Update vom 12. November 2025: Nun sind alle drei großen Addons für Kingdom Come 2 erschienen. Wir haben sie einzeln getestet und verlinken sie in diesem Artikel, damit ihr unsere Meinung zu sämtlichen Inhalten des Spiels gebündelt findet.
Mein Heinrich ist schon wieder besoffen. Von den Kolleginnen und Kollegen wird er inzwischen liebevoll die »Gemeine Stinkmorchel« genannt, und es könnte keinen besseren Spitznamen geben. Eingesaut und mit verschwommener Sicht taumele ich viel zu spät in der Nacht durchs Dorf und werde vom Schneider einen Suffkopp gerufen. Zumindest glaube ich, dass es der Schneider war. In jedem Fall rufe ich zurück, er soll die Klappe halten. Ich mach’, was ich will.
Als dann eine Wache des Vogts meinen Hund auch noch eine Töle schimpft, wird die Stinkmorchel wütend. Gewandt wie ein übergewichtiger Mopswelpe wuchte ich dem behelmten Wachmann meine Faust ins Gesicht. Kurz bevor mich die Wache wiederum besinnungslos prügeln kann, gebe ich auf und zahle ein Bußgeld. Ich kollabiere blau geschlagen auf einem Strohlager in der Tavernen-Scheune und denke mir in dem Moment: »Schöner könnte das Leben gerade nicht sein.«
Kingdom Come: Deliverance 2 ist ein Spiel, dem ich schon nachtrauere, bevor es zu Ende ist. Denn Momente wie dieser führen mir in den über 100 Spielstunden immer wieder vor Augen, dass ich es nie wieder zum ersten Mal erleben kann. Dieses Gefühl vollkommener Immersion, das entsteht, wenn ich noch nicht wirklich weiß, was mich alles erwartet. Wenn die Welt noch grenzenlos wirkt, weil so vieles im Nebel liegt. Dann entfaltet Kingdom Come 2 seine ganze Magie. Zieht mich ins mittelalterlich erscheinende Böhmen und lässt mich glauben, dass hier mein zweites Leben beginnt.
Wie dieses Leben aussieht? Das ist mir überlassen. Ob als nobler Recke, fleißiger Handwerker oder als gemeine Stinkmorchel. Heinrich ist zwar Heinrich, doch die Rollenspiel-Werkzeuge im Repertoire dieses Open-World-Kolosses sind so vielfältig, dass alles denkbar erscheint.
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Kingdom Come 2 macht mit einem neuen Cinematic-Trailer ordentlich Stimmung vor dem Release
Also ja … Kingdom Come 2 ist ein grandioses Rollenspiel. Zumindest für mich und für viele Kolleginnen und Kollegen. Das gibt nur keine Antwort auf die Frage, ob ihr das ganz genau so sehen werdet. Ob ihr genauso wie ich in dieser faszinierenden Welt versinkt und so sehr in eurer erwählten Rolle aufgeht, dass ihr gefühlt nie jemand anderes gewesen seid.
Denn Kingdom Come 2 ist wie sein Vorgänger manchmal eigenwillig und verfolgt eine sehr klare Vision. Kingdom Come 2 biedert sich nicht an, Kingdom Come 2 macht, was es will. Ein bisschen wie die gemeine Stinkmorchel. Ob ihr damit Spaß habt, hängt von euren Vorlieben ab. Ich gebe euch aber mein Wort: Am Ende des Tests wisst ihr, ob euch dieses Ausnahmerollenspiel ebenfalls über 100 Stunden lang an seine immersive Welt ketten wird. Oder ob ihr es zu kompliziert, anstrengend oder sogar langweilig findet.
Runter vom hohen Ross
Kingdom Come 2 begegnet schon in den ersten Minuten einem altbekannten Problem zahlreicher Rollenspiel-Nachfolger: Der Held hat im ersten Teil seine Fähigkeiten scheinbar so weit verbessert wie möglich und steht am oberen Ende der Nahrungskette. Verspeist Banditen, Ritter oder Könige zum Frühstück. Gut, ganz so übermächtig war Heinrich auch am Ende des Vorgängers nicht und trotzdem muss der Gute erstmal wieder auf den Boden geholt werden. Denn Kingdom Come macht dann am meisten Spaß, wenn man sich durch den Dreck nach oben wühlt.
Wenn Heinrich also hoch zu Ross auf wichtiger Mission in Begleitung seines guten Freundes Hans Capon in dem ersten von insgesamt zwei offenen Spielbereichen ankommt, fällt die ganze Unternehmung wortwörtlich ins Wasser – schließlich wollen die zwei doch nur baden gehen. Einen Banditenangriff später fliehe ich als Heinrich nur in Unterhosen vor einer mordenden Meute, werde verwundet und verliere dadurch meine Fähigkeit, ein Schwert gerade zu halten. Ein Sturz von einem Berg raubt Heinrich dann offenbar auch den letzten Verstand und lässt ihn nicht länger die richtigen Worte finden, um sich aus jeder Misslage rauszureden.
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