Eine Influencerin ist Brillen-Leugnerin - Ist Kurzsichtigkeit nur Trickserei?

Natürlich ist Myopie kein Trick, was Leugner nicht davon abhält, es zu behaupten. Dennoch ist Technik an Kurzsichtigkeit nicht ganz unschuldig.

Bekommen wir vom zu vielen in Bildschirme starren schlechte Augen? (Bild: Gorodenkoff - adobe.stock.com) Bekommen wir vom zu vielen in Bildschirme starren schlechte Augen? (Bild: Gorodenkoff - adobe.stock.com)

Die Wissenschaft hat heutzutage mit allerhand Leugnern zu kämpfen. Chemtrails, flache Erde, Handystrahlung - und neuerdings auch Brillen.

Eine kanadische Influencerin ist bekennende Gegnerin von Brillen. Laut ihrer Aussage gibt es mentale, emotionale, physische und spirituelle Gründe, warum man möglicherweise nicht richtig sieht. Bei sich selbst habe sie die Augenkrankheit angeblich schon geheilt und bietet das auch anderen - gegen Geld, natürlich.

Sie stellt in Frage, ob Kurzsichtigkeit nicht nur ein Trick ist, um uns Brillen zu verkaufen.

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Nein, Kurzsichtigkeit ist echt

Dieser Artikel soll die Frage gar nicht erst aufwerfen. Ja, Myopie, wie es im Fachjargon heißt, ist echt und biologisch begründet. Kurzsichtigkeit ist sogar das häufigste Sehproblem auf dem Planeten.

Welt schreibt in einem Beitrag von 2021, dass laut Berufsverband der Augenärzte (BVA) rund 25 Prozent der Deutschen von Kurzsichtigkeit betroffen seien. 

In China, so berichtet das spanische Magazin Xataka, leiden mittlerweile 90 Prozent der jungen Erwachsenen daran, in Seoul sogar 96,5 Prozent aller 19-jährigen Männer.

Wie entsteht Kurzsichtigkeit? Bei Myopie wachsen Augäpfel mehr als nötig. Das hat allerdings keine mentalen, emotionalen oder spirituellen Gründe.

Viereckige Augen vom Computerspielen

Den Spruch haben sicher viele von uns gehört, wahlweise mit dem Computer, Game Boy, Fernseher oder vom Lesen.

Natürlich stimmt die Aussage nicht, aber sie besitzt ein Körnchen Wahrheit.

Der häufige Grund für Augapfelvergrößerungen bei Myopie ist Dopaminmangel. Unser Dopaminhaushalt wird positiv von Vitamin D beeinflusst, das unser Körper vorrangig durch die Sonne bekommt.

Eine Studie fand den Zusammenhang zwischen intraokularem Dopamin und dem Wachstum der Augäpfel heraus. Eine ausreichende Produktion des Botenstoffes erfordert etwa drei Stunden Sonne am Tag. Wer nur mit dem Game Boy zuhause hockt, bekommt nicht genügend Sonne.

Vor allem Kinder und Jugendliche sind betroffen. Befinden sich die Augen im Wachstum, so kann sich bei zu wenig Dopaminausschüttung eine Myopie entwickeln. Das hat aber nichts mit Computern oder Fernsehern an sich zu tun.

Wichtiger Hinweis: Myopie kann selbstverständlich auch Genetik, Alter und andere Umweltfaktoren als Grund haben.

Das Geschäft mit der Pseudowissenschaft

Im Informationszeitalter, in dem nahezu jeder Zugriff aufs Internet hat, florieren Pseudowissenschaften. Die Influencerin, die von der Brille abrät, ist da nur ein Randbeispiel.

Wie Jama Network herausfand, beliefen sich die Einnahmen falscher Behandlungen für Alzheimer und Demenz in den USA vor der Pandemie auf geschätzt 3,2 Milliarden US-Dollar.

Das Problem sind nicht die Influencer, die Brillen abschaffen wollen, sondern diejenigen, die ohne wissenschaftlichen Nachweis daran glauben. Deshalb gilt es stets zu hinterfragen, bevor man etwas glaubt, sogar die eigene Mutter, die mit viereckigen Augen droht.

Wir Menschen sind aber auch zu Großartigem fähig, etwa, wenn wir mit Seltenen Erden aus dem All unsere Geräte verbessern. Brille sind grundsätzlich nicht schlecht: Psychologin Jolina Bering erklärt, wie VR die Gesundheit fördern kann.

Pseudowissenschaften und Botschafter hanebüchener Ideen gibt es dank den sozialen Medien fast überall. Nun wird schon die Funktionalität von Brillen angezweifelt. Kurzsichtigkeit hängt allerdings tatsächlich mit unserem Bildschirmverhalten zusammen. Habt ihr den Spruch mit den viereckigen Augen auch oft hören müssen? Seid ihr selbst kurzsichtig?

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