Im Test am feuchten Waldrand zeigt sich, warum ein Raupenfahrwerk manchmal besser ist als Allrad-Räder und ob der Nachfolger eine extrem nervige Schwachstelle wirklich behebt.
Die Mähroboter von Lymow sind ganz besonders. Wo andere Hersteller auf grazile Räder und feine Rasierklingen zum Mähen setzen, schickt Lymow Kettenfahrzeuge mit massiven Stahlmessern ins Rennen. Neben der Technik sind sie auch optisch mit ihrer Größe auffallend.
Letztes Jahr testete ich den Lymow One, der bei mir im Garten sogar Fallobst schredderte. Nun steht der Nachfolger vor mir: Der Lymow One Plus mit einem stolzen Preis von 3.000 Euro in der kleineren Variante für knapp 4.500 Quadratmeter.
Mir stellte sich die Frage: Müssen Besitzer des Vorgängers jetzt upgraden? Und zu welchem Modell sollten Neukunden greifen, wenn sie zwischen One und One Plus schwanken? Ich habe den Kettenmäher auf mein herausforderndes Grundstück geschickt.
Die 5 wichtigsten Verbesserungen des One Plus im Detail
Lymow hat beim Plus-Modell an vielen Stellschrauben gedreht. In meinen ersten Testwochen sind mir vor allem fünf Änderungen aufgefallen, die im Vergleich zum Vorgänger einen echten Unterschied machen:
- Die Ladekontakte auf der Oberseite: Die für mich wichtigste Änderung im Alltag. Die Kontakte sitzen nicht mehr unten, wo sie im Dreck verkrusten, sondern oben auf dem Gehäuse.
- Die beheizte Kamera: Wenn ich den Vorgänger im feuchten Morgengrauen losgeschickt habe, hatte ich wegen beschlagener Linsen hin und wieder Navigationsfehler. Der Plus hat nun eine integrierte Heizung an den Linsen, mit der ich bisher keinen Morgentau im Kamerabild oder Navigationsfehler feststellen konnte.
- 40 % mehr Bodenfreiheit: Klingt auf dem Papier nach wenig, sorgt bei mir im Garten aber dafür, dass sich der Panzer deutlich seltener an dicken Baumwurzeln oder herabgefallenen Ästen festfährt.
- Symmetrischer Messer-Wechsel: Beim alten Modell musste ich beim Klingenwechsel noch höllisch aufpassen, ob ich ein linkes oder rechtes Messer in der Hand halte. Die neuen Stahlmesser sind komplett symmetrisch und lassen sich einfach draufschrauben.
- Spürbar mehr Motor-Power: Der Schneidmotor hat deutlich mehr Bumms als im letzten Jahr. Zusammen mit den massiven Klingen häckselt er dichtes Gestrüpp noch feiner zu Mulch, zieht aber eben auch ordentlich Saft aus dem Akku.
Kontaktprobleme gelöst – Das Plus-Modell bleibt sauber
Das wichtigste Upgrade des Plus-Modells fällt nicht sofort auf, war aber nach meinen Erfahrungen mit dem Vorgänger absolut notwendig. Lymow hat die Ladekontakte von der Unterseite auf die Oberseite des Robotergehäuses verlegt. Beim alten Modell war es nach einigen Monaten im Einsatz mein größter Kritikpunkt:
Weil die Kontakte unten lagen, sammelte sich dort Erde und auch nasser Grasschnitt. Dadurch verlor der Roboter den Kontakt zur Ladestation und konnte bei mir hin und wieder nicht richtig laden. Ich musste das Gerät regelmäßig putzen.
Wie sieht es beim Plus in der Praxis aus? Ich kann Entwarnung geben. In meiner bisherigen Testphase ist das Problem tatsächlich Geschichte. Der Roboter dockt sauber an und lädt ohne Zicken, weil die Kontakte schlicht im Trockenen liegen. Bisher habe ich sie nur einmal von Staub befreit, indem ich mit einem trockenen Tuch einmal drübergewischt habe.
Beim Thema Feuchtigkeit hat der Plus allerdings eine Schwäche übernommen, die ihr unbedingt auf dem Schirm haben solltet. Bei meinem Testgerät fiel mir schnell auf: Das Mähen bei nassem oder restfeuchtem Rasen solltet ihr vermeiden. Feuchtes Gras klebte bei meinem Testgerät schnell im Mähdeck fest. Ich musste das Gehäuse danach zeitnah reinigen, weil die Verschmutzung die Lautstärke stark in die Höhe trieb.
Mein Lymow klang nach einem Kantenschneider mit Verbrennungsmotor. Ich kenne das Problem von anderen Mährobotern. Bei meinem Lymow One Plus zeigt es sich, vermutlich wegen der Bauweise, lauter.
Das Raupenfahrwerk bleibt der Trumpf für meinen Rasen
Mein Grundstück liegt direkt am Waldrand. Das bedeutet für mich: Ich habe komplexe Zonen in meinem Garten, die kaum Sonne abbekommen. Der Boden ist dort dauerhaft recht feucht und der Rasen dünn.
Hier fühlt sich der Lymow One Plus richtig wohl und hängt meinen eigentlichen Favoriten, den Mammotion Luba 3 AWD, überraschend deutlich ab. Der Luba ist mit seinem Allradantrieb zwar ein Biest am Hang, aber durch seine Reifen wühlte er bei mir im Test bei engen Wendemanövern auf der feuchten Erde schnell mal den empfindlichen Boden auf.
Das Raupenfahrwerk des Lymow verteilt das wuchtige Gewicht von knapp 35 Kilogramm sehr gut. Selbst in feuchten Bereichen dreht sich das Gerät bodenschonend.
Ich habe allerdings auch gelernt: Ist die Erde zu nass, rupft auch er mal Erde und Gras aus dem Boden, das schließlich an den Ketten kleben bleibt. Darum lasse ich ihn nach starkem Regen meistens ein paar Tage pausieren.
Wo der Luba mir den Boden jedoch regelmäßig umwühlt, hinterlässt der Lymow deutlich weniger Spuren. Für Grundstücke wie meines ist das ein riesiger Vorteil.
Ein netter Nebeneffekt der breiten Ketten zeigt sich bei mir übrigens beim Kantenschnitt. Da der One Plus dank der GPS- und Kameranavigaton ziemlich gut die Spur hält, kann ich ihn in der App sehr mutig bis an die äußerste Kante meiner Beete und Rasenkanten steuern.
Wo mein Rad-Mäher beim Wenden gerne mal mit einem Reifen ins weiche Blumenbeet abgerutscht ist und sich festgewühlt hat, zieht der Lymow auf seinen Panzerketten unbeirrt seine Bahn.
Bauartbedingt bleibt an massiven Mauern zwar immer noch ein kleiner Streifen stehen, um den ich mich manuell kümmern muss, aber an flachen Übergängen und Rasenkantensteinen lässt er bei mir im Garten so gut wie nichts stehen. Das Nachbearbeiten mit dem Trimmer hat sich bei mir nun deutlich verkürzt.
Viel Power mit Begleiterscheinungen
Unter der Haube hat Lymow nochmal an der Performance geschraubt. Die massiven Messer drehen sich mit 6.000 U/min. Damit sollte das Schreddern von Fallobst noch leichter fallen – der Vorgänger hat das im letzten Jahr bei mir schon sehr ordentlich gemacht.
Im aktuellen Frühjahr konnte ich das mangels reifer Äpfel bei mir im Garten zwar noch nicht testen, aber die Eigenschaften des Vorgängers sind spürbar: Kleine Zweige oder dicke Unkrautbüschel werden gnadenlos zerhackt.
Und was ist mit Igeln? Bei dieser Power müssen wir zwingend über ein extrem wichtiges Thema sprechen: den Igelschutz. Für mich ist die Sicherheit von Wildtieren ein kritischer Punkt. Ich liebe Tiere! Und so ein 35-Kilo-Monster wirkt da erst mal extrem bedrohlich.
Lymow schickt den Plus hier allerdings nicht völlig blind auf die Wiese, sondern verbaut eine Kombination aus KI-Kamera und zusätzlichen Hindernissensoren, die Objekte auf dem Boden frühzeitig erkennen sollen. Im Test tagsüber klappt das mit herumliegenden Hundebällen oder meinen Schuhen auch absolut fehlerfrei: Der Roboter erkennt das Hindernis, stoppt die Messer und umkurvt das Objekt großzügig.
Das Problem ist nur: Ein kleiner, stachliger Igel, der sich bei Gefahr im hohen Gras einrollt, statt zu flüchten, ist für jede optische Erkennung eine Herausforderung – besonders wenn es dunkel wird.
Für mich gilt deshalb auf meinem waldnahen Grundstück trotz aller Sensoren die Regel: Der Lymow fährt bei mir ausschließlich tagsüber bei Sonnenschein. Nachtfahrten oder Einsätze in der Dämmerung sind für mich tabu, um nachtaktive Tiere im Garten zu schützen. In der App kann ich die Uhrzeiten, wann der Mähroboter fahren soll, zum Glück einfach festlegen und dynamisch anpassen.
Natürlich bringt so viel Power auch ihren Kompromiss mit: Die Lautstärke. Der Lymow war noch nie leise und das Plus-Modell ist es auch nicht. Während der Mammotion Luba 3 AWD nahezu flüsterleise über den Rasen summt, macht der Lymow ziemlich deutlich klar, dass er gerade arbeitet.
Das hört man auch im Garten meiner Nachbarn. Kein Witz: Erreicht der One Plus die Stelle, die am nächsten an meiner Terrasse ist, muss ich schon deutlich lauter mit meinem Gegenüber reden, wenn er mich verstehen möchte.
Fazit: Wer braucht den Lymow One Plus?
Der Lymow One Plus ist ein faszinierendes Spezialwerkzeug, das mir im Test unheimlich Freude bereitet hat, wenn ich ihm bei der Arbeit zugesehen habe.
Klar ist aber auch: Bei einem stolzen Anschaffungspreis von 3.000 Euro bei Amazon ist er für kleine, ebene Reihenhausgärten ein absoluter Overkill. Er fühlt sich vor allem dann wohl, wenn er extreme Steigungen erklimmen und komplizierte Flächen bezwingen darf.
Besitzer des Lymow One (Vorgänger): Ihr müsst nicht zwingend upgraden. Die Mähleistung ist zwar etwas stärker, aber die war beim Vorgänger auch schon sehr gut. Ein Wechsel würde sich lohnen, wenn euch das Reinigen der Ladekontakte auf der Unterseite zu sehr auf die Nerven geht.
Für Neukunden: Wer ein schwieriges, feuchtes oder waldnahes Gartengelände mit Schattenzonen hat, könnte direkt zum Plus-Modell greifen. Das Raupenfahrwerk macht bei mir im Garten jedem Mähroboter mit Rädern vor, wie es richtig geht. Wer dagegen viel Wert auf leises Arbeiten und perfekten englischen Rasen legt, der ist bei einem Mähroboter wie dem Mammotion Luba gut aufgehoben.
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