Norwegen testete die reale Reichweite von Elektroautos. Das Fazit: Tesla und chinesische Marken haben einen Vorsprung

Wie vertrauenswürdig sind die Reichweitenangaben bei Elektroautos? Norwegens Automobilclub hat getestet, ob und wie sehr sie von der Realität abweichen.

Wie lange fährt so ein Elektroauto, bis es wieder an die Ladesäule muss? Und stimmen die Herstellerangaben mit der tatsächlichen Reichweite überein? Der norwegische Automobilclub testet unter Realbedingungen. (Bildquelle: stock.adobe.com - Dar1930) Wie lange fährt so ein Elektroauto, bis es wieder an die Ladesäule muss? Und stimmen die Herstellerangaben mit der tatsächlichen Reichweite überein? Der norwegische Automobilclub testet unter Realbedingungen. (Bildquelle: stock.adobe.com - Dar1930)

Die Reichweite von Elektroautos ist immer wieder Streitpunkt, wenn es um die Vor- und Nachteile der Elektromobilität geht.

Obwohl die durchschnittliche Fahrtlänge statistisch nur 35 Kilometer beträgt, befürchten viele, dass ihnen zu früh der Strom ausgeht, wenn doch einmal eine Langstrecke gefahren werden muss.

Hersteller von Elektroautos geben die voraussichtliche Reichweite mit einer Akkuladung auf Basis der Worldwide Harmonised Light-Duty Vehicles Test Procedure (WLTP) an, ein standardisiertes Messverfahren.

Doch wie realistisch sind diese Herstellerangaben tatsächlich oder schummeln die Hersteller hier auch, wie beispielsweise bei den Abgaswerten gewisser Modelle?

Meinen privat angeschafften MG4 habe ich zwar noch nie unter WLTP-Bedingungen auf Reichweite getestet, negativ ist das Auto aber bei den erreichbaren Kilometern bislang noch nicht aufgefallen. Eher im Gegenteil. Meinen privat angeschafften MG4 habe ich zwar noch nie unter WLTP-Bedingungen auf Reichweite getestet, negativ ist das Auto aber bei den erreichbaren Kilometern bislang noch nicht aufgefallen. Eher im Gegenteil.

Der norwegische Automobilverein führt daher zweimal im Jahr einen Reichweitentest mit verschiedenen Elektroautos durch, um die angegebenen WLTP-Werte mit der Realität zu vergleichen, einen im Sommer, einen im Winter.

Beim letzten Test waren 27 Fahrzeuge beteiligt. Warum Norwegen? Im skandinavischen Land lag der Verkaufsanteil von Elektroautos im Juni 2025 bei beeindruckenden 96 Prozent.

Komplett auf deutsche Fahrverhältnisse lassen sich die Ergebnisse zwar nicht umsetzen, zur Orientierung können sie aber trotzdem dienen.


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Norwegen testet reale Reichweiten von Elektroautos

Um die reale Reichweite zu ermitteln, versucht der Automobilclub die realen Bedingungen eines norwegischen Fahrers nachzustellen.

Gefahren wird primär auf Nebenstraßen bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 70 km/h, unterbrochen von zwei kurzen Strecken auf der Autobahn.

Ist der Akku leer gefahren, werden die erreichten Kilometer notiert.

Die Ladezeiten von Elektroautos sind zwar immer noch etwas länger als ein Tankvorgang inklusive Shopbesuch, mit 15-25 Minuten von 10 auf 80% am Schnelllader aber auch nicht wirklich abschreckend lang. Die Ladezeiten von Elektroautos sind zwar immer noch etwas länger als ein Tankvorgang inklusive Shopbesuch, mit 15-25 Minuten von 10 auf 80% am Schnelllader aber auch nicht wirklich abschreckend lang.

Die ermittelten Reichweiten werden dann mit der angegebenen WLTP-Reichweite verglichen, das Ranking basiert also auf den Abweichungen.

15 der getesteten Elektroautos erreichten dabei eine höhere Reichweite als angegeben, der Rest liegt darunter.

