Eigentlich gilt Last Epoch als einer der stärksten Konkurrenten für Diablo 4 und Path of Exile. Das Action-RPG hat sich durch sein tiefes Klassensystem und den direkten Draht zur Community einen exzellenten Ruf erarbeitet.
Doch die Stimmung ist aktuell massiv gekippt: Entwickler Eleventh Hour Games hat angekündigt, für künftige Charakterklassen Geld zu verlangen.
Der Bruch des Kickstarter-Versprechens
Der Stein des Anstoßes ist die Ankündigung der ersten großen Erweiterung namens Orobyss, die für 2026 geplant ist. Während die Erweiterung selbst für bestehende Spieler kostenlos sein soll, wird eine neue Art von Charakterklasse, die sogenannten »Paradox Classes«, kostenpflichtig sein.
Dies steht im direkten Widerspruch zu den Zusagen, die das Studio während der Finanzierung des Spiels gemacht hatte. Damals versprach Eleventh Hour Games auf Kickstarter eindeutig:
»Die einzige Form von Echtgeld-Mikrotransaktionen, die Last Epoch jemals haben wird, sind kosmetischer Natur.«
Weiterhin hieß es, dass eine einmalige Zahlung alles sei, was ein Spieler ausgeben müsse, um die komplette Last-Epoch-Erfahrung zu erhalten und gleichgestellt mit anderen Spielern zu sein. Dass nun spielrelevante Inhalte hinter einer Bezahlschranke verschwinden, ist also ein riesiger Vertrauensbruch.
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Last Epoch - Das Action-Rollenspiel landet auf der PlayStation 5 und hat gleich eine neue Erweiterung im Gepäck
Finanzielle Gründe erzwingen Kurswechsel
Judd Cobler, der CEO von Eleventh Hour Games, bestätigte den Kurswechsel und begründete ihn mit der wirtschaftlichen Realität des Studios. In einem Forenbeitrag erklärte er, dass die ersten drei Seasons von Last Epoch keinen Profit abgeworfen hätten.
Die ursprüngliche Vision, das Spiel rein über den Verkauf von kosmetischen Items zu finanzieren, sei nicht aufgegangen. Die Einnahmen aus dem Ingame-Shop decken laut Cobler die laufenden Entwicklungskosten langfristig nicht mehr. Man müsse daher alternative Einnahmequellen erschließen, um den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Spiels zu sichern.
Die Reaktion der Spielerschaft ließ nicht lange auf sich warten: Auf Steam sind die kürzlichen Reviews auf einen »ausgeglichenen« Status abgerutscht, wobei nur noch etwa 42 Prozent der neuen Bewertungen positiv ausfallen – ein starker Kontrast zum davor »sehr positiven« Gesamtschnitt des Spiels.
Die Kritikpunkte der Spieler:
- Es herrscht die Angst, dass die neuen Bezahl-Klassen absichtlich stärker gemacht werden könnten als die Standard-Klassen, um die Verkaufszahlen anzukurbeln.
- Viele Spieler sagen, dass das Spiel noch immer mit Bugs, fehlerhaften Tooltips und unfertigen Skills bei den bestehenden Klassen kämpft. Dass nun Ressourcen in bezahlte Inhalte fließen, statt das Grundspiel zu reparieren, sorgt für Unmut.
- In der Community werden auch Vergleiche zu Warhammer 40k: Darktide gezogen, wo kostenpflichtige Klassen das Balancing durcheinandergebracht haben.
Die Rolle von Krafton
Die Situation im Fanlager war zuvor schon angespannt, da Eleventh Hour Games im Juli dieses Jahres von Krafton übernommen wurde. Der koreanische Publisher hatte kürzlich angekündigt, sich zu einer »AI-first company« entwickeln zu wollen. Dies schürt die Sorge, dass Last Epoch künftig von minderwertigen KI-Inhalten oder aggressiverer Monetarisierung durch den Mutterkonzern dominiert werden könnte.
Cobler versuchte, diese Bedenken zu zerstreuen. Er betonte, dass sich trotz der Übernahme nichts ändere:
»Außerdem gab es viele Diskussionen über die jüngsten Äußerungen von Krafton zum Thema AI-first und was dies für EHG bedeuten könnte. Um es klar zu sagen: Unser Entwicklungsansatz ändert sich nicht.
Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, Last Epoch auf die gleiche Weise wie bisher zu entwickeln, mit derselben praxisorientierten Designphilosophie. Um dies zu unterstützen, stellen wir Mitarbeiter aus verschiedenen Fachbereichen ein.«
Bis die Erweiterung Orobyss und die umstrittenen Bezahl-Klassen erscheinen, wird noch einige Zeit vergehen. Der Release ist erst für 2026 angesetzt, nach den Seasons 4 und 5. Season 4 soll Anfang 2026 starten.
Jetzt heißt es erst mal abwarten, ob Eleventh Hour Games das Balancing zwischen kostenlosen und bezahlten Klassen fair gestalten kann oder ob sich die Befürchtungen der Community bewahrheiten. Bis dahin muss das Studio versuchen, das verspielte Vertrauen zurückzugewinnen – und das dürfte angesichts der aktuellen Stimmung schwer werden.
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