Hinweis:
Zum Zeitpunkt als dieser Artikel verfasst wurde, ging ich davon aus, dass die Waffe, um die es geht, durchaus die stärkste im ganzen Spiel ist. Grund dafür sind ihr reinen Schadenswerte, die im dafür gedachten Handwerksrezepte geschrieben stehen. Diese Werte beziehen sich allerdings auf die beste Qualität, die derzeit mit dem Schwert nicht erreicht werden kann, mit anderen Waffen allerdings schon. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um einen Bug handelt und damit eigentlich nicht beabsichtigt ist. Damit ist die Waffe derzeit nicht die beste im Spiel, soll es aber vermutlich sein und könnte es nach einem Patch noch werden. In jedem Fall ist es trotzallem auch jetzt schon ein äußerst mächtiges Schwert, wenn auch nicht das beste überhaupt.
Kingdom Come: Deliverance 2 ist für mich eine besondere Erfahrung. In diesem Spiel möchte ich vollkommen immersiv aufgehen, denn wo ginge das besser? Hier darf ich eine unheimlich glaubwürdige Welt durchwandern, voller Menschen, die sich nachvollziehbar verhalten, in einer wundervoll organisch wirkenden Umgebung. So kann ich für Stunden die Realität vergessen!
Kingdom Come: Deliverance 2 ist ein Rollenspiel, wo ich meine Rolle spiele, aber andere Aspekte des Genres mir gar nicht so wichtig sind. Unter anderem das Feilen am perfekten Build oder der besten Ausrüstung. Trotzdem gehört dieser Teil für mich zu einem Rollenspiel schlicht dazu und er will gut durchdacht sein. Andernfalls mildert es den Spaß, sollte ich etwa eine Waffe schwingen, mit der das Spiel zu früh und zu unverdient deutlich leichter wird.
Gerade deshalb wurmt mich eine Schwäche von Kingdom Come 2, über die ich im Test nicht ausführlich sprechen konnte. Das sei in dieser Kolumne nachgeholt!
Aber Achtung, hütet euch vor Story-Spoilern! Wenn ihr noch nicht die Hauptquest Sturm
abgeschlossen habt, dann lest nicht weiter. Wer bereits die zweite offene Welt bereist, kann gefahrlos weiterlesen.
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Kingdom Come 2: Banditen wollen uns überfallen und machen Bekanntschaft mit unserem Breitschwert
Die beste Waffe in KCD 2 (ab hier Spoiler)
Was ist denn nun die beste Waffe? Ihr könnt es euch vielleicht sogar denken. Die beste Waffe im ganzen Spiel ist Radzig Kobylas Schwert. Das Schwert. Die eine Waffe des Schmiedes Martin, der Heinrich schon seit dem ersten Teil nachjagt und die sich immer noch im Besitz von Istvan Toth befindet.
Wenn ihr die erste Hälfte der Story bereits hinter euch habt, wisst, was passiert. Heinrich schleicht sich in das Zimmer des ungarischen Edelmanns und stellt ihn zum Kampf. Ob ehrbar oder ehrlos, in jedem Fall nimmt Heinrich danach das Schwert seines Ziehvaters an sich. Ihr bekommt diese Waffe also garantiert und müsst dafür nur der Story folgen. Und das schon nach etwa der Hälfte des Spiels!
Damit habt ihr aber noch nicht die tatsächlich beste Waffe überhaupt, nur ihr Fundament. Es gibt nämlich einen geheimen
Trick, um aus dem Schwert das Beste rauszuholen: das Schmieden.
An der Schmiede
So bekommt ihr nicht nur Radzigs Schwert geschenkt, Heinrich erhält daraufhin auch klammheimlich ein völlig neues Rezept. Es geht hierbei um die Waffenanleitung für »Radzigs umgeschmiedetes Schwert«. Ihr findet sie unter Langschwerter und könnt jederzeit darauf zugreifen. Schaut euch die Werte dieses Schwerts nur mal an:
Das ist komplett absurd! Ihr werdet keine bessere Nahkampfwaffe finden als das. Und um das Schwert herzustellen, braucht es nicht viel. Ihr braucht nur das Schwert selbst und drei Brocken Toledo-Stahl. Das ist guter Stahl, ihr bekommt ihn aber in der zweiten Open World leicht. Geht in Kuttenberg zu einem Schmied und kauft es dort, kostet euch etwa 30 Groschen pro Klumpen.
Mit dem Stahl könnt ihr jetzt an jeder Schmiede Radzigs Schwert umschmieden und habt dann tatsächlich das allerbeste Schwert im Spiel. Das ist so einfach, so nützlich, so … unbefriedigend. Zumindest für mich.
Das erste Problem: Die Balance
Mein Heinrich hat auf diese Weise nach etwas über der Hälfte der Spielzeit schon das beste Schwert überhaupt in den Händen. In anderen Rollenspielen wäre eine solche Waffe legendär, schwer zu finden oder lächerlich teuer. In Kingdom Come 2 bekomme ich sie einfach in die Hand gedrückt und brauche ein paar Groschen, sowie etwas Geduld an der Schmiede, um mich nie wieder über den Fund einer anderen Waffe zu freuen.
