Nach 13 Jahren erfolgloser Versuche muss der Mann, der eine Festplatte mit rund 600 Millionen Euro in Bitcoin entsorgt hat, aufgeben [Best of GameStar]

Ein Gerichtsurteil sorgte vor rund einem Jahr dafür, dass die Geschichte einer bemerkenswerten Laptop-Festplatte ihren Abschluss fand – zumindest fast.

Unter Müllbergen in Wales befindet sich ein besonderes wertvoller Schatz in Form einer Laptop-Festplatte – sofern die Daten darauf überhaupt noch zu retten wären. (Quelle: stock.adobe.com - aryfahmed, Wikipedia) Unter Müllbergen in Wales befindet sich ein besonderes wertvoller Schatz in Form einer Laptop-Festplatte – sofern die Daten darauf überhaupt noch zu retten wären. (Quelle: stock.adobe.com - aryfahmed, Wikipedia)

Rund um den extremen Anstieg des Kurses der Kryptowährung Bitcoin bieten sich viele Hätte ich das nur geahnt...-Gedankenspiele an.

Kein Wunder, schließlich hat sich die 2009 erstmals erzeugte Währung von einem Wert von einem Dollar im Jahr 2011 auf aktuell knapp über 74.000 Euro pro Bitcoin hochgearbeitet.

Man kann also nachvollziehen, dass der Waliser James Howells zahlreiche Anstrengungen unternommen hat, um seine 2013 versehentlich weggeworfene Bitcoin-Festplatte wiederzubeschaffen.

Die wichtigsten Fakten zu dem Fall

  • Die Festplatte stammt aus einem Laptop und soll einen Key (also das Passwort) zu einer Wallet mit stolzen 8.000 Bitcoin enthalten. Bei dem aktuellen Kurs entspricht das einem Wert von etwa 592 Millionen Euro.
  • Das Problem: Sie befindet sich irgendwo unter riesigen Bergen von Müll auf einer Deponie von Newport in der Nähe von Cardiff. Eigentlich wollte Howells eine leere Festplatte entsorgen, er griff aber vor über dreizehn Jahren folgenschwer zum falschen Modell.
  • Ein Gerichtsurteil fiel Anfang 2025 zuungunsten von Howells aus, gewonnen hat also das Newport City Council (via Ars Technica). Howells darf demnach keine Anstrengungen unternehmen, die Festplatte auf der Deponie zu finden.

Mitte 2022 hatte Howells noch Hoffnung in Bergungsversuche mit Hilfe von Roboterhunden in Zusammenarbeit mit einem Spezialisten für künstliche Intelligenz gelegt (GameStar berichtete). Die passende Genehmigung dafür bekam er aber nie.

Kryptowährungen und Gaming: Setzt eine Kryptowährung auf den sogenannten Proof of Work, kann die Möglichkeit bestehen, sie mit typischer Hardware aus Gaming-PCs wie insbesondere Grafikkarten digital zu schürfen.

Steigende Kryptokurse haben bereits zwei Mal dazu geführt, dass Gaming-Grafikkarten stark nachgefragt und dadurch selten und sehr teuer geworden sind: etwa von 2017 bis 2018 sowie von Ende 2020 bis Anfang 2022.

Neben Bitcoin war dafür vor allem Ethereum verantwortlich. Inzwischen braucht man allerdings spezielle und teure Hardware, um Bitcoin schürfen zu können. Ethereum setzt dagegen nicht mehr auf Proof of Work, sondern auf Proof of Stake.

Welche Diskussionen der erste Krypto-Boom ausgelöst hat, seht ihr auch in unserem damaligen GameStar-Plus-Video Kryptomining & Grafikkarten - Warum Sparfüchse die großen Verlierer sind.

