Supermarkt- und Discounter-Apps locken mit Rabatten für einen schnellen Download. Aber tauschen wir dabei wirklich nur ein bisschen Speicherplatz gegen Vergünstigungen beim alltäglichen Einkauf?
Ich habe mir für euch die Apps von Penny und Rewe heruntergeladen. Mein Ziel: Richtig viel sparen. Was ich dabei erlebt und wie viel ich am Ende wirklich gespart habe, erfahrt ihr hier.
Wie sehen die Apps von Penny und Rewe aus?
Was haben die Apps gemeinsam?
Beide Apps leben von ihren Coupons. Die müsst ihr vor dem Kauf aktivieren. Wenn ihr dann eure App an der Kasse scannt, bekommt ihr auf einige Produkte einen Rabatt.
Eure Gesamtausgaben beim jeweiligen Laden werden für einen ganzen Monat aufsummiert und in Leveln eingeteilt. Level 2 erreiche ich bei Penny, wenn ich insgesamt 100 Euro ausgegeben habe. Dann erhalte ich im kommenden Monat einen 5-Prozent-Gutschein.
Beide Apps haben eine integrierte Einkaufsliste, wobei man bei Penny der Liste noch Freunde hinzufügen kann.
Damit ihr als Besitzer einer App registriert werdet, gibt es einen QR-Code, den ihr an der Kasse scannt, um Rabatte zu genießen.
Worin unterscheiden sich die beiden Apps?
Bei Penny fällt auf, dass es in der App Produkte zu exklusiven App-Preisen
gibt. Wer eine App hat, bezahlt für einige Produkte also weniger als die anderen.
Das gibt es bei Rewe in dieser Form nicht. Es gibt in der App unter Angebote
lediglich einige Bonus Aktionen
, also Produkte, für die ich beim Kauf ein Guthaben von 10 - 50 Cent bekommen kann.
Dafür bewirbt Rewe in der App noch den hauseigenen Online-Lieferdienst. Außerdem gibt es Rezepte für allerhand Gerichte, unter deren Zutatenliste selbstverständlich reichlich Rewe-Produkte gestreut sind.
Wenn ihr euch die Menüs der App genauer ansehen wollt
Hier habe ich zwei kleine Bildergalerien zusammengestellt, falls es euch interessiert, wie die beiden Apps so aussehen:
PENNY
REWE
Wie kauft man mit der Penny-App ein?
Vor dem Einkauf
Die Penny-App animiert mich dazu, meinen Einkauf vorzuplanen. Mit der Einkaufsliste ist das auch ganz praktisch, ich gebe ein Produkt nach dem anderen ein. Allerdings ist es damit noch nicht getan. Vielleicht gibt es ja ein ähnliches Produkt, das gerade im Angebot ist. Also durchforste ich natürlich erst einmal den Reiter Angebote.
Ein Kilo Bananen statt für 1,29 Euro nur für 95 Cent und das exklusiv für uns App-Besitzer lasse ich mir nicht entgehen! Alles landet mit einem Tippen auf meiner Einkaufsliste. Im Scrollen merke ich langsam, dass die Liste nach Unten überhaupt nicht aufhört. Ich könnte ewig scrollen. Aber eigentlich wollte ich ja einkaufen.
Aber nach den Angeboten bin ich immer noch nicht fertig mit der App. Ich will ja noch ein paar Vorteile. Also aktiviere ich einige Coupons. Nicht, dass ich für irgendwas zu viel bezahle! Wobei ich mich schon frage, warum ich die Coupons eigentlich händisch aktivieren muss und das nicht einfach automatisch an der Kasse passiert.
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Im Supermarkt
Im Supermarkt selbst sehe ich, dass meine 95-Cent-Bananen bereits fleißig für die App werben. Es gibt auch in der Filiale einige Produkte, die mit zwei Preisen ausgezeichnet sind. Der niedrigere ist für Leute mit App, so wie mich.
Allerdings muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass Penny gerade genau wegen dieser Rabatt-Angebote für App-Kunden von der Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg verklagt wird.
