Entwickler Don vs Dodo. Doch jetzt hat das Team zusammen mit Publisher Toplitz Productions (Medieval Dynasty) das Spiel in einem Zustand als Version 1.0 veröffentlicht, der vielen Fans die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Zum Launch der vermeintlich fertigen Version nach einem Jahr im Early Access wurde die weitere Entwicklung offiziell eingestellt, nur wenn große Bugs auftreten, sollen noch dringende Hotfixes veröffentlicht werden. Eine Entscheidung, die dem Vernehmen nach »nicht leicht gefallen« sei, wie der Publisher erklärte.

Die Käufer wehren sich mit beißender Kritik und Steam Reviews, die im Durchschnitt bei »größtenteils negativ« liegen, 64 Prozent der User raten vom Kauf ab. Jetzt hat Branchenveteranin Petra Fröhlich von GamesWirtschaft dem Publisher auf den Zahn gefühlt: Was steckt hinter diesem PR-Desaster für Toplitz Productions?

Kein Geld für große Umbauarbeiten

Tamara Berger, Head of Marketing & PR bei Toplitz, deklariert Version 1.0 von Industrie Gigant 4.0 im Gegensatz zu vielen Spielern als »technisch stabile und voll spielbare Vollversion«. Den Vorwurf, dass sich die aktuelle Fassung des Spiels noch im Beta-Stadium befinde, weist Toplitz indirekt zurück.

Man verstehe zwar, dass Erwartungen entstanden seien, »die nicht vollständig erfüllt werden konnten«. Nach dem Early-Access-Start wurde eine Roadmap mit geplanten Erweiterungen veröffentlicht, von denen ein Großteil umgesetzt worden sei. Einige Punkte konnten jedoch »aus wirtschaftlichen und technischen Gründen nicht mehr realisiert werden«.

Video starten 0:56 Industrie Gigant 4.0 stellt zum finalen Release alle Updates für die heftig kritisierte Wirtschaftssimulation ein

Berger räumt jedoch ein, dass der angestrebte Mix aus neuen Elementen und klassischen Mechaniken sich für Teile der Community als »weniger stimmig erwiesen« habe, als man erwartet hatte. Die Konsequenz: Das Spiel »entspricht nicht in dem Maß den Erwartungen vieler Spielerinnen und Spieler, wie wir es uns erhofft hatten«.

Industrie Gigant 4.0 sei »ein eigenständiges, voll funktionsfähiges Produkt, das, wie auch mehrere Rezensionen bestätigen, durchaus ein unterhaltsames Spielerlebnis ermöglicht«. Diese Einschätzung steht jedoch im scharfen Kontrast zur »außergewöhnlich negativen und enttäuschten« Resonanz der Käufer.

Ein nachträgliches Ändern des Spieldesigns oder der Einbau größerer Erweiterungen während der eigentlich genau für solche Arbeiten gedachten Early-Access-Phase hätte »erhebliche Zusatzinvestitionen« erfordert. Diese seien »angesichts der Verkaufszahlen und der allgemeinen Marktentwicklung wirtschaftlich einfach nicht mehr vertretbar« gewesen, so die Sprecherin.

Unter der Ankündigung des Endes der Early-Access-Phase machten viele Käufer ihrem Frust über die Entscheidung Luft. Unter der Ankündigung des Endes der Early-Access-Phase machten viele Käufer ihrem Frust über die Entscheidung Luft.

Wo ist die staatliche Förderung geblieben?

Entwickler Don vs Dodo erhielt vom Freistaat Bayern für Prototyp und Umsetzung des Spiels insgesamt 300.000 Euro, zusätzlich kamen vom Bundeswirtschaftsministerium ab November 2022 weitere 917.765 Euro hinzu. Insgesamt handelt es sich also um eine Förderung in Höhe von 1.217.765 Euro.

Toplitz Productions betont, dass diese »öffentliche Förderung der Unterstützung des Entwicklungsstandorts Deutschland« diente und »nicht der Vollfinanzierung des Spiels«. Das Unternehmen stellte klar, dass man selbst einen siebenstelligen Betrag investiert und am Ende »einen massiven Verlust getragen« habe.

Subventionen müssen grundsätzlich nicht zurückgezahlt werden, sofern die Termine eingehalten wurden, die Mittelverwendung plausibel ist und das Spiel in einem lauffähigen Zustand veröffentlicht wurde. Der Publisher sieht die Entscheidung, das Projekt abzuschließen, daher nicht als ökonomischen Vorteil. Sie sei »schlicht Ausdruck unternehmerischer Verantwortung«.

Die Konsequenz für das Entwickler-Studio Don vs Dodo ist das planmäßige Ende der Zusammenarbeit nach Fertigstellung der Version 1.0. Aktuell sind keine weiteren gemeinsamen Projekte vorgesehen. Toplitz Productions will die »vielen Erkenntnisse« aus der Partnerschaft nutzen, um »zukünftige Projekte noch gezielter an die Erwartungen der Spieler anzupassen«.

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