Zwei deutsche Elektroautos leisten mehr als versprochen

Ganz vorn bei den positiven Ausreißern ist das Tesla Model Y, das laut WLTP auf 582 Kilometer kommen soll, im norwegischen Test aber 652 Kilometer erreichte - 66 Kilometer mehr als angegeben.

Teslas Model 3 ist mit einem Plus von 19 Kilometern gerade noch in der Top 10.

Auf dem zweiten Platz konnte sich der Zeekr 7X mit +52 Kilometern einreihen, drittplatzierter ist der BYD Tang, ein Elektro-SUV, das 42 Kilometer mehr schaffte als die WLTP-Angabe versprach.

Auch wenn Tesla in Europa und vor allem Deutschland einen extrem starken Einbruch bei den Verkaufszahlen hinnehmen musste - nicht jeder mag die politischen Äußerungen des Firmenchefs Elon Musk - punktet das Model Y mit höherer Reichweite an angegeben. (Bild: Tesla) Auch wenn Tesla in Europa und vor allem Deutschland einen extrem starken Einbruch bei den Verkaufszahlen hinnehmen musste - nicht jeder mag die politischen Äußerungen des Firmenchefs Elon Musk - punktet das Model Y mit höherer Reichweite an angegeben. (Bild: Tesla)

Mit dem MG S5, dem Polestar 4 und dem BYD Sealion 7 finden sich drei weitere chinesische Elektroautos in der Top10 mit mehr Reichweite, als die Angabe vermuten ließ.

Zweimal Tesla, fünfmal China - die ausländischen Marken bieten mehr als erwartet.

Mit dem VW ID.7 GTX Tourer (Platz 6 mit +27 Kilometern) und dem BMW iX (Platz 8 mit +23 Kilometern) finden sich aber auch zwei deutsche Modelle unter den zehn bestplatzierten Autos.

Keine deutsche Beteiligung in der Reichweiten-Flop-10

Es gibt außerdem zwölf Fahrzeuge, deren WLTP-Angaben höher lagen als die tatsächlichen Reichweiten der Tester.

Darunter findet sich allerdings kein deutsches Fabrikat, auch wenn sieben der Autos aus Europa oder den USA stammen.

Der Kia EV3 beispielsweise kommt auf 17 Kilometer weniger Reichweite als angegeben, der Volvo EX90 zeigt ein Defizit von 32 Kilometern.

Spitzenreiter der Flop 10 ist der Lucid Air mit satten 131 Kilometern Defizit.

Trotzdem handelt es sich dabei um das Auto mit der insgesamt höchsten Reichweite mit beachtlichen 829 Kilometern ohne Ladepause. Selbst das Tesla Model 3 kann hier mit 721 real erreichbaren Kilometern nicht mithalten.

Auf dem dritten Platz der reichweitenstärksten Autos des Tests steht dann doch noch ein deutsches Auto: Der BMW iX kommt auf 691 Kilometer.

VW überzeugt im norwegischen Test mit dem ID.7 GTX Tourer und bietet mehr Reichweite als angegeben. Aber viel wichtiger: Wäre ein RTX-Modell für Gamer nicht auch spannend? Mit Raytracing vielleicht? Bildquelle: VW VW überzeugt im norwegischen Test mit dem ID.7 GTX Tourer und bietet mehr Reichweite als angegeben. Aber viel wichtiger: Wäre ein RTX-Modell für Gamer nicht auch spannend? Mit Raytracing vielleicht? Bildquelle: VW

Fazit: Die Reichweitenangaben sind oft realistisch oder werden sogar übertroffen

Die deutschen Elektroautos schneiden damit zwar nicht ganz so gut ab, wie einige chinesische Modelle und Teslas Model Y. Ihre Reichweite liegt aber unter norwegischen Bedingungen immer noch etwas über den versprochenen WLTP-Werten.

Hier wird also nicht geschummelt, ihr bekommt sogar etwas mehr als angegeben.

Die Negativliste ist dafür zwar europäisch besetzt, aber ohne deutsche Beteiligung – und die Minderleistung gegenüber WLTP fällt generell eher gering aus. Abgesehen vom Lucid Air, der aber mit einer trotz der negativen Abweichung ansonsten sehr beachtlichen Reichweite punktet.

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