Über Blizzard und icefrog: die Vorgänger
Der Ursprung des MOBA-Genres wird generell der Modding-Community rund um Blizzards preisgekrönten Echtzeitstrategietitel Warcraft 3 zugeschrieben. Tatsächlich kann man bereits Aeon of Strife, einem auf der Engine von ebenfalls von Blizzard entwickelten und 1998 alle Verkaufsrekorde brechenden Starcraft basierendem Mod als MOBA bezeichnen. Allerdings bot erst der im Lieferumfang von Warcraft 3 enthaltene World Editor die nötigen Kapazitäten und Stabilität für die Schaffung eines Mods, der als Grundstock, Wegbereiter und Vorbild aller darauffolgender MOBAs gelten sollte: Defense of the Ancients, kurz DotA.
Hauptverantwortlicher war der Modder IceFrog, der nach Vorarbeit von Pionieren und Kollegen Eul, Meian und Guinsoo DotA mit den charakteristischen Spielmechaniken und Tiefe ausstattete. Innerhalb kürzester Zeit gewann der Warcraft-3-Mod an Popularität, welche in einer geschätzten Useranzahl von einer Million gipfelte. Das innovative und actiongeladene Gameplay unterhielt gleichermaßen ausübende und zuschauende Fans, sodass eine spätere Version des DotA-Mods 2005 zu den World Cyber Games nach Singapur eingeladen wurde: Der Beginn der E-Sports Karriere des MOBA-Genres. Zahlreiche Entwicklerstudios versuchten auf diesem bereits sehr durch Popularität und nerdige Fürsorge kultivierten Nährboden zarte Standalone-Pflänzchen hochzuzüchten, die dem DotA-Keim das geben sollten, was es verdient: Eine neue, eigene Engine. Vorne mit dabei unter anderem Valve, die mittlerweile IceFrog eine Festanstellung verpasst hatten.
2009 erntete Riot Games dann die Frucht, dessen Saat durch die Modding-Community gesät wurde und die heute über siebzig Millionen Spieler füttert: League of Legends. Das von der DOTA-Mod im Kern übernommene Gameplay wurde durch das Sammel- und Kennenlernbedürfnis der mittlerweile 117 spielbaren Charaktere ergänzt. Auch dass LoL bald nach der CD-Version im Laden auch als kostenloser Download erschienen ist, hat weitere neugierige Spieler angelockt. Echtes Geld kann man im Spiel für Charaktere und deren Outfits ausgeben. Kein Pay to win, sondern nur Free to Play. Schließlich hatte Riot Games eine letzte Qualität des DotA-Mods nicht vergessen: Mit Spannung nicht nur gespielt, sondern auch betrachtet zu werden. E-Sports war und ist ein großer Punkt auf Riots Checkliste.
Faszination E-Sports
Mit der Verfügbarkeit des Internets wurde es auch für die Nische E-Sports interessant: Während bereits ab 1990 kleinere Turniere in privaten Wohnzimmern, Messehallen und Jugendherbergen stattfanden, wurde mit der globalen Vernetzung 2000 ein Grundstein gelegt, der das Phänomen der digitalen Wettkämpfe entschieden vorantrieb.
Alle heute großen Turnier-Reihen wie die MLG, Intel Extreme Masters und die WCG gründeten sich um die Jahrtausendwende und traten mit der durch das Internet bedingte Ausstrahlbarkeit der Turniere gerade in Südkorea einen Hype los, der bis heute anhält. Egal ob Shooter-, RPG- oder Echtzeitstrategie: Mittlerweile sind so gut wie alle Genres auf den großen Messen mit einer E-Sports-Sektion ausgestattet. Der Vorreiter und Paradetitel, das 2008 erschienenen Starcraft II hat E-Sport in Südkorea salonfähig gemacht. Wo anfangs nur ein paar mehr oder minder interessierte Fans auf Klappstühlen in einem Tagungsraum saßen, wo auf kleiner Leinwand ein paar Amateur-Starcraft-Duelle übertragen wurden, sieht die Sache heute anders aus: Profiverträge, Freiluftstadion, TV-Übertragung, Staples Center.
2013 erhält der koreanische Starcraft II-Profi Kim 'viOlet' Dong Hwan eine Athleten-Einreisegenehmigung in die USA, E-Sports wird seitdem von den USA als "tatsächlicher" Sport anerkannt: Ein Meilenstein nicht nur in der Geschichte des Sports. Neben Starcraft bestimmt neben kleineren Marktanteilen bei dem von Valve entwickelte DotA-Nachfolger 'Dota 2', der WoW-Arena, allen Titeln der Counter-Strike-Reihe und einigen Beat 'Em Up- und Sporttiteln vor allem Riots League of Legends den E-Sports-Sektor, dominiert ihn geradezu.
