Liebe TV-Hersteller: Ich brauche nicht noch mehr KI-Features auf meinem Fernseher, da ich sie eh nicht nutze

KI ist bei Fernsehern ein alter Hut, aber ich schalte sie immer ab. In diesem Artikel erkläre ich euch, warum.

KI am TV? Geh mir fort! (Bild: adobe.stock.com - Alexandr Bognat, Zoa-Arts) KI am TV? Geh mir fort! (Bild: adobe.stock.com - Alexandr Bognat, Zoa-Arts)

Rückblickend betrachtet könnte man 2023 als das Jahr der KI bezeichnen. ChatGPT wurde der breiten Masse verfügbar gemacht und auf einmal war künstliche Intelligenz das Thema der Tech-Branche (und eigentlich jeder Branche).

In einem Artikel habe ich Ende Januar aufgearbeitet, warum unsere Fernseher zukünftig nicht mehr ohne KI auskommen werden. Vor allem seitens der Hersteller wird mit KI hantiert, wo es nur geht.

Als kleine Auffrischung: Neben Unterstützung bei der Bildqualität wie beispielsweise Gesichtserkennung soll KI auch die Zuschauer erkennen und unterscheiden können. Ginge es nach Samsung, würden wir die künstliche Intelligenz gar nicht erst bemerken.

Aber wusstet ihr, dass wir bereits seit Jahren KI in unseren TVs haben? In welcher Form und warum ich euch davon abrate, sie zu nutzen, erkläre ich euch in diesem Artikel.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe atmet Fernseher, seit er 2016 als Tech-Redakteur bei einem Technik-Magazin angefangen hat. Schon damals war das Erste, was er lernte: Bub, schalte alle Bildverbesserer am TV aus! Das betrifft nicht nur KI, sondern alles, was über das reine Preset hinausgeht. Natürlich ist nämlich immer noch am besten, findet Maxe.

Hinweis: Für die Aufnahmen der TV-Einstellungen kam ein Philips OLED807 zum Einsatz. Interfaces und Optionen weichen je nach Hersteller voneinander ab. 

Bildverbesserer, die keine sind

Bei Fernsehern eines jeden Herstellers werdet ihr vermeintliche Bildverbesserer finden, seien es künstliche Kontrast-Booster oder Bewegungsoptimierer. Oftmals hängt da KI mit dran, die den Inhalt berechnet, und das schon seit Jahren.

KI-Presets Bei meinem Philips OLED807 steckt die KI schon in den Presets mit drin.

KI-Ton Auch beim Ton soll die künstliche Intelligenz »helfen«.

Das ist nicht nur bei meinem Philips-TV so, den ich für die Bilder genutzt habe. LG, Samsung, Sony, Panasonic: Bei allen schreitet der Computer ein, sofern man ihn nicht absichtlich daran hindert.

Darum ist KI (meist) keine gute Wahl: Die künstliche Intelligenz bewertet ein Bild und entscheidet von selbst, was ihrer Meinung nach die besten Einstellungen sind. Das heißt aber nicht, dass es für uns passt.

HDR-Heimkino Im Vergleich sieht man: Die Kontraste sind künstlich aufgebohrt und das Bild wirkt verwaschener.

Dynamischer Modus Das Preset ist für helle Umgebungen gedacht. Aus den dunklen Bildanteilen wie Donald Glovers Kopf macht die KI grauen Matsch.

Alle Bildverbesserer aus Das Bild ist dezent schärfer und die Lichtreflexionen im Gesicht kühler – logisch, sie kommen von einem Computerbildschirm im dieser Szene.

Im Vergleich oben seht ihr die Unterschiede. Der Filmmodus zeichnet alles ein wenig unschärfer und wärmer, was bei Bewegtbildern sehr filmisch aussieht. Der Dynamische Modus ist nicht zu gebrauchen, weil er Schwarz versucht auszugleichen, aber daraus Matsche macht, und wenn man alle Bildverbesserer ausschaltet, kommt das natürlichste Bild heraus.

Ich schalte alle Bildverbesserer grundsätzlich ab. HDR selbst sorgt schon für einen bockstarken Kontrast, der muss meiner Meinung nach nicht künstlich intensiviert werden. Ich möchte Filme außerdem am liebsten so sehen, wie sie durch das Studio gemastert wurden.

