PS5 und Xbox Series X sind keine Next-Gen-Konsolen, weil noch etwas fehlt

Der Launch der neuen Konsolen PlayStation 5 und Xbox Series X ist aus PC-Perspektive so ernüchternd wie bei keiner Generation zuvor. Das hat vor allem einen Grund.

von Peter Bathge,
28.10.2020 15:00 Uhr

  • Eine PS5 oder Xbox Series X vorzubestellen, ist schwer genug. Aber inzwischen zeigt sich: Weder bei Technik noch Spielen werden die Next-Gen-Konsolen 2020 einen wirklich entscheidenden Schritt nach vorne machen.
  • Nicht nur aus PC-Spieler-Sicht ist klar: Aus dem großen Sprung in die Zukunft des Gamings ist ein moderater Hüpfer geworden. Und niemand weiß so richtig, was er auf den neuen Kisten an Weihnachten dieses Jahres überhaupt spielen soll.
  • Im Plus-Essay lest ihr, warum weder PlayStation 5 noch Xbox Series X echte Next-Gen-Konsolen sind - und wieso inzwischen selbst Sony Respekt vor dem PC hat.

Der PS5-Exklusivtitel Horizon: Into the West (links) steht sinnbildlich für die Krise der Next-Gen-Konsolen zum Launch von PlayStation 5 und Xbox Series X. Der PS5-Exklusivtitel Horizon: Into the West (links) steht sinnbildlich für die Krise der Next-Gen-Konsolen zum Launch von PlayStation 5 und Xbox Series X.

Das wird ein trostloser Launch-Monat: Wer nach Gründen, ach was, einer Ausrede für den Kauf einer Next-Gen-Konsole sucht, muss Soulslike-Spiele schon sehr mögen. Denn dann kann er sich im November auf der PS5 zumindest über das Demon's-Souls-Remake freuen, das wenigstens ein bisschen so aussieht, als wäre es für diese neueste Generation der Spielgeräte gemacht.

Frischgebackene Xbox-Series-X-Besitzer und alle anderen bleibt dagegen nur die Hoffnung auf Third-Party-Millionenseller wie Assassin's Creed oder Call of Duty; jährlich erscheinende Standardware, die diesmal als Cross-Gen-Veröffentlichung auch auf Millionen neuer Konsolen läuft.

Mit Cyberpunk 2077 dagegen ist ein großer Kaufgrund für ein Hardware-Upgrade soeben auf den Dezember verschoben wurden - bei den Plattformbetreibern Sony und Microsoft dürfte das Wehklagen darüber mindestens so groß sein wie bei den enttäuschten CD-Projekt-Fans.

Es ist schon ein seltsames Jahr, dieses 2020. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie, sondern auch weil der sonst so mit Spannung erwartete Techniksprung beim Start einer neuen Konsolengeneration dieses Mal bislang ausbleibt. Die Gründe dafür will ich euch - aus Sicht eines PC-Spielers - in dieser Kolumne darlegen. Und dafür springen wir jetzt erst mal mit Aloy ins (kalte) Wasser.

Der Autor
Peter Bathge hat gerade erst seine PS4 Pro verkauft, rund 200 Euro gab's dafür noch auf dem Gebrauchtmarkt. Rückblickend wäre es aber wohl schlauer gewesen, das gute Stück zu behalten, wo doch selbst für 2021 angekündigte Next-Generation-Spiele noch auf der alten PlayStation laufen werden. Peter findet das einerseits gut für Konsumenten, andererseits macht er sich aber Sorgen, dass der technische Fortschritt auf der Strecke bleibt. Also muss dieses Mal der PC die Führung übernehmen.

PS5 oder PS4? Das ist egal!

Es war eine Nachricht, die zwischen all den Hardware-Spezifikationen, Preis-Infos und Releasetermin-Verlautbarungen zu PlayStation 5 und Xbox Series X ein bisschen unterging. Aber ihre Wichtigkeit ist dennoch nicht zu unterschätzen. Horizon: Into the West wird zum Release 2021 auch für die PS4 erscheinen. Ein Spiel also, von dem man sich berechtigte Hoffnungen machte, es würde wie der Vorgänger als Sony-Exklusivtitel voranmarschieren und technische Limits verschieben, etwa bei der Darstellung der neuen Unterwasserszenarien.

Das nächste Spider-Man mit Miles Morales in der Hauptrolle erscheint in dieser seltsamen Übergangsphase ebenfalls für die alte Konsolengeneration. Halo: Infinite wird wