Ich habe mir Medions Gaming-Peripherie-Line-Up angesehen und getestet, denn ich wollte wissen, ob Medion im Jahr 2024 mehr kann als bloß nostalgische Erinnerungen zu wecken.
Bevor ich euch über diese drei Produkte aufkläre, muss ich euch zuerst die Marke Medion und Aldi näher bringen. Ungeduldige können gerne weiter nach unten scrollen
In meiner Jugend waren Aldi-PCs
(früher hat man dazu noch Computer
gesagt) der Inbegriff von einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie waren ideal für Familien, wie meine, wo ein einzelner Tower-PC für alle Familienmitglieder zur Verfügung stand. Selbstverständlich, nur für die Schule!
Selbst meine Nerd-Clique von damals attestierte meiner Mutter, die den Medion-PC gekauft hatte, eine richtig gute Wahl.
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Medion zeigt die neue ERAZER Supporter X20 Gaming-Tastatur im Trailer
Ich erinnere mich noch heute mit einem wohligen Gefühl an diese Zeit. Wann immer meine Mutter nicht zu Hause war, zweckentfremdete ich den Familiencomputer um darauf Age of Empires, Die Sims und Tomb Raider zu spielen.
Nebenbei telefonierend, ging ich mit Anna, in die ich heimlich verliebt war, unseren jeweiligen Fortschritt mit der weiblichen Indiana Jones
durch. Es war eine magische Zeit, die ich vor dem Aldi-PC verbrachte.
Von der Aldi-Marke zum Marktführer
Als der Konkurrent Fujitsu Siemens Computers im Jahr 2008 die Auflösung des Konzerns bekanntgab, konnte sich Medion weiter auf dem Markt etablieren und mauserte sich zwischenzeitlich zum größten eigenständigen deutschen sowie europäischen Hersteller von Einzelplatzrechnern
(PCs).
Die Medion AG war sogar so erfolgreich, dass sie im Juni 2011 das Interesse der Aktionäre gewinnen konnte. Bereits einen Monat später wurde kein Geringerer als der chinesische Konzern Lenovo zum Mehrheitseigentümer, indem er über 75 Prozent der Medion-Aktien erwarb.
Seitdem hat sich einiges getan. Die damalige Aldi-Marke Medion hat ihr Sortiment in den Jahren stetig erweitert. Zu den Desktop-PCs kamen schnell auch Monitore und klassische Gaming-Peripherie wie Mäuse, Tastaturen und Headsets.
Schon lange werden die Produkte nicht mehr nur über den Discounter der Albrecht-Brüder verkauft. Medion ist seit den frühen 2000ern eine eigenständige, erfolgreiche Elektronik-Marke, obwohl es zwischendurch auch mal ein finanzielles Tief gab.
Wie sieht es 2024 rund um Medions Gaming-Marke Erazer aus? Ich habe mir drei aktuelle Produkte aus der Persipherie-Reihe angesehen.
Was habe ich getestet?
- Gaming-Maus: Erazer Wizard P20
- Gaming-Tastatur: Erazer Supporter X20
- Gaming-Headset: Erazer Mage P20
Laut eigener Aussage richtet sich das Angebot von Medion an Spieler. Dabei liegt der Fokus auf einer eher jungen Altersgruppe, typischerweise zwischen 16 und 35 Jahren, die sowohl Gelegenheitsspieler als auch passionierte Gamer umfasst. Auch technikaffine Nutzer, die Wert auf eine hochwertige Gaming-Ausrüstung legen, gehören zur Zielgruppe.
Gaming-Maus: Erazer Wizard P20
Spezifikationen der Erazer Wizard P20
- Schalter: Omron
- Sensor: Pixart PAW 3389
- DPI: 16.000
- Beleuchtung: Ja, RGB
- Tastenanzahl: 9, programmierbar
- Verbindungsart: Stoffummanteltes USB-Kabel, 1,80 m lang, nicht abnehmbar
- Abmessungen: 12,9 x 7,5 x 4,2
- Gewicht: 145 g
Die Erazer Wizard P20 ist rechtsergonomisch geformt und aufgrund des hohen Gewichts von 145 Gramm vor allem für High-Sense-Gamer mit mittelgroßen bis großen Händen, die im Palmgrip spielen, geeignet. Rechts und links auf der Daumenablage finden sich markante Gummierungen für einen festen Grip.
Rücken und Maushaupttasten sind glatter und haben eine Beschichtung, die an die Mäuse von Corsair erinnert. Erfahrungsgemäß sehen diese Flächen schnell unschön glänzend aus und nutzen sich ab. Durch die Beschichtung zieht die Maus viel Staub an.
Auf der Oberseite kann der DPI-Wert angepasst werden. Vier weitere Tasten liegen auf der linken Seite, zwei für den Daumen und zwei für den Zeigefinger. Diese Tasten sind aus unbeschichtetem Kunststoff und bieten entsprechend wenig Halt.
Die vier Gleitflächen auf der Unterseite hätten ruhig größer ausfallen können. Zusammen mit dem vergleichsweise schweren Gewicht und dem etwas steiferen Kabel navigiert es sich schwerfällig mit der Maus.