»Bildverbesserer« manipulieren das Bild für einen Wow-Effekt. Ja, das kann knallig aussehen, aber ich schätze Realismus mehr als Effekthascherei – und überbelichtete und übersättigte Bilder will ich nicht sehen. Gleiches gilt für zu stark ausgeleuchtete Szenen, die eigentlich schön düster sein sollen. Möglicherweise macht sie die KI dann aber wieder zu dunkel.

Und wenn mir das Bild doch ein wenig seltsam vorkommt, taste ich mich durch die verschiedenen Einstellungen heran.

Ohne die Bildverbesserer sieht das sehr natürlich aus. Calman hat das Bild meiner Meinung nach zu kalt eingestellt, aber es ist eine gute Basis, um das Bild für sich anzupassen. Ohne die Bildverbesserer sieht das sehr natürlich aus. Calman hat das Bild meiner Meinung nach zu kalt eingestellt, aber es ist eine gute Basis, um das Bild für sich anzupassen.

Im Falle dieses Fernsehers würde ich den durch Calman, einer Kalibrierungsstoftware, eingestellten Modus hernehmen und das als Basis verwenden. In diesem Fall kommen mir die Farben kalt vor, also würde ich die Farbwärme hochregeln.

Hinweis: Nicht jeder TV hat einen solchen Modus. Alternativ nutzt das Kino-/Heimkino-/Film-Preset und arbeitet von dort aus. Da passt die Farbwärme, aber ihr könnt möglicherweise dezent an der Schärfer nachregeln.

Tricky: Im Falle des Philips OLED807 sind Presets direkt KI-gestützt. Heißt: Ich muss eine Voreinstellung auswählen und mich dann nochmal durch die Einstellungen schwingen und alles manuell abschalten.

Allein beim Kontrast habt ihr die Wahl, an sechs Stellen feinjustieren zu lassen. Allein beim Kontrast habt ihr die Wahl, an sechs Stellen feinjustieren zu lassen.

Es wird noch schlimmer: KI wird gepusht

Logo, KI ist noch lange nicht am Ende der Fahnenstange bei TVs. Ein Redakteur von Tech Radar beschreibt beispielsweise seine Entdeckungen auf der CES und was uns in Zukunft noch erwarten könnte.

So ist etwa die Rede von einer »Director Tone«-Einstellung. Hier analysiert die KI das Bild und passt sie der Vorstellung des Regisseurs an, so LG. Klingt ganz danach, als würde die künstliche Intelligenz annehmen, was dem Regisseur gefallen hat. Hab ich dann pro TV die Möglichkeit, das Bild nach Spielberg oder Cameron einzustellen?

Bei einem Samsung-8K-TV wird im Artikel in Verbindung von Sport geschrieben. Die KI erkennt automatisch, welche Sportart läuft und passt die Bildeinstellungen an. 

Begeistert sind die Kollegen allerdings nicht. So vergleicht der Redakteur die Option mit »Motion Smoothing«, also wenn der Fernseher Zwischenbilder einberechnet, und würde sie am liebsten abschalten.

KI ist allerdings nicht nur schlecht. Gerade wenn es um Upscaling geht, ist die Interpretation des Bildes wichtig. Das gilt nicht nur für 8K-Fernseher, sondern auch bei uns zu Hause, wenn wir SD-Material auf unseren 55- und 65-Zöllern anschauen. Ohne KI würde das wortwörtlich ganz schön alt aussehen.

Den Beschreibungen der Kollegen nach zu urteilen, bin ich allerdings nicht scharf darauf, die nächste Generation von KI zu sehen.

Vielleicht schauen wir bald aber auch ganz anders fern:

Wenn ihr auf der Suche nach einem TV für euer Wohnzimmer seid, checkt gerne unsere TV-Kaufberatung aus.

Abschließend sei noch erwähnt: KI in Fernsehern ist keine generative KI, wie wir sie im letzten Jahr oft gesehen haben. Sie erstellt nicht neu, sondern interpretiert nur, was da ist. Das heißt aber nicht, dass zukünftige Fernseher sowas nicht vielleicht integriert haben könnten, um Gesichter nachzubearbeiten oder Inhalte noch »besser« zu machen.

Die Zukunft wird es zeigen. Im Hier und Jetzt kann ich euch aber nur dazu raten, es am TV mal ganz ohne Bildverbesserung per KI zu versuchen. Die Chancen stehen meiner Meinung nach gut, dass euch das Bild dann besser gefällt. So oder so gilt: Das beste Bild ist jenes, das euch am meisten anspricht. Schreibt gerne in die Kommentare, wie ihr über das Thema denkt!

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