In ganz anderer Form greift die aktuelle Netflix-Serie Biggest Heist Ever das Krypto-Thema auf:

Video starten 1:11 Biggest Heist Ever: Netflix beleuchtet einen spektakulären Bitcoin-Raub, den es wirklich gegeben hat

Umweltschutz als Gegenargument

Die Klage von Howells gegen den Newport City Council umfasste drei mögliche Lösungsszenarien:

  1. Der Beklagte händigt die Festplatte dem Kläger aus.
  2. Der Beklagte zahlt eine Entschädigung in Höhe des Wertes der Bitcoins, auf die der Kläger nicht mehr zugreifen kann.
  3. Der Beklagte gestattet dem Kläger, die Deponie mithilfe eines Expertenteams auszuheben, um die Festplatte selbst suchen zu können.

Die erste Lösung fällt so lange weg, wie niemand weiß, wo genau sich die Festplatte befindet.

Dass die zweite Lösung keinem Gericht angemessen erscheinen dürfte, ist Howells vermutlich selbst bewusst.

Gegen die dritte Lösung führt der Stadtrat zu guter Letzt unter anderem an, dass durch das Ausheben der Deponie schädliche Substanzen in die Umwelt entweichen könnten.

Und dann gibt es da noch einen weiteren, entscheidenden Knackpunkt: der Besitzanspruch.

Wem gehört die Festplatte?

Durch das Wegwerfen der Festplatte hat Howells aus Sicht des Gerichts keine Besitzansprüche an die Festplatte mehr. Das ist im Control of Pollution Act von 1974 geregelt, also in einem Gesetz zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung.

Howells Versuche, sich dagegen zu wehren, bleiben vor Gericht ohne Erfolg, mit der folgenden Begründung des Richters im Urteil:

Meiner Ansicht nach gäbe es keine realistische Aussicht auf eine Feststellung, dass das Behalten der Festplatte durch den Beklagten unvertretbar war. Der Beklagte behielt sie nicht zum eigenen Vorteil oder weil er sie wollte. Er behielt sie, weil sie auf der Deponie begraben war.

Erschwerend hinzu kommt, dass Howells erst 2024 rechtliche Schritte eingeleitet hat, während die Sachlage bereits seit 2013 weitgehend unverändert und ihm bekannt ist.

In diesem Fall gilt aber eine Verjährungsfrist von sechs Jahren, die also bereits 2019 abgelaufen ist.

Die Hoffnung war ohnehin gering

Man darf abschließend bezweifeln, ob Howells überhaupt je hätte Erfolg haben können.

Einerseits ist fraglich, ob die Daten nach so langer Zeit überhaupt noch zu retten wären. Schließlich liegt die Festplatte seit über einem Jahrzehnt begraben unter immer größeren Bergen von Müll, geplagt von Verdichtungsprozessen.

Andererseits gleicht die Suche auf der Deponie mit 350.000 Tonnen Abfall der nach der berühmten Nadel im Heuhaufen (auch wenn im Jahr 2013 ein etwa 2.000 Quadratmeter großer Bereich mit circa 15.000 Tonnen Abfall ermittelt wurde, in dem sich die Festplatte wahrscheinlich befindet).

Auch wenn Howells die Suche nun eingestellt hat, zeichnet sich ab, dass die verlorene Festplatte ein Lebensinhalt des Walisers bleiben wird: Im Laufe des letzten Jahres wurde nicht nur eine Serie über seine Suchprojekt angekündigt, sondern auch ein Computerspiel.

Die Suche stand von Anfang an auf tönernen Füßen. Mit jedem Jahr, das vergeht, wird es immer unwahrscheinlicher, dass die Festplatte in brauchbarer Form noch auftaucht. Dass der Waliser mit der Sache abschließt, ist jedoch auch nicht in Sicht.

Auch wenn er die Hoffnung auf mehrere hundert Millionen auf einen Schlag vielleicht aufgegeben hat, der legendäre Bitcoin-Pechvogel arbeitet stetig daran, doch noch zum Glückspilz zu werden.

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