Wenn ich aber etwas spontan ohne Rabatt mitnehme, geht mein nächster Blick sofort in die App, ob es da nicht doch noch irgendeinen Coupon für mich gibt. So in Supermarktgängen herumzustehen und zu scrollen ist schon ziemlich anstrengend. Und wenn der Supermarkt voll ist, auch ziemlich störend für alle anderen.
Zum Schluss kann ich meinen Vorteilscode an der Kasse scannen. Meine Rabatte werden mir zuverlässig abgezogen.
Was habe ich mit der Penny-App gespart?
| Einkaufswert bei Penny | 37,12 Euro |
| MEINE COUPONS 10% Rabatt auf Bioprodukte 10% Rabatt auf bestimmte Lebensmittel 5% Rabatt auf Nudeln 10% Rabatt den Gesamteinkauf | 0,54 Euro 0,28 Euro 0,09 Euro 3,70 Euro |
| Gesamtersparnis | 4,61 Euro |
| prozentualer Anteil am Gesamteinkauf | 12,42 Prozent |
Wie kauft man mit der Rewe-App ein?
Vor dem Einkauf
Da es bei Rewe keine extra Preise für App-Besitzer gibt, scrolle ich vor dem Einkauf nicht so lange wie bei Penny. Auch finde ich unter den Coupons nur einen für mich interessanten. Aber keine Sorge, die REWE-App wird mich später dafür umso mehr beschäftigen.
Im Supermarkt
Denn im Supermarkt selbst wird auch kräftig für die App geworben. Hier fällt mir aber zuerst die Scan-and-Go
-Funktion auf. Die findet ihr unter dem Menü-Punkt Start in eurer Rewe-App. Damit könnt ihr eure Produkte während des Einkaufs mit eurem Handy scannen.
Jedes gescannte Produkt wird meinem virtuellen Einkaufwagen hinzugefügt. Damit soll ich mir wohl die Warterei an der Kasse sparen. Ich habe, wie bereits angedeutet, keine große Sympathie für Leute, die im Supermarkt in den Gängen herumstehen und auf ihre Handys starren. Nun stehe ich in den Gängen herum und scanne meine Produkte.
Selbstverständlich funktioniert das nach dem vierten Produkt schon nicht mehr so gut. Die Karte Ein unbekannter Fehler ist aufgetreten. Bitte versuche es erneut.
wird mich heute durch den Supermarkt verfolgen.
Und dann hat mich die App auf einmal: Bei einem Einkaufswert von 30 Euro, winkt mir als App-Neuling ein Start-Bonus
von 5 Euro. Mein virtueller Einkaufwagen zeigt jetzt etwa 20 Euro. Also wandert zum Schluss noch eine Packung Bohnenkaffee in meinen Wagen. Mein virtueller Warenkorb zeigt jetzt knapp über 30 Euro.
Scan-and-Go leitet mich zur Selbstbedienungskasse – natürlich, eingescannt hab’ ich ja schon. Ich scanne einen Extra-QR-Code und tatsächlich erscheint mein kompletter Einkauf in der Kasse!
Aber wo sind meine Rabatte? Ich versuche den QR-Code auf der Start-Seite der App zu scannen, die Kasse macht seltsame Geräusche. Jetzt werde ich doch nervös.
Eine Mitarbeiterin kommt mir zu Hilfe und erklärt mir, wie ich nun bezahlen kann. Aber meine Rabatte?
Die Frau schaut mich verständnislos an und es entspinnt sich eine Diskussion, die darin gipfelt, dass ich auf mein Smartphone deute und endlich verstehe: Achso, die sind dann da drin!
Kurzgesagt: Bei Rewe werden euch keine Rabatte ausbezahlt, sondern für den nächsten Einkauf gutgeschrieben. Insofern habe ich bei meinem Einkauf erstmal gar nicht gespart.
Auch wenn die Mitarbeiterin selbstverständlich sehr freundlich war, fühle ich mich irregeführt, als ich die Filiale verlasse. Ich werde Rewe dieses peinliche Intermezzo nicht verzeihen.
