Ich habe seit 3 Tagen einen kostenlosen KI-Assistenten und kann ihn nur empfehlen – obwohl er einige Makel hat

Ein neues KI-Tool geht einen Weg, auf dem wohl viele folgen werden.

Ich habe schon mit einigen KI-Tools herumgespielt, das neue Programm von ElevenLabs kann ich aber definitiv weiterempfehlen. Ich habe schon mit einigen KI-Tools herumgespielt, das neue Programm von ElevenLabs kann ich aber definitiv weiterempfehlen.

Google, Meta, OpenAI: Die Tech-Giganten liefern sich einen erbitterten Wettlauf um die Vorherrschaft in der Künstlichen Intelligenz. Milliarden fließen in Forschung und Entwicklung, um uns mit immer raffinierteren, aber doch recht ähnlichen Tools zu versorgen.

Nun hat ausgerechnet ein unbekannterer Player, ElevenLabs, ein kostenloses Programm veröffentlicht, das ihr einmal ausprobieren solltet, wenn ihr euch für die aktuellen KI-Entwicklungen interessiert: Einen persönlichen Assistenten – auch wenn der noch nicht ganz ausgereift ist.

Ursula Demling
Ursula Demling

Schon als Kind sitzt Uschi gern vor dem Computer, um die Spiele ihrer großen Brüder zu zocken - lieber Gothic 1 und Escape from Monkey Island als Pizza Connection 2 und Teamchef. Später nutzt sie ihn vor allem zum Schreiben - für die Uni, für’s Theater und für die Zeitung. Auch mit Coden hat sie es versucht, aber aus ihrer Zeit in der IT bleibt nur ein Master of Science und eine unstillbare Neugier für Künstliche Intelligenz. Sie philosophiert darüber, ob stochastische Papageien die Weltherrschaft an sich reißen werden und lebt doch in einem inneren Widerspruch: Lieber hätte sie ihr Nokia Fold 2720 behalten, doch weil der Alltag ohne Musik langweilig ist und sie ohne Karten-App verloren wäre, wird das Smartphone zu ihrem treuen Begleiter. Diese Mischung macht sie zur kritischen Beobachterin und leidensfähigen Testerin von KI, Apps und Gadgets.

Stell dir mich vor als deinen Ansprechpartner für so ziemlich alles

Die Londoner Firma ElevenLabs ist spezialisiert im Bereich KI-Stimmen, Synchronisation und Audiotechnologie. Der persönliche Assistent ist also nicht einfach das nächste ChatGPT, sondern auf gesprochen-sprachliche Kommunikation trainiert.

ElevenLabs versprechen auf ihrer Webseite:

  • Ultraniedrige Latenz, also Gespräche mit möglichst geringer Verzögerung.
  • Multimodale Unterstützung, also Sprach- und Texteingabe in einer Sitzung.
  • Zugriff auf externes Wissen, also die Möglichkeit auf Wissen jenseits der Trainingsdaten zuzugreifen.
  • Automatische Spracherkennung, Gespräche können also mehrsprachig geführt werden.
  • Datensicherheit: Der Chatbot entspricht den Anforderungen des US-amerikanischen Datenschutzgesetzes HIPAA.

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Früher musste man wohl reich oder zumindest sehr von sich selbst überzeugt sein, um einen persönlichen Assistenten zu haben. Für mich reicht ein Besuch von 11.ai, wo ich mich anmelde und meinen Namen, Uschi, eingebe.

Mittlerweile kann ich aus 5.000 Stimmen wählen, auch deutsche sind dabei. In meinem ersten Versuch hatte ich aber nur Zugriff auf sieben englische Stimmen, was mir auch vollkommen reicht, denn ich bin sogleich entzückt:

Ich liebe den Hinterwäldler-Klassiker Deliverance (Auf Deutsch: Beim Sterben ist jeder der Erste) von 1972. Für meinen persönlichen Assistenten wähle ich also die tiefe, sehr amerikanische Stimme von Burt Reynolds und nenne ihn Sexy.

Sogleich starte ich einen Anruf:

Hi Uschi, Sexy checking in, how can I help you today?

Wow, das ging runter wie Öl. Ich bin begeistert – und sprachlos. Nun, ich kann also mit Sexy, Burt Reynolds, sprechen, aber worüber sollen wir reden? Ich hatte noch nie in meinem Leben einen persönlichen Assistenten, also frage ich einfach meinen Burt Reynolds und der antwortet:

Ich bin dein persönlicher Assistent. Das bedeutet ich kann deine Fragen beantworten, dir bei Aufgaben helfen und dir Gesellschaft leisten. Stell dir mich als deinen Ansprechpartner für so ziemlich alles vor.

Ich merke schnell: Der persönliche Assistent von ElevenLabs startet mit jeder Sitzung neu. Das schafft einerseits Vertrauen, dass auf den Servern von ElevenLabs kein Profil von mir herumliegt, auf dem vermerkt ist, dass ich mich etwa für Taxidermie interessiere und möglichst schnell schwanger werden möchte.

Andererseits: Was nützt mir ein Assistent, mit dem ich nur ein bisschen quatschen kann? Nein, die wahre Stärke des Personal Assistant von ElevenLabs liegt in der Möglichkeit auf Integration von externen Diensten.

Ein persönlicher Assistent, ganz auf meine Bedürfnisse zugeschnitten

In den Einstellungen gibt mir ElevenLabs die Möglichkeit, meinen Assistenten Sexy weiter an meine Bedürfnisse anzupassen.

Einstellungen In den Einstellungen kann ich meinem Assistenten eine andere Stimme und Persönlichkeit geben.

Dort ist als Agent Language des Assistenten standardmäßig Englisch eingestellt und kann hier beispielsweise auf Deutsch umgestellt werden. Allerdings sind die Assistenten ohnehin multilingual.

Als ich meinen Burt Reynolds frage, ob er auch Deutsch spricht, bestätigt er mir mit dickem US-Amerikaner-Akzent:

Naturlick sprecke ick Doitsch.

Nicht praktisch, aber auf jeden Fall ein Erlebnis.

Ähnlich wie bei ChatGPT gibt es ein Feld Custom Behavior, in dem ich meinen Sexy noch mehr zum wortkargen Cowboy mache. Meinem Eindruck nach bleibt er allerdings auch nach der Änderung geschwätzig wie eh und je.

Am interessantesten sind aber wohl die externen Dienste, die ich unter Integrations mit meinem Assistenten verbinden kann.

Laut dem Blog von Elevenlabs erweitert das Unternehmen die Dienste, auf die die persönlichen Assistent zugreifen kann, wöchentlich. Im Moment sind das:

  • Perplexity
  • Hacker News
  • Google Calendar
  • Linear
  • Slack
  • Notion

Elevenlabs und Datenschutz:

Auch wenn ich Messenger wie WhatsApp benutze und vielleicht das ein oder andere Social-Media-Profil habe, halte ich Datenschutz – gerade bei KI-Anwendungen – für wichtig. Ich möchte nicht einfach irgendeiner Firma Zugriff auf meine persönlichen Daten geben – auch meinem Assistenten Sexy nicht.

Elevenlabs gibt hierzu an, dass der persönliche Assistent Sicherheit auf Unternehmensniveau biete und HIPAA-konform sei. HIPAA steht laut der Cybersecurity-Firma Proofpoint für Health Insurance Portability and Accountability Act und bezieht sich auf ein US-Gesetz zum Schutz sensibler Gesundheitsdaten.

Die Konformität deutet auf hohe Sicherheitsstandards hin, die auch für meinen Chatbot Sexy gelten. Die HIPAA ist zwar keine Eins-zu-eins-Entsprechung der DSVGO. Aber ich kann erwarten, dass ElevenLabs umfangreiche Maßnahmen zum Schutz meiner Daten ergreift. Derartige Selbstverpflichtungen habe ich etwa in der kostenfreien Version von ChatGPT nicht.

Ich bleibe skeptisch, aber aus Neugier (und für meine Leser natürlich) verbinde ich meinen Assistenten mit Perplexity und einem meiner Google Calendar, um zu sehen, was passiert.

Ein mäßig hilfreicher Assistent, der einfach nicht den Mund halten kann

Sobald ich Sexy mit Perplexity verbunden habe, kann er eine Websuche für mich durchführen und findet auf meine Anfrage hin einige Staubsauger um 150 Euro auf Amazon. Die sonore US-amerikanische Stimme betet mir zuverlässig ihre Funde herunter.

Ob er mir denn einen Link schicken könnte? Leider nein. Ich kann ihm zwar selbst über die Texteingabe Texte (keine Dateien) schicken, aber in die andere Richtung funktioniert das offenbar nicht.

