Update am 5. November: jetzt also doch. Jared Isaacman ist jetzt doch wieder aussichtsreichster Kandidat für den NASA-Chefposten. Wer sich für die bisherige Geschichte seiner Nominierung sowie seine Ziele interessiert, findet hier im Kasten sowie im Haupttext alle Details.
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Update am 2. Juni 2025: Das Weiße Haus hat die Nominierung von Jared Isaacman zurückgezogen. Die Gründe sind wahrscheinlich in der Nähe des Milliardärs zu Elon Musk zu suchen. Letzterer hatte seine Zeit als leitenden Berater des US-Präsidenten vor Kurzem augenscheinlich nach eher negativer Beurteilung durch Donald Trump und seinen inneren Kreis verlassen müssen.
Spenden an Abgeordnete der demokratischen Partei haben sich für Isaacman dann wahrscheinlich auch als hinderlich erwiesen – sobald sich die Bekanntschaft zu Musk zum Nachteil verkehrt hatte (via Spiegel).
In Kürze soll ein neuer Kandidat durch Trump vorgestellt werden. Er oder sie muss dann ebenfalls erstmal eine Mehrheit im Senats-Komitee für Handel, Wissenschaft und Transportwesen hinter sich vereinen. Erst dann könnte der Senat als Ganzes über die Nominierung abstimmen.
Einschätzung der Redaktion (Gerald Weßel): Es ist allerdings nach aktuellem Stand nicht damit zu rechnen, dass sich die Ziele der NASA unter dem/der neuen Kandidaten/in grundlegend von denen, die Isaacman nannte, unterscheiden werden (siehe unten). Obschon es letztendlich wohl schlicht gilt abzuwarten, denn sicher können wir in Anbetracht der Lage in den USA derzeit bei wenig sein.
Update 4. Mai 2025: Das Senats-Komitee für Handel, Wissenschaft und Transportwesen hat inzwischen mit 19 zu 9 Stimmen für Jared Isaacman als nächsten NASA-Administrator gestimmt. Als Nächstes steht eine weitere Abstimmung im Gesamtsenat an.
Zudem beginnen sich die Befürchtungen bezüglich der Budgetkürzungen bei der NASA zu bestätigen. Sie verliert rund 25 Prozent, wobei vor allem Wissenschafts- und Technologieentwicklung betroffen sind. Die Programme für den bemannten Raumflug, allen voran für Mars und Mond, erleben eine Stärkung. (via CNBC)
Auf dem Plakat hinter Jared Isaacman prangt ein US-amerikanisches Horrorszenario: China hat den Mars erobert, die USA schaffen es gerade mal so zum Mond. Der US-Senator Ted Cruz konfrontiert den wahrscheinlich nächsten Chef der NASA, Jared Isaacman, mit dieser von ChatGPT auf ein Poster gebannten Schreckensvision.
Die Antworten Isaacmans zeigen deutlich, wie sich die Raumfahrtbehörde in den kommenden Jahren verändern wird. Wir nehmen euch mit in eine Anhörung, die rückblickend Geschichte schreiben könnte.
Ein KI-Bild als Ansporn für halsbrecherische Pläne
2030 zieren verfeindete Flaggen fremde Himmelskörper – zumindest in einer Anhörung: Links die Stars and Stripes
der USA auf dem Mond, rechts die Farben Chinas auf dem Mars. Auf die Frage vom Senats-Komitee für Handel, Wissenschaft und Transportwesen, ob das die Zukunft der Raumfahrt sei, stellt der als NASA-Chef nominierte Jared Isaacman klar:
Wir dürfen den Orbit nicht China überlassen.
Wer ist Jared Isaacman?
Der Milliardär und Unternehmer ist ein Vertrauter von Elon Musk. Er nahm bereits mehrfach an Weltraumflügen mit Raumschiffen von SpaceX teil und war Kommandant der Mission, die als Erstes einen Ausstieg im All aus einem privat finanzierten Raumfahrzeug unternommen haben.
Den Wunsch, Isaacman auf den höchsten Posten der US-Raumfahrt mit Wirkmacht weit darüber hinaus zu setzen, hatte Präsident Donald Trump im vergangenen Dezember geäußert. Isaacmans Bestätigung wird für Ende April erwartet.
