Monster Hunter Wilds ist ein interessanter Fall. Denn die Open World ist anders, unkonventionell und kaum vergleichbar mit dem, was Assassin's Creed oder Red Dead Redemption auszeichnet.
Am ehesten bietet sich vielleicht der Vergleich mit Zelda: Breath of the Wild an, doch statt zum Erkunden lädt die Spielwelt viel mehr zum Benutzen
ein.
Da Monster Hunter Wilds im Kern ein Jagdspiel ist, seht ihr die Welt auch durch die Linse eines Jägers. Nur wenn ihr lernt, sie zu lesen, euch anzupassen und clever zu sein, wird sie zu einem mächtigen Werkzeug voller Überraschungen.
Genau das erlebe ich während der Open Beta, als ich mich zum ersten Mal in den Nachfolger zu Monster Hunter World stürze und das erste Gebiet frei erkunde.
Diese Welt ist gemacht für Monster-Hunter-Fans und versucht mit viel Komfort auch Neulinge abzuholen - ob das wirklich gelingt, hängt aber ganz von eurer Neugierde ab.
Was haben wir gespielt?
Vom 29. bis 30. Oktober war die Open Beta auf der PS5 für PlayStation-Plus-Kunden bereits spielbar. Dieselbe Beta startet am 1. November für alle auf PC, PS5 und Xbox Series. Wie ihr reinkommt, was drinsteckt und was es sonst noch zu beachten gibt, lest ihr in unserer Übersicht.
Auf zu neuen Jagdgründen
Zu Spielbeginn erstelle ich zunächst meinen Charakter und erlebe den Auftakt von Monster Hunter Wilds, der mithilfe stylisher Zwischensequenzen erklärt, wie ich überhaupt in meinem Jagdgebiet lande. Diese Szenen konnte Kollege Fabiano schon während der gamescom erleben.
Obwohl die epische Jagdsequenz ordentlich Stimmung aufbaut, bleibt abzuwarten, wie sehr die Story von Wilds begeistern kann - zumindest in Worlds war sie oft eher ein Vehikel, das euch von einem Monster zum nächsten kutschieren sollte. Vorwissen aus dem Vorgänger ist dementsprechend unnötig.
Während ihr in der ersten Mission einen Chatacabra (ein riesiges Krötenungetüm) besiegt, lernt die Grundlagen der Jagd und erhaltet eure erste Waffe. Monster Hunter Wilds ist im Prinzip eine Ansammlung an Bosskämpfen, bei denen ihr mit einer von 14 Waffen auf Bestien einkloppt oder schießt und Kombos abspult, bis die Viecher in die Knie gehen.
Nutzt ihr die richtigen Angriffe, Buffs, Fallen, Bomben und eure Umgebung, bringt ihr die Kreaturen deutlich einfacher zu Fall. Eure Beute nutzt ihr dann, um euch immer bessere Waffen und Rüstungen herzustellen.
Nach der ersten erfolgreichen Jagd entlässt euch das Spiel in das weitläufige Wüstenareal, wo ihr euch frei bewegen und weitere Monster selbstständig erjagen dürft. Damit euch das nicht völlig erschlägt, habe ich hier bereits einige Experten-Tipps gesammelt:
Diese decken ab, wie ihr die Beta spielerisch voll auskosten könnt. In dieser Preview will ich mich aber primär darauf konzentrieren, was die Spielwelt von Monster Hunter Wilds kann und ob sie sich auch für Open-World-Fans lohnt.
Was bietet die Open World von Monster Hunter Wilds?
Monster Hunter Wilds wird nicht eine große offene Welt bieten, sondern mehrere (aber sehr weitläufige) Areale mit unterschiedlichen Monstern und Biomen. Die Windebene zeichnet sich durch Steppengras, Sanddünen und gefährliche Donnerstürme aus, die in regelmäßigen Abständen über das raue Land peitschen und ordentlich Staub aufwirbeln.
Im Vergleich zu anderen Open Worlds findet ihr keine Schatztruhen oder Questgeber zwischen den zerklüfteten Steinen. Stattdessen ist das Erlebnis ganz auf die Jagd ausgelegt: Ihr nehmt wahlweise eine Quest in eurem Hauptlager an und lasst euch von eurem Saikrii-Reittier direkt dorthin führen oder ihr erkundet auf eigene Faust.
Unterwegs schlagt ihr an vorgegebenen Orten Feldlager auf. In den Zelten ändert ihr eure Ausrüstung, holt euch Nachschub aus eurer Vorratstruhe oder kocht eine Mahlzeit für Boni und Buffs. Die Welt ist zudem gespickt mit Ressourcen zum Sammeln und Craften - Erze, Käfer, Kräuter und mehr, aus denen ihr Tränke, Fallen, Bomben oder Wurfgeschosse basteln könnt.
