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Joker 2 in der Filmkritik: Nicht die Fortsetzung, die wir brauchen, aber die wir verdient haben

Ist Joker: Folie à Deux nur ein schlechter Scherz oder ein echter Schenkelklopfer? Bei unserer spoilerfreien Kritik wird euch das manische Grinsen vielleicht vergehen.

Joker: Folie à Deux startet am 3. Oktober 2024 in den deutschen Kinos. Ob sich das Ticket lohnt, erfahrt ihr in unserer spoilerfreien Filmkritik. Bildquelle: DCWarner Bros. Joker: Folie à Deux startet am 3. Oktober 2024 in den deutschen Kinos. Ob sich das Ticket lohnt, erfahrt ihr in unserer spoilerfreien Filmkritik. Bildquelle: DC/Warner Bros.

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Nicht Batman, ein Clown hält die Welt in Atem. Die Rede ist natürlich vom Joker, der aus der modernen Popkultur gar nicht mehr wegzudenken ist und seine Daseinsberechtigung mittlerweile vielleicht sogar schon überstrapaziert.

Doch dann kommt stets eine neue, fantastische Interpretation des kultigen DC-Schurken um die Ecke, nur um in die Clownschuh-großen Fußstapfen von Cesar Romero, Jack Nicholson, Mark Hamill oder natürlich Heath Ledger zu treten. Zuletzt: Joaquin Phoenix, der gemeinsam mit Regisseur Todd Phillips bewies, dass der Clown-Prinz des Verbrechens allemal das Zeug dazu hat, einen Solo-Film zu stemmen.

Jetzt steht mit Folie à Deux die direkte Fortsetzung an, bei der man sich guten Gewissens fragen kann: Braucht es einen Joker 2 überhaupt? Nun, es ist kompliziert ...

Vali Aschenbrenner
Vali Aschenbrenner

Über den Autor: Vali ist selbst ein Clown.

Um was geht es in Joker 2?

Auch wenn Folie à Deux fünf Jahre auf sich hat warten lassen, schließt die Handlung unmittelbar an die des Vorgängers an: Nach seinem Mord an dem Talkshow-Host Murray Franklin (Robert De Niro) vor Live-Publikum und vier bis fünf weiteren Personen sitzt Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) in der Arkham-Vollzugsanstalt und wartet auf seinen Prozess.

Fleck findet sich zwischen Schikane und Bewunderung seiner Wärter und Mitinsassen wieder und wird zum Spielball der Presse und Staatsanwaltschaft. Der Hexenkessel Gotham City droht unter der aufgestauten Anspannung zu explodieren, während darüber entschieden wird, ob es sich bei Arthur und Joker um ein und dieselbe Persönlichkeit handelt.

Inmitten des Trubels betritt auf einmal Lee Quinzel (Lady Gaga) die Bühne. Zwischen ihr und Joker entbrennt eine Romanze, die droht, alles um sie herum ebenfalls in Flammen zu stecken. 

Einen konkreten Eindruck zu Joker: Folie à Deux verschafft euch der offizielle Trailer:

Video starten 2:24 Der offizielle Trailer zu Joker: Folie à Deux präsentiert das Traumpaar von Gotham City

Für wen ist Joker 2 interessant?

Lasst mich zuallererst den bunt geschminkten Elefanten im Kinosaal ansprechen: Ja, Joker 2 lässt sich guten Gewissens als Musical bezeichnen. So gut wie jede Szene geht Hand in Hand mit einer Gesangseinlage, in der sich Joaquin Phoenix und Lady Gaga so richtig austoben.

Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes, denn Folie à Deux wird dadurch zu einer direkten Fortsetzung, die sich mit ihrer eigenen Identität spürbar von ihrem Vorgänger abhebt. Phoenix und Gaga singen, tanzen und spielen sich dabei gegenseitig an die Wand und haben unmissverständlich Spaß daran, sich komplett ihren Rollen hinzugeben.

Allerdings häufen sich besagte Musicalstücke unheimlich und werden mit ihrer Frequenz sehr schnell sehr berechenbar. Während Joker 1 eher undurchsichtig blieb, was nun eigentlich Realität und was Fiktion ist, lässt Folie à Deux von Anfang an den Vorhang fallen. Eine wahrscheinlich aus kreativen Gründen bewusst getroffene Entscheidung, die aber keinen adäquaten Ersatz erhält.

In Joker 2 wird viel gesungen und noch mehr geraucht. Zwischen all dem Gesang und Zigarettenqualm lässt sich nur eine sehr rudimentäre Handlung finden, die nur im Schneckentempo vorankriecht. Bildquelle: DCWarner Bros. In Joker 2 wird viel gesungen und noch mehr geraucht. Zwischen all dem Gesang und Zigarettenqualm lässt sich nur eine sehr rudimentäre Handlung finden, die nur im Schneckentempo vorankriecht. Bildquelle: DC/Warner Bros.

Stattdessen strecken Gesang und Tanz die ziemlich rudimentäre Story von Joker 2, die von einem strafferen Takt definitiv profitiert hätte, denn Folie à Deux schafft es nicht zu kaschieren, dass sich im Gegensatz zu Teil 1 Regisseur und Drehbuchautor Todd Phillips kein großes Vorbild genommen hat. 