Was habe ich mit der Rewe-App gespart?
| Einkaufswert bei Rewe | 32,70 Euro |
| Meine COUPONS Rabatt: 10% auf REWE beste Wahl Rabatt auf den gesamten Einkauf | 0,10 Euro 5,00 Euro |
| Gesamtersparnis | 5,10 Euro (Achtung: Nicht ausbezahlt, sondern als Guthaben für den nächsten Einkauf) |
| prozentualer Anteil am Gesamteinkauf | 15,6 Prozent |
Warum wollen euch Supermärkte Apps verkaufen?
Sparen konnte ich mit den Apps über 12 und 15 Prozent. Dennoch schenken einem die beiden Ketten nichts. Rewe gewährt mir meinen Rabatt nur, wenn ich mindestens noch ein Mal einkaufe.
Und auch Penny holt sich sein Geld natürlich wieder zurück: Die nächste Stufe im Rabattsammler erreiche ich ja nur, wenn ich viel Geld ausgebe. Abgesehen davon ist das Verteilen von Rabatten von über 10 Prozent und mehr vor allem ein Lockangebot, um die Apps in der Anfangszeit attraktiv zu machen. Meine mächtige 15-Prozent-Ersparnis bei Rewe kommt schließlich zu 98 Prozent aus meinem einmaligen 5-Euro-Start-Bonus.
Ganz ähnlich kennen das bestimmt viele von euch von diversen Streaming-Diensten, die die Leute zu ihrer Einführung mit kleinen Preisen locken und dann sukzessive immer teurer werden.
Wenn uns nun ein Discounter oder Supermarkt die hauseigene App anbietet, damit wir auf der Jagd nach Rabatten eben bevorzugt dort einkaufen, dann wäre das auch kein großes Problem. Die meisten werden vermutlich eh ihren Stamm-Supermarkt haben, den sie regelmäßig besuchen.
Aber ihr bezahlt bei den Apps eben nicht nur mit eurer Treue. Ich habe Katharina Grasl von der Verbraucherzentrale Bayern gefragt, warum die Handelsketten auf unsere Smartphones drängen. Grasl meint dazu:
Mit Apps dieser Art möchten Unternehmen möglichst viele Kundendaten sammeln. Das können beispielsweise die persönlichen Kontaktdaten oder der genaue Standort sein. Aber auch das Einkaufsverhalten kann mittels dieser Apps oft genau nachvollzogen werden, also was kaufe ich wann und in welchen Mengen ein.
Penny und Rewe machen keinen Hehl daraus, dass sie meinen Standort orten. Bei der Scan-and-Go-Funktion von Rewe muss ich zuerst meinen Supermarkt auswählen oder mich gleich von der App orten lassen. Und auch Penny zeigt mir unter Mein Penny an, wo ich eingekauft habe.
Grasl erklärt weiter, dass es beim Datensammeln darum geht, genauere Kundenprofile
zu erstellen. Schön und gut, die Unternehmen wollen wissen, in welchen Filialen ich so unterwegs bin, damit sie mir Werbung für Produkte aus diesen Filialen schicken können.
Aber gleichzeitig, so Grasl weiter, können sie so auch Kunden zum Kauf animieren und das Einkaufsverhalten beeinflussen
.
Und das habe ich definitiv gemerkt: Bei Penny habe ich ein paar Bioprodukte mehr mitgenommen, weil ich hierfür einen Coupon hatte und bei Rewe gleich eine ganze Packung Kaffee für immerhin über 11 Euro. Überhaupt nehme ich mittlerweile an, dass man die Coupons in den Apps extra aktivieren muss, damit man länger scrollt und unter Umständen mehr kauft.
Hier kann man sich natürlich fragen, wie viel man tatsächlich noch spart, wenn man sich zum Kauf von immer mehr Produkten animieren lässt, an denen man im Supermarkt sonst vielleicht einfach vorbeigelaufen wäre.
Die Kontrolle über die Datenweitergabe behalten
Trotzdem können sich die Apps lohnen – sicherlich gerade für Menschen mit wenig Geld oder Kindern und damit auch größeren Einkaufsmengen.