Zusammengefasst lauten die Vorhaben von Jared Isaacman als nächster NASA-Chef:
Die Internationale Raumstation (ISS) soll noch bis 2030 betrieben werden. Die Planungen für ihr kontrolliertes Verglühen sind bereits in Arbeit. Außerdem soll ein nahtloser Übergang zu geplanten kommerziellen Raumstationen gewährleistet werden. Die sollen also spätestens 2030 in Betrieb gehen.
Die NASA soll Unternehmen dabei unterstützen, Raumstationen zu errichten, alsbald wieder auf dem Mond zu landen und ebenso erste Menschen zum Mars zu bringen – alles parallel.
Es ist nicht die Frage, ob Mond oder Mars oder eine neue Raumstation, wir können alles parallel machen.
Jared Isaacman
Isaacman unterfüttert dieses Argument damit, dass Bemühungen, zurück zum Mond zu gelangen, auch einem bemannten Flug zum Mars zugutekommen würden.
Als Administrator strebe er an, die NASA grundsätzlich zu verändern. Sie soll in Zukunft Geld einnehmen und sich so selbst finanzieren. Das soll primär durch die Erschließung des Orbits und der Schaffung einer dort »erblühenden Weltraumwirtschaft« geschehen.
1:09
Nasa wirft einen Blick zurück auf die erste Raumstation: Skylab
Welche Zukunft hat NASAs Mondrakete?
Isaacman sichert dem Langzeitprojekt der NASA, dem Space Launch System (SLS), einen Platz zu – zumindest noch für eine Weile. Trotz Kritik an langwierigen Vorbereitungen sowie Kosten in Milliardenhöhe, die für jeden Start des SLS anfallen, sieht er darin für die ersten Mondlandungen den besten Weg. Speziell hierfür wird seit Jahrzehnten an der fast 100 Meter hohen Schwerlast-Rakete gearbeitet.
Aber in Zukunft sei klar, wie die NASA langfristig Menschen ins All bringt: Kooperationen mit kommerziellen Anbietern wie SpaceX. Das Starship von Elon Musk gilt als wahrscheinlichster Kandidat – er ist ohnehin an der geplanten Mondlandung beteiligt.
Damit scheinen zumindest die bis dato geplanten Upgrades des SLS als unwahrscheinlich. Block 1b und vor allem später Block 2 sind für zukünftige Einsätze gedacht. Unter Block XY
verstehen Fachleute erweiterte/modernere Varianten von Raketen oder Flugzeugen.
Zweimal könnte SLS noch fliegen, also Artemis 2 und 3 (Missionsnamen für die Flüge zum Mond). Aber spätestens mit der Landung der Astronauten im Zuge der dritten Mission, könnte nach Isaacmans Aussagen Schluss sein. Die prekäre Situation der SLS haben wir euch bereits im vergangenen Jahr ausführlich dargestellt.
Von da an könnten vor allem auf Elon Musks SpaceX sowie in zweiter Linie Jeff Bezos' Blue Origin im Fokus stehen. Das Lunar Gateway spart er derweil komplett aus. Die Zukunft der geplanten Raumstation im Mondorbit muss demnach als ungesichert gelten.
Trotz seiner privaten Nähe zur Trump-Regierung legt ausgerechnet die Isaacman für seine Parallelvorhaben Steine in den Weg: Wie andere US-Behörden ist auch die NASA von massiven Budgetkürzungen betroffen. Die bringen Projekte ins Wanken – vor allem in der Forschung.
Es bleibt also abzuwarten, wie Isaacman als wahrscheinlich neuer Chef der bedeutendsten Raumfahrtbehörde die ambitioniertesten Ziele seit der ersten Mondlandung mit geringeren Mitteln als bisher in Einklang bringt. Der zeigt sich entschlossen: Die Aufgabe der NASA ist es, quasi Unmögliches zu leisten.
Die Quasi-Neuerfindung der NASA steht unter Jared Isaacman an – allerdings mit ungewissem Ausgang und Jahrzehnten an nahezu legendärer Geschichte im Rücken.
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