Ich weiß, ich weiß: OLED ist der Heilsbringer. In Sachen Heimkino und TV stimme ich der Aussage auch zu (noch) – bei Handhelds allerdings nicht.
Es gibt viele Stimmen, die fordern: Die Nintendo Switch 2 muss unbedingt einen OLED-Bildschirm besitzen, denn alles andere wäre nach der Switch OLED ein Schritt zurück. Ach ja?
Klar, technisch gesehen wäre es ein Schritt rückwärts, aber die Konsole steht und fällt nicht mit einem OLED-Panel. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass es schlussendlich egal ist, welches Display Nintendo verbaut.
Grund 1: Der gedockte Modus
Es gibt Spieler, die die Switch kaum als Handheld nutzen – mich zum Beispiel. In 90 Prozent der Fälle steckt die Konsole im Dock und ich zocke über meinen OLED-TV. Da spielt das Display keine Rolle. Tatsächlich nutze ich immer noch die erste Iteration von 2017 und bin glücklich damit.
Ich störe mich nicht mal am LCD-Bildschirm, wenn ich die Switch doch mal als Handheld nutze. Für mich war das Display selbst nie ein Schmerzpunkt. Das ist eine Aussage, die von gleich mehreren Autorinnen und Autoren auf Nintendo Life gestützt wird, die das ebenso empfinden.
Deren Erfahrung bringt mich direkt zum zweiten Grund.
Grund 2: OLED fällt den meisten nicht auf
Bevor ihr empört in die Tasten haut, lasst mich ausreden. Ja, natürlich fällt euch und mir ein OLED-Bildschirm auf, wenn wir ihn sehen. Uns verbindet jedoch die Vorliebe für Technik. Die Switch wurde mittlerweile 150 Millionen Mal verkauft, laut Nintendo. Wie vielen Käufern ist OLED da wichtig?
Bis auf diejenigen, die die Switch OLED gekauft haben, vermutlich den wenigsten. VGChartz berichtet von rund 30 Millionen abgesetzten OLED-Iterationen; das entspricht knapp einem Fünftel aller Verkäufe.
Außerdem fehlt den meisten Käufern schlichtweg der Vergleich. Im obigen Nintendo Life-Artikel geben die Autorinnen und Autoren zu, dass ihnen der Unterschied zwischen LCD und OLED erst beim direkten Vergleich aufgefallen ist – und das sind Profis.
Ja, wenn man weiß, dass OLED als besser gilt, dann gibt man sich ungern mit weniger zufrieden. Dem Familienvater mit zwei Kindern sind vermutlich aber ganz andere Faktoren wichtig, als der schmackigere Kontrast im Handheld-Modus.
Darüber hinaus: LC-Displays sind qualitativ besser geworden. Nachstehend seht ihr den gleichen Titelbildschirm eines Spiels, einmal auf meiner Switch und einmal auf meinem Steam Deck mit LCD-Schirm.
Beides sind IPS-Panel und zwischen den Konsolen liegen fünf Jahre und das Bild des Steam Decks ist deutlich kontrastreicher. Im Laufe der Zeit haben sich verbessert:
- Auflösung
- Kontrast
- Farbraumabdeckung
- Hintergrundbeleuchtung
- Blickwinkelstabilität
Natürlich kommt es auch immer ein bisschen darauf, wie viel die Konsole aus ihrem Display macht.
Die Playstation Portal arbeitet übrigens auch mit einem LC-Display. Weder gab es damals in der Community einen großen Aufschrei darüber, noch haben weder wir es in unserem Langzeittest oder die Kollegen von GamePro in irgendeiner Weise erwähnt.
OLED wird LCD im Vergleich immer noch ausstechen, aber nicht mehr so gnadenlos, wie es früher einmal war.
Grund 3: LCD ist immer noch König bei der Spitzenhelligkeit
OLED ist König der Bildqualität, aber auch nur unter einer Bedingung: Wenn die Umgebung so dunkel wie möglich ist. Ein OLED-TV im dunklen Wohnzimmer fürs Kinofeeling ist unschlagbar, aber spielt ihr mit der Switch immer in einem finsteren Zimmer?
Das hybride Konzept ist vor allem auch für unterwegs gedacht. In Zügen, Bussen, im Auto oder auf Reisen herrschen selten optimale Lichtbedingungen und da ist LCD die bessere Wahl. OLED kann nur seinen potenziell unendlichen Kontrast ausspielen, wenn kein Umgebungslicht auf das Display prallt.