Nur für LoL-Profis: Die LCS
Jeder Sport braucht seinen Weltmeister, so auch League of Legends. Seit 2010 veranstaltet Riot Games jedes Jahr eine Vielzahl an Turnieren und Ligen, in denen LoL-Profi- und Amateurmannschaften gegeneinander antreten und um fünf- bis sechsstellige Preisgelder kämpfen. Um auch dem Begriff des WELTmeisters gerecht zu werden, expandiert Riot seinen Einzugskreis jährlich weiter, um auch Teams und Clans aus den bisher eher nicht für E-Sports bekannten Regionen wie Südamerika, Osteuropa und Südafrika einzubeziehen.
Am 07. Februar 2013 ging in der dritten Saison der kompetitiven League of Legends-Szene erstmals Riots "LCS", die "Leauge Championship Series" live: Eine kompetitive Liga für League-of-Legend-Experten in europäischer und nordamerikanischer Ausgabe. Jeweils acht professionelle Teams treten im sogenannten "Spring Split", dem ersten Turnierteil zu Beginn des Jahres über einen Zeitraum von drei Monaten an zehn wöchentlich von Donnerstag bis Sonntag stattfindenden Spieltagen insgesamt viermal gegeneinander an.
Die besten fünf Mannschaften qualifizieren sich für ein Playoff-Turnier mit K.O.-Modus, in welchem entschieden wird, welche Teams im "Summer Split", dem zweiten Turnierteil Mitte des Jahres, antreten dürfen. Diese zweite Runde der Saison entscheidet, welche Teams bei den World Championships, der E-Sports-Großveranstaltung des Jahres, vertreten sein darf und somit die Chance auf eine Million Dollar Preisgeld hat. Die drei schlechtplatziertesten Mannschaften jedes Splits treten in einer Relegation gegen drei Herausforderer-Teams, welche in diversen Turnierserien bereits ihr Anrecht auf ein solches Qualifikationsspiel gefordert haben, gegeneinander an. Ein Amateurteam kann aufgrund des mangelnden Interesses der Masse und somit Sponsoren nicht vom Spielen leben, die Teams spielen also immer auch um ihre Zukunft.
LCS Europe
Fnatic (FNC) Die LoL-Ausgabe der sicherlich vielen aus der Counter-Strike-Szene bekannten Organisation Fnatic stellt die alte Garde der europäischen League of Legends-Szene dar. Die Mannschaft um Enrique ‚xPeke‘ Cedeño gewann bereits in Season 1 die World Championships und versucht seitdem, zum erneuten Mal ihren Namen auf den Sockel des Summoner’s Cup einzugravieren. Letzte Saison schafften es Fnatic bis ins Halbfinale der World Championship, in welchem sie unglücklich aber dennoch eindeutig gegen das chinesische Team von Royal Club ausschieden. Nachdem der Schwede Martin ‚Rekkles‘ Larsson das Mindestalter von 17 Jahren erlangt hat, dürfen Fnatic nun eines der größten europäischen Talente in ihre Startfünf mitaufnehmen.
Einmal im Jahr treffen dann bei den World Championships die Ligen der unterschiedlichen Regionen gegeneinander an: Die von Riot veranstalteten LCS EU (Europa) und LCS NA (Nordamerika), die Südostasiatische GPL, die chinesische LPL und die koreanische OGN, sowie einige durch unabhängige Turniere ermittelten Mannschaften aus Südamerika, Osteuropa und Ozeanien. Auch 2014 gehen die beiden sicherlich mit dem höchsten Interesse der Community ausgestatteten Ligen, die LCS EU und LCS NA wieder an den Start.
Ab diesem Moment wird wieder wöchentlich duelliert, kommentiert, analysiert, in Foren über einzelne Champions und deren Konter diskutiert, Transfergerüchte spekuliert. Hunderttausende Menschen sitzen vor ihren Rechnern und verfolgen die Matches ihrer Lieblingsteams in Trikots aus den Merchandise-Sektionen der Clan-Homepages, schreien bei Double-Kills laut auf, schreiben sich mit Notizzetteln von ihren Vorbildern bevorzugt gespielte Item-Builds auf, nur um sie das nächste Mal selbst im Spiel zu testen. Die vierte Saison der Leauge of Legends Championship Series hat begonnen.
LCS North America
Wie aus dem Nichts eroberte das Team um Daerek ‚Lemonnation‘ Hart und Hai ‚Hai‘ Lam die LCS NA in der Season 3, fegte die Konkurrenz mit fünfundzwanzig Siegen aus achtundzwanzig Spielen aus der Arena. In einer spannenden Serie im Viertelfinale der Season 3 World Championships verloren Cloud 9 knapp gegen ihre europäischen Konkurrenten Fnatic und schieden somit unerwartungsgemäß früh aus dem Turnier. Neue Season, neues Glück und gerade mit Fnatic hat das derzeit wohl beste amerikanische Team noch eine Rechnung offen..

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