Ihr könnt Apps gezielt für eure Bedürfnisse einsetzen und müsst euch nicht von jedem Angebot verführen lassen.
Und auch bei der Datenweitergabe habt ihr über die Einstellungen eine gewisse Kontrolle. Katharina Grasl von der bayerischen Verbraucherzentrale animiert euch dazu, genau zu prüfen, welche Daten verwendet werden und welche Berechtigungen sich die App einräumt.
In den Einstellungen der Penny-App finde ich etwa Marketing-Technologien. Dort heißt es: Deine Daten sind ein wichtiger Bestandteil unseres Marketings. Sie ermöglichen es uns, mehr über deine Interessen zu erfahren und unsere Angebote und Werbeanzeigen für dich zu personalisieren.
Diese Informationen werden laut Penny mit einigen ihrer Partner
geteilt. Gerade im Kontext solcher Berechtigungen macht eure Zustimmung laut Grasl einen Unterschied:
Verbraucherinnen und Verbraucher sollten immer die Möglichkeit nutzen, die Einstellungen zu ändern und Berechtigungen abzulehnen. Nicht jedes Häkchen muss gesetzt sein, um die Funktionen der App nutzen zu können.
Es geht nicht nur um Werbung
Die Recherche zeigt auch, dass es sich gerade bei Rabatt-Apps lohnt, besonders kritisch zu sein.
Katharina Grasl verdeutlicht, wie sensibel die Daten sind, die gerade Supermarkt- und Discounter-Apps von uns erhalten.
Gerade der Blick in den Einkaufswagen erlaubt den Unternehmen nicht nur Einblicke in die Ernährungsgewohnheiten, sondern auch in die Lebensumstände und wie sie sich möglicherweise verändern.
Vor Kurzem hat eine internationale Recherche unter Beteiligung des BR gezeigt, wie alltägliche Apps ohne unser Wissen unsere Daten weiterverkaufen. Das Journalistenteam konnte nur anhand von Bewegungsprofilen einer Frau aus Niederbayern auf deren Gesundheitszustand schließen. Die Daten hatten sie über einen Drittanbieter von einer Wetter-App bekommen.
Was wohl im Vergleich dazu aus den Daten über unsere Ernährungs- und alltäglichen Konsumgewohnheiten geschlossen werden kann, darüber kann ich nur spekulieren. Verbraucherschützerin Grasl meint dazu:
Diese Daten können nicht nur für die Unternehmen selbst, sondern auch für Dritte wie beispielsweise Versicherungen interessant sein.
Werde ich die Apps weiter benutzen?
Ja, ich habe mit den Apps gespart. Andersherum kann man aber auch sagen: Ich habe für ein paar Euro meine Daten an eine Handelskette verkauft. Was erschwerend hinzukommt: das Herumgescrolle, Getippe, in Supermarktgängen Herumstehen und Scannen hat mich, nur wegen der Lust auf ein paar Prozente, einiges an Nerven gekostet.
Und ich persönlich bin mir ziemlich sicher, dass ich auf der Suche nach Schnäppchen am Ende mehr ausgebe, als wenn ich einfach nur so einkaufen gehe.
Verbraucherschützerin Grasl empfiehlt, sich die Frage zu stellen: »Sind die Vorteile der App wirklich so groß, dass es sich lohnt, den Unternehmen so tiefe Einblicke zu gewähren?«
Für mich jedenfalls nicht. Aber ich kann jeden verstehen, der die Apps nutzt. Und wenn ihr sie für euch sinnvoll einsetzt, dann könnt ihr damit auch einiges sparen. Nach der Recherche meine ich nur, dass ihr auf jeden Fall wachsam sein solltet, was ihr an Daten freiwillig weitergebt.
Passend zum Thema:
Allerdings wird mein Sparfuchs-Herz in nächster Zeit noch ein bisschen bluten, bis ich bei Penny nicht mehr die Extra-Angebote für App-Besitzer wahrnehme – sofern es diese Angebote in absehbarer Zukunft überhaupt noch geben sollte.
Auf jeden Fall werde ich die Apps zeitnah löschen. Aber die 5 Euro von Rewe hol' ich mir noch.

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