Die inneren Werte der Wizard P20 liegen 2024 eher im Mittelfeld. Wäre das Design der Maus ein moderneres, könnte das Gerät diese besser demonstrieren. Derzeit kann die Maus in neu nirgends mehr gekauft werden.
Gaming-Tastatur: Erazer Supporter X20
Spezifikationen der Erazer Supporter X20
- Schalter: Cherry MX Red
- Verbindung: Stoffummanteltes USB-Kabel, nicht abnehmbar, 1,8 m
- Beleuchtung: Ja, RGB unter Tasten und an den Seiten
- Handballenablage: Ja, magnetisch, aus Kunststoff
- Abmessungen: 46,5 x 19,4 x 3,7 cm
- Gewicht: 1.066,9 g
- Preis: 90 Euro UVP
Auf den ersten Blick wirkt die Erazer Supporter X20 aus der Zeit gefallen zu sein. Das liegt zum einen am nicht abnehmbaren Kabel, das aber immerhin stoffummantelt und schön lang ist, und zum anderen an der seltsam anmutenden Tastenkappenbeschichtung. Diese erinnert an die Hülle der Erazer Wizard P20. Beide Beschichtungen wirken nicht sehr beständig und sehen schnell schmuddelig aus.
Die mechanische Gaming-Tastatur ist ausladend mit RGB beleuchtet und sieht hübsch aus, wenn man nicht genauer hinsieht. Dies wäre sicherlich ein gutes Geschenk von den Großeltern an ihre Enkel, dürfte die durch Medion benannte Zielgruppen aber weniger ansprechen.
Auch hier ist der Preis mit rund 90 Euro für das Gebotene viel zu hoch gegriffen. Gut, sie hat Cherry MX Red Schalter, aber die sind bei weitem nichts Besonderes mehr und gehören zum Standard. Eine Handballenablage ist zwar dabei, diese ist aber aus dünnem Kunststoffblech und bringt keine wirkliche Entlastung.
Gaming-Headset: Erazer Mage P20
Spezifikationen des Erazer Mage P20
- Bauweise: Geschlossen
- Verbindung: Stoffummanteltes USB-Kabel, nicht abnehmbar, 2,40 m lang
- Frequenzgang: 20 - 20.000 Hertz
- Impedanz: 32 Ohm
- Mikrofon: Zum Anstecken, abnehmbar
- Beleuchtung: Ja, RGB
- Gewicht: 402 g
- Preis: 70 Euro UVP
Ein klassisches Over-Ear-Gaming-Headset mit abnehmbaren Ansteckmikrofon und RGB-Beleuchtung finden wir mit dem Erazer Mage P20.
Die Bauweise ist geschlossen, allerdings ist der Sitz (auf meinem Kopf) so locker, dass das Gerät nicht den typischen treibenden, druckvollen Klang bietet, wie es für geschlossene Modelle üblich ist, und das, obwohl die Ohrpolster aus Kunstleder sind. Für gewöhnlich sorgt dieses dafür, dass Gaming-Headsets noch dichter abschließen.
Das Headset ist kabelgebunden, bringt dafür aber eine farbenfrohe Beleuchtung mit sich. Bedient wird das Headset über eine Fernbedienung am Kabel.
Das Mikrofon kommt zwar ohne Popschmutz, lässt sich aber ganz fantastisch in Position bringen – und bleibt dort dann auch. Die Sprachqualität konnte hingegen nicht überzeugen, wenngleich man von anderen verstanden wird. Auch die Klangausgabe des Kopfhörers ist eher mittelprächtig.
Für 70 Euro gibt es deutlich bessere Geräte, wie zum Beispiel das Endorfy Viro Plus USB, das zudem auf passendere Materialien setzt und einiges an Zubehör mitliefert.
Hat Medion an Bedeutung verloren?
In den letzten zehn Jahren begegnete mir Medion immer mal wieder. Mal ging es um Monitore, mal um Eingabegeräte. Einen bleibenden Eindruck konnte jedoch keines der Produkte bei mir hinterlassen.
Dieses Jahr war es dann so weit: Über eine Agentur wurde mir Medions neustes Line-Up zum Testen zur Verfügung gestellt: Die Gaming-Maus, die Gaming-Tastatur und das Gaming-Headset.
Die Erfahrung war ernüchternd. Ich schwelgte zwar in Erinnerungen, diese beruhten aber nicht ausschließlich auf den positiven Verknüpfungen aus der Vergangenheit.
Beim Anfassen, Begutachten und Benutzen der Hardware erinnerte mich diese immer wieder an Geräte, wie ich sie mit 15 Jahren vielleicht toll gefunden hätte, nicht aber im Jahr 2024.
Nach heutigem Stand wirken die Geräte irgendwie altbacken. Die technischen Daten können sich zwar überwiegend sehen lassen, entsprechen aber auch nur dem Mindeststandard.
Wären die Modelle allesamt wesentlich günstiger, könnte ich unter Umständen eine Budget-Empfehlung aussprechen. Aber mit 90 Euro für die Tastatur und 70 für das Headset können Spieler Besseres bekommen.


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