Erinnert ihr euch noch an die 2000er-Jahre? Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber mir wird die erste Dekade des neuen Jahrtausends wohl als das Jahrzehnt der illegalen Downloads in Erinnerung bleiben. Und natürlich als die erste Hälfte der Ära Roger Federer – an dieser Stelle ein Gruß an alle Tennis-Fans.
Emule, Torrent, Usenet, und wie sie sonst noch allen heißen, feierten anno dazumal Hochkonjunktur. Sehr zum Leidwesen der Film- und Serien-schaffenden Industrie. Wo ich es gerade so schreibe, werden tatsächlich ein paar wehmütige Erinnerungen an die gute alte Videothek in meiner kleinen Heimatstadt wach:
Ach, brummeliger Videothekar mit der walnussbraunen Pfeife und dem graumelierten Vollbart, wie vermisse ich es doch, von dir dabei ertappt zu werden, wie ich mich durch die rechte Eingangstür schnurstracks in den Erwachsenenbereich mogeln will. Ok, das liegt jetzt doch noch einmal gut zehn Jahre weiter zurück, in den 1990er-Jahren, aber Videotheken zählten dennoch zu den unmittelbaren Opfern der Filmpiraterie.
Jungen Erwachsenen und Kids von heute muss ich sowieso erst einmal erklären, warum wir seinerzeit überhaupt in einen Laden voller Videokassetten und später DVDs laufen mussten, um Filme in vergleichsweise hundsmiserabler Qualität zu schauen. Und ja, was VHS und DVD bedeutet, gehört ebenfalls zur kurzen Geschichtsstunde. Heute gibt es stattdessen das:
Netflix hat die Welt verändert
Na ja, jedenfalls kann ich mich noch sehr genau an die Zeit der illegalen Downloads erinnern. Natürlich, ohne selbst je Teil derartiger Machenschaften gewesen zu sein. Versprochen! Hoch und heilig! Hätte ich mich nie im Leben getraut!
Seinerzeit war auch immer wieder von bankrotter Filmindustrie zu lesen, wie arm MGM und Co. doch gewesen seien, dass ihnen das Geld für ordentliche Filme ausgegangen sei, weil niemand mehr ordentlich bezahlt habe und stattdessen einfach den Download-Button betätigt worden sei. Ich hätte mit meinem Gewissen doch gar nicht ausmachen können, dass Weinstein und Konsorten am Hungertuch nagen.
Im Jahr 2014 änderte sich dann jedoch ohnehin alles schlagartig: Am 16. September betrat Netflix die Bühne. Zumindest in Deutschland und Österreich, sowie im Laufe desselben Monats in der Schweiz, Frankreich, Belgien und Luxemburg. Davor war der Streamingdienst schon in den Vereinigten Staaten zur ganz großen Nummer avanciert, zum Heilsbringer einer ganzen Branche. Und nicht nur das: Auch zum Segen für Konsumenten. Gegründet wurde Netflix nämlich schon 1997, am 29. August, um genau zu sein. GameStar erblickte übrigens im gleichen Jahr das Licht der Welt.
Netflix veränderte die Welt wie ein Tsunami: Erst ganz langsam anschwellend und dann, wie aus heiterem Himmel, war der Newcomer durch nichts mehr aufzuhalten. Urplötzlich waren illegale Downloads praktisch überflüssig. Für wenige Euros konnte sich ohnehin fast jeder einen Zugang leisten. Die Tür zu schieren Unmengen an Filmen und Serien, die jederzeit nach Belieben abgerufen werden konnten, war aufgestoßen. Es war ein Fest und alle feierten mit. Die Filmindustrie war glücklich, floß doch ein steter Strom an Einnahmen in die Kassen. Und viele Nutzer glaubten, für alle Zeiten zu allem Zugang zu haben, was das cineastische Herz nur so begehrt.
Es war doch klar, dass das nicht lange gutgehen konnte
Ich will jetzt gar nicht so klingen, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen, aber mir war damals schon eines glasklar: Das geht nicht lange gut!
Wo Netflix ist, dachte ich so zu mir, sind andere Anbieter nicht weit. Dann immer mehr und immer noch mehr. Und wo sind wir im Jahr 2022 angekommen?
Ok, in Deutschland sind wir vielleicht nicht so weit wie in den USA, hier ist das Portfolio an relevanten Streamingdiensten noch überschaubar. Aber selbst bei uns 82 Millionen Seelen wird es langsam unübersichtlich:
Wo läuft was? Wer hat das? Läuft das überhaupt noch dort? Muss ich mir neben Netflix, Amazon Prime und Sky jetzt auch noch Disney+ holen? Und was brauche ich noch? DAZN und Apple TV+ vielleicht? Das Ende der Fahnenstange ist damit aber längst nicht erreicht: Hulu, CBS, HBO und Co. sind hierzulande zwar noch nicht angekommen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie und andere Anbieter sich ein Stück vom deutschen Kuchen abschneiden wollen.
Das regt mich richtig auf! Und dabei rede ich noch nicht einmal von Preiserhöhungen, wie es zuletzt für Netflix-Kunden der Fall war. Oder davon, dass alles unternommen wird, um Account-Sharing den Garaus zu machen. Ich habe einfach keine Lust mehr darauf, wie eine frischgebackene Torte mit Dollarzeichen statt Kerzen darauf filetiert zu werden. Da ist es doch kein Wunder, wenn Video-on-Demand-Anbietern wie Netflix auf einmal die Abonnenten davonlaufen.
Ich will einen Meta-Streamingdienst
Im Ernst. Ich wäre absolut bereit, jeden Monat 50 oder 60 Euro auszugeben, vielleicht sogar noch ein paar Taler mehr, damit ich wirklich alles schauen kann, was ich will, ohne Einschränkungen. Nur so, wie es jetzt ist und noch droht zu werden, will ich es nicht haben! Und ich möchte mich auch nicht in die Arme von Rapidgator und Co. treiben lassen. Das braucht es nicht!
Wie wäre es zum Beispiel mit einer Art Meta-Anbieter? Ein Netflix quasi, bei dem ich mir von allen anderen Anbietern aussuchen kann, was ich will. Das dann auch auf einer einheitlichen Plattform läuft, damit ich mir nicht auch noch zehn Media-Adapter für den Fernseher kaufen muss. Das wäre doch mal was!
Wie seht ihr das? Regt euch die zunehmende Flut an Streaming-Angeboten ebenso auf wie mich? Oder seht ihr das gelassen und seid zufrieden, so wie es ist? Lasst gerne eure Meinung in den Kommentaren!
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