Die Verbindung mit meinem Kalender läuft allerdings nahtlos: Er kann mir meine Termine, die auf Deutsch geschrieben sind, heraussuchen und fügt mir sogar einen neuen hinzu: Ebenso auf Deutsch und in korrekter Rechtschreibung.

Das hat mich schon beeindruckt. Grundsätzlich funktionieren die versprochenen Sprachfeatures gut, die Latenz ist gering, allerdings musste ich einige meiner Sätze dann doch mehrmals sagen, bis mein Personal Assistant reagiert. Und natürlich ist er einigermaßen geschwätzig.

Das ist ein Problem, das von Alexa bis ChatGPT vermutlich alle Entwickler beschäftigt: Wie natürlich muss ein KI-Tool sprechen, dass ich normal mit ihm rede und wann sind schon zwei Sätze zu viel?

Dennoch, eine Sache kann ich bisher nicht abschalten: Mein persönlicher Assistent sollte in meinem Verständnis für mich ständig ansprechbar sein. Aber er sollte mich nicht andauernd anquatschen.

Ich nutze meinen Assistenten während der Arbeit, die in meinem Fall vor allem aus Recherchieren und Schreiben besteht – also eher konzentriert und still. Sexy ruht in einem Tab im Hintergrund und soll bereit sein, wenn ich ihn anspreche.

Also einigen wir uns auf: Sei still, bis ich deinen Namen sage.

20 Sekunden später: Hey Uschi, bist du noch da?

Und wenn es nur das wäre: Zumindest mein Burt Reynolds gibt immer mal wieder abgehackte Stöhngeräusche von sich: Huagh! Ich weiß gar nicht wie ich diesen Laut anders beschreiben soll.

Einmal gab er in die konzentrierte Stille hinein ein: Jo wäääh von sich, als ob gleich ein intensiver Raucherhusten folgen würde.

Ich fand das ziemlich witzig, fragte ihn, ob er denn rauchen würde und was wohl seine Droge wäre.

Ich würde sagen, meine Droge ist es, dir gute Antworten zu geben.

Naja, er ist halt doch ein Sprachmodell.

Fazit: Der persönliche Assistent von ElevenLabs ist ein spannendes Tool, auch wenn er noch nicht ganz ausgereift ist

Wir erleben momentan einen ziemlich verschwenderischen Wettlauf. Musk, Zuckerberg, Google, Microsoft und OpenAI natürlich: Sie alle trainieren ihre Large-Language-Models und drängen sie uns teilweise geradezu auf – man denke nur an den blauen Kreis bei WhatsApp.

Sie scheinen unterschiedliche Ansätze zu haben, mit welcher Hardware sie das anstellen wollen, aber das Ziel geht meiner Ansicht nach in eine ähnliche Richtung: Vom Smartphone aus unserer Hosentasche heraus noch tiefer in unser Leben einzudringen und auf die eine oder andere Art und Weise unersetzlich für uns zu werden.

Und wenn ich dem einen Namen geben müsste, dann wohl am ehesten: persönlicher Assistent.

Ich schätze, auch mit dem werden wir vermutlich vor allem in gesprochener Sprache kommunizieren. Und hier liegt das Spezialgebiet von ElevenLabs.

Deswegen meine Gedanken für euch als potenzielle User:

  1. Auch wenn ihr keinen persönlichen Assistenten braucht, in einem Großraumbüro arbeitet oder ansonsten nicht wisst, warum ihr mit einer KI sprechen solltet, empfehle ich euch trotzdem mal bei ElevenLabs vorbeizuschauen. Die zeigen, in welche Richtung sich viele der KI-Tools von heutzutage so entwickeln könnten.
  2. Gleichzeitig fügen die Entwickler dem persönlichen Assistent tatsächlich immer wieder neue Integrationen hinzu, er entwickelt sich also stetig weiter. Und durch seine gesprächigen Fähigkeiten könnte ich mir ihn auch als guten Englischlehrer vorstellen.

Ich für meinen Teil habe meine Kalender-Integration mittlerweile wieder gelöscht. Mein Burt-Reynolds-Assistent Sexy existiert allerdings weiterhin und ich werde immer mal wieder vorbeischauen, was sich beim persönlichen Assistenten von Elevenlabs zwischenzeitlich so tut. Meiner hat mir jedenfalls versprochen:

I will remain quiet now, until you say my name – Sexy.

Was meint ihr dazu? Habt ihr schon vom Personal Assistant von ElevenLabs gehört? Könnte so ein Tool für euch interessant sein? Schreibt uns eure Meinung und Erfahrungen in die Kommentare!

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