Im Vergleich zu anderen Open Worlds klingt das womöglich wenig attraktiv, als wäre die Welt lediglich ein Mittel zum Zweck. Doch die Spielwelt von Monster Hunter Wilds überrascht mich beim Anspielen mehr als nur einmal:
18:05
Eine Open World, die uns umhauen will und eine Story zum mitfiebern
Wenn Spielwelt und Gameplay eins sind
Durch die Adern dieser Open World pulsiert Leben, das sich oft nur offenbart, wenn man genau hinsieht. Zieht ein Sturm auf und zucken Blitze vom Himmel herab, verstecken sich die weiblichen Ceratonoth zum Beispiel rings um die Männchen, die mit ihren gewaltigen Zacken am Rücken wie lebendige Blitzableiter funktionieren. Sie schützen so ihre Herde.
Begegnen sich große Monster, brechen plötzlich Revierkämpfe aus, wie man es schon aus dem Vorgänger kennt. Neuerdings kommen aber auch kleinere Rudel an Monstern hinzu und beißen sich am unterlegenen Kontrahenten fest. Fressen oder gefressen werden.
Achtung: Flugwyvern werden manchmal vom Blitz getroffen, wenn sie zu hoch fliegen, und ich muss aufpassen, wenn ich über eine offene Fläche reite. Kämpfe ich mit einer Waffe, die Feuer erzeugt (etwa die Funken sprühende Gewehrlanze), kann das einen Steppenbrand auslösen.
Die Welt von Monster Hunter Wilds ist eine Gameplay-Sandbox, die ich für meine Zwecke nutzen kann. Warum nicht eine Herde mit Feuer in eine bestimmte Richtung treiben, dann den Alpha mithilfe einer Dungkapsel isolieren und anschließend einen Felsbrocken von der Decke herabstürzen lassen?
Überall gibt es natürliche Fallen oder Terrain, das mir die Jagd erleichtert, in dem es mir unter anderem Angriffe von oben ermöglicht. Oder ich provoziere einen Revierkampf, um dann dem Verlierer-Monster den Rest zu geben.
Monster Hunter hat eine Welt zum Ausprobieren und Mitdenken. Überall finde ich verschlungene Pfade, Höhlensysteme, offene Ebenen oder Oasen und überlege sofort, ob und wie ich sie für mich im Kampf nutzen kann.
Für wen eignet sich die Open World?
Ob ihr dieser Spielwelt eine Chance geben könnt, hängt davon ab, wie viel Spaß ihr mit den Spielmechaniken habt. Die Kerndisziplin von Monster Hunter sind und bleiben die Kämpfe, die sich zum Teil fast eine Stunde lang strecken können.
Ihr müsst Freude daran haben, hier immer weiter zu optimieren, neue Ausrüstung zu craften und unermüdlich Kombos zu üben, bis diese sitzen und ihr riesigen Bestien spielerisch auf der Nase herumtanzen könnt. Das ist extrem befriedigend, aber auch harte Arbeit.
Seht ihr die Welt als Möglichkeit, euch Kämpfe zu erleichtern - sei es über Crafting-Materialen oder clevere Umwelt-Effekte - werdet ihr viel Spaß mit ihr haben. Bereits in der Open Beta warten an fast jeder Ecke kuriose und faszinierende Details, die entweder die Tierwelt glaubhafter gestalten oder euch echte spielerische Vorteile bringen.
Allein: Abseits davon gibt es wenig zu entdecken. Vielleicht bietet das finale Spiel die eine oder andere Quest oder Überraschung, die sich in der Open World abseits der Kämpfe offenbart. Eine ausgefeilte Nebenhandlung inklusive Missionen und versteckter Herausforderungen werdet ihr aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vergeblich suchen.
Zudem ist die Welt zwar optisch ansprechend und vielseitig gestaltet, kann allerdings nicht mit den atemberaubenden Szenerien so mancher Open World da draußen mithalten. Ein Red Dead Redemption 2 baut mit seinen belebten Städten und nebelverhangenen Sümpfen eine ganz andere Atmosphäre auf, genauso wie ein Horizon Zero Dawn. Beim Spielen des Remasters will ich aktuell am liebsten alle zwei Minuten auf die Screenshot-Taste hämmern, während das warme Frühlingslicht seine Finger durch ein dichtes Blätterdach nach mir ausstreckt und der Schnee langsam zwischen den roten Gräsern schmilzt.
Monster Hunter Wilds will nicht primär so eine organische virtuelle Landschaft bieten, sondern eher ein optimales Jagdrevier für euch und die darin beheimateten Monster erschaffen.
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