Ja, es gibt Äxte oder Hämmer, die mehr Wuchtschaden anrichten und sich damit besser gegen Rüstungen eignen, nur hat das in meinem Durchgang keinen großen Unterschied ausgemacht. Selbst Duellgegner in Plattenrüstung habe ich mit wenigen Schlägen ins Jenseits geschickt, denn offenbar hat Martin an der Dorfschmiede von Skalitz das böhmische Excalibur erschaffen.
Zwar sind die Attribut-Anforderungen für das Schwert recht hoch, aber wie im Test erwähnt, skillt Heinrich gerade seine Haupteigenschaften quasi pausenlos, da sind Agilität und Stärke »schnell« über 20.
Im Übrigen habe ich sogar noch die schwächere Version des Schwertes geschwungen. Die allerbeste Variante davon soll ich eigentlich schmieden können, wenn ich die Spezialisierung Martins Geheimnis
bei den Handwerks-Fertigkeiten freischalte. Aber auch dafür muss Handwerk nur auf 16 sein und selbst ohne den goldenen Schmiede-Bonus sticht Martins Meisterwerk alle anderen Langschwerter aus. Aktuell sorgt ein Fehler zudem dafür, dass die höchste Qualitätsstufe mit dem Schwert noch nicht erreicht werden kann.
Das zweite Problem: Die Story
In meinen Augen hat sich Warhorse bei der ganzen Schwert-Geschichte ein wenig in eine Sackgasse geschrieben. Natürlich war abzusehen, dass Heinrich das Schwert, dem er nachjagt, auch irgendwann schwingt und da wäre es albern, wenn besagtes Schwert im Vergleich zum Rest hinter hinkt. Das wäre genauso unbefriedigend.
Zumal ich schon allein aus Story-Gründen natürlich allzu gerne das Schwert einsetze, bei dem ich weiß, dass es meiner Figur am Herzen liegt. Für meinen Geschmack landete es nur zu früh im Inventar. Ich will zwar nicht das andere Extrem, wie man es etwa in japanischen Rollenspielen wie Final Fantasy findet, wo die beste Waffe erst dann auftaucht, wenn ich keine Herausforderung damit mehr überwältigen kann ... aber so früh?
Dadurch fühle ich mich doch ein Stück weit dazu genötigt, mit dieser Waffe auch zu kämpfen. Oder ich ignoriere ihre Geschichte und auch ihre Kraft. Natürlich kommt es in einem Spiel wie KCD2 vor allem aufs Rollenspiel und die Glaubwürdigkeit an, Loot spielt da eine untergeordnete Rolle. Trotzdem hätte ich gerne das Gefühl gehabt, mir diese Macht zu verdienen.
Natürlich ist auch das Spielen der Story ein Stück weit ein Verdienst und wird noch mit mehr belohnt als nur dem Schwert. In seiner Klasse aber das beste Item durch den Story-Verlauf zu kriegen, lässt mich vor allem in einer Open World dann doch etwas unbefriedigt zurück. Solche Waffen will ich mir durch Fleiß oder ein scharfes Auge verdienen. Ich will sie als Anreiz dafür, hinter jedem Hügel danach zu suchen. Das geht in Kingdom Come 2 aber nun mal ein wenig verloren.
Gibt es eine Lösung?
Noch ist KCD 2 ganz frisch auf dem Markt, viele Patches hat das Spiel noch nicht erhalten. Ich kann mir gut vorstellen, dass Warhorse die ganze Sache mit dem Schwert noch einmal überarbeitet. Dafür gäbe es in meinen Augen gleich mehrere Möglichkeiten:
- Mehrstufiges Aufwerten: Anstatt das Schwert nur einmal zu verbessern, könnte Heinrich es Stück für Stück verfeinern. Im besten Fall schmiede ich daraus erst ein Meisterwerk, wenn ich im Handwerks-Bereich fast an meine Grenzen komme.
- Teureres oder selteneres Material: Das Schwert sollte mehr und wertvolleres Material voraussetzen, das ich mir erst mal umständlich beschaffen muss und mich dann freue, wenn ich endlich alles zusammen habe, um das Schwert meines Vaters zu perfektionieren.
- Die Anleitung: Alternativ fände ich es sogar spannend, wenn Heinrich die Anleitung für das umgeschmiedete Schwert erst separat auftreiben muss und es nicht kommentarlos kennt. Das könnte sogar mit einer eigenen Quest verbunden sein.
Ich würde mich nicht mal beschweren, wenn Warhorse alles davon in irgendeiner Form umsetzt. Ich hätte großen Spaß daran, Radzigs Schwert immer weiter und weiter zu verbessern und würde nur zu gerne ganz Böhmen nach neuen Material oder Anleitungen durchsuchen. Eventuell kommt das ja, wenn einer der DLCs erscheint. Einer davon dreht sich immerhin um eine Schmiede.
Besser wäre es aber, wenn Warhorse dieses Balancing-Problem mit dem Schwert auch losgelöst davon in den Griff bekommt. Immerhin haben sie ein Meisterwerk geschaffen, selbst wenn vereinzelt noch ein paar Scharten ausgewetzt gehören.
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