Während der erste Film Kino-Meilensteinen wie Taxi Driver oder The King of Comedy nacheiferte, steht das Kartenhaus Folie à Deux auf sehr wackeligen Beinen. Phoenix und Philips sollen laut Variety während des laufenden Drehs sogar Skriptseiten verworfen haben, nur um durch hastig auf Servietten gekitzelte Ideen zu ersetzen. Und das merkt man.

Dem Film geht über eine Laufzeit von stolzen zwei Stunden und 19 Minuten gleich mehrmals die Puste aus. Manche Szenen und gerade die Gesangseinlagen bringen so gut wie keinen erzählerischen Mehrwert mit sich, setzen aber dafür zumindest auf Bildgewalt, starkes Schauspiel und einen pompösen Soundtrack.

Hier brilliert Folie à Deux unmissverständlich, es ist nur ein Jammer, dass besagte Elemente nicht in einem runderen Film zum Einsatz kommen. Vor allem, da Joker 2 eigentlich etwas richtig Wichtiges zu sagen hat. 

Am Ende von Joker: Folie à Deux lacht wirklich niemand mehr. Bildquelle: DCWarner Bros. Am Ende von Joker: Folie à Deux lacht wirklich niemand mehr. Bildquelle: DC/Warner Bros.

Ohne zu viel zu verraten: Wer den ersten Film geliebt oder auch gehasst hat, sollte sich einer unbequemen Wahrheit stellen, die bei der extrem fragwürdigen Glorifizierung von Serienmördern oftmals viel zu kurz kommt. Joker richtet sich so mit einem Metakommentar an seine Fans, doch nicht unähnlich zu Matrix Resurrections hätte dieser Kommentar einen besseren Film verdient gehabt.

Stärken und Schwächen von Joker 2

Was Vali an Folie à Deux gefallen hat

  • Die Stars: Man kann von Joker 2 halten, was man will - Joaquin Phoenix liefert erneut eine erschreckend intensive Performance ab, die unter die Haut geht. Der 49-jährige Schauspieler brilliert sowohl als Arthur Fleck, als auch als Joker und zieht mit seinem beispiellosen Schauspiel in den Bann. Aber auch Lady Gaga weiß zu überzeugen, während bei den Nebendarstellern Harry Lawtey als Harvey Dent und Leigh Gill als Gary Puddles ebenso eine eigene Nennung verdienen.
  • Die Bildgewalt: Joker 2 soll von 200 Millionen US-Dollar verschlungen haben und damit fast viermal so viel wie der direkte Vorgänger. Ob es ein so hohes Budget wirklich gebraucht hätte, sei dahingestellt. Dem finalen Film sieht man die finanzielle Spritze aber zu jeder Sekunde an. Gerade die Arkham-Irrenanstalt oder Jokers zahlreiche Halluzinationen sind ein visuelles Feuerwerk, für das allein sich schon der Kinobesuch rentiert. Wenn Folie à Deux etwas zu bieten hat, dann was für die Augen.
  • Der Soundtrack: Die Oscar-prämierte Komponistin Hildur Guðnadóttir ist für Joker 2 zurück, die ihr unheimliches Cellospiel aus dem ersten Teil um neue Facetten erweitert. Die musikalische Untermalung von Folie à Deux sorgt durchgehend für eine traurige, zermürbende und melancholische Stimmung, die lediglich durch die häufigen Gesangseinlagen von Phoenix und Gaga aufgelöst wird. Bei beiden steht der Gesang ihrem Schauspiel in nichts nach, in meinen Augen hat man es mit deren Frequenz aber etwas zu gut gemeint.
  • Die Pointe: Joker 2 braucht lange - vielleicht schon zu lange - um auf den Punkt zu kommen. Aber Junge, der hat es in sich! Erst in den letzten 20 Minuten stellt Folie à Deux seine Daseinsberechtigung unter Beweis, indem die Fortsetzung nicht nur seinen direkten Vorgänger entmystifiziert, sondern gleichzeitig einem gesamten, sehr fragwürdigen Trend-Genre den Spiegel vorhält. Diese Pointe wird definitiv nicht jedem gefallen. Doch es ist eine unbequeme Wahrheit, der sich jeder stellen sollte, der den ersten Joker liebt oder auch hasst.

Video starten 3:02 Im zweiten Trailer zu Joker: Folie à Deux bricht das Chaos in Gotham aus

Was Vali an Folie à Deux nicht gefallen hat

  • Die Story: Es klingt vielleicht paradox, aber trotz der gelungenen Pointe muss ich die Geschichte von Joker 2 kritisieren. Die könnte auf einen Bierdeckel passen, tritt zu oft und zu lange auf der Stelle und kommt viel zu spät auf den Punkt.
  • Das Pacing: Joker 2 ist ein langer Film. Mit zwei Stunden und 19 Minuten definitiv zu lang. Vor allem im direkten Kontrast zu seine Vorgänger, der keine Zeit verschwendet und jede Minute sinnvoll nutzt. Folie à Deux kommt aber von Anfang an nicht so recht in die Gänge, verliert sich in seinen wunderschönen Bildern und exzessiven Ständchen. Das macht Joker 2 zu einer langwierigen und teilweise sogar langweiligen Angelegenheiten, über die die starken Performances nicht immer hinwegtrösten.

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