Mit höherer Hintergrundbeleuchtung kann LCD direktem Licht besser gegenarbeiten. Notebookcheck spricht in einem Artikel von 340 Nits beim Switch OLED-Modell und 370 bei der herkömmlichen Konsole. Und letzteres wird für die Switch 2 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nochmal aufgebohrt werden. Steam protzt bei seinem Steam Deck immerhin mit bis zu 1.000 Nits (die natürlich erst mal erreicht werden wollen).
Kurzum: Es liegt an der Hintergrundbeleuchtung, dass LCD höhere Spitzenhelligkeiten erreicht. Das ist ohnehin ein wichtiger Faktor bei der Displayqualität, aber noch mehr, wenn man mit dem Endgerät draußen spielt.
Grund 4: Andere Features sind wichtiger
In Sachen Technik hat die Switch ihrerzeit einige Spieler enttäuscht; die Konsole war ihnen nicht performant genug. Anders ausgedrückt könnte man sagen: Nintendo hat sich aus dem Rennen der technisch besten Konsolen längst zurückgezogen und setzt seinen Fokus lieber anders – zum Beispiel auf Features.
- Man munkelt, ob die neuen Joy-Cons auch als Maus verwendbar sind, was ein Patent zu bestätigen scheint.
- Der Trailer zeigt einen unbeschrifteten Button unterhalb der Home-Taste. Was dieser bewirkt, ist noch nicht geklärt.
- Die Switch 2 wird zwei USB-C-Eingänge haben: einen oben an der Konsole, einen unten. Auch hier ist unklar, wieso.
- Außerdem wird spekuliert, ob man die Joy-Cons nicht auch »verkehrt herum« an die Konsole stecken kann.
2:22
Nintendo Switch 2 ist da: Trailer enthüllt die neue Konsole im Detail und zeigt erstes Spiel
Nintendo war nie verlegen um neue Features an ihren Konsolen. Die sind der Dreh- und Angelpunkt für die Firma und auch die Fans. Das ist nicht immer mit Erfolg gekrönt, wie bei der Wii U, kann aber auch ein echter Verkaufszahlentreiber sein wie bei der Switch.
Unterm Strich wird der ausschlaggebende Faktor für die Switch 2 nicht das Display sein, vor allem nicht für die Käufer, die das Gerät wegen ihrer Funktionen und nicht wegen der Technik kaufen werden.
Der Grund, warum Nintendo auf LCD setzen könnte
Sollte sich Nintendo wirklich für ein LC-Display für die Switch 2 entscheiden, wird das sicher monetäre Gründe haben. Es ist kein Geheimnis, dass OLED teurer als LCD ist, dazu muss man nur die Preise von TVs vergleichen. Die Switch OLED kostet derzeit übrigens 320 Euro, die LCD-Switch 290 Euro. Das sind 30 Euro Unterschied.
Es ist davon auszugehen, dass die Switch 2 teurer werden wird. Das liegt nicht nur an der Technik, sondern ist auch der Inflation geschuldet und der allseits ungeliebten Tatsache, dass »alles teurer« wird.
Nintendo ist dennoch als recht preissensibel bekannt, vor allem im Vergleich anderer Konsolenhersteller. Eine Wiederholung des PS5 Pro-Preisschocks mit 800 Euro zum Marktstart wird uns, denke ich, nicht ins Haus stehen.
Ein weiterer Vergleich zwischen Nintendo und Sony: Zum Release kostete die Switch 330 Euro, 70 Euro weniger als die PS4 Pro, die für 400 Euro vier Monate zuvor erschienen war. Natürlich spielt auch hier die schlechtere Technik der Switch eine Rolle, die ihr bei Versus im Vergleich zur PS4 Pro sehen könnt.
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Konsolen 2025: Wird die Switch 2 die letzte erfolgreiche Konsole?
Darüber hinaus sind Zielgruppen der Switch 2 nicht nur Spieler, sondern auch Familien mit Kindern – und die schauen vor dem Kauf in erster Linie auf den Preis und nicht auf die Specs. Da können auch 30 Euro das Zünglein an der Waage sein, selbst wenn das Panel technisch gesehen schlechter ist.
Vielleicht bekommen wir zum Release ja auch beide Varianten angeboten. Wer weiß?
Umfrage: Zu welcher Version würdet ihr greifen?
Angenommen, es gäbe wirklich beide Versionen zum Release zur Auswahl. Mich interessiert, zu welcher Variante ihr dann greifen würdet. Nehmt gerne an der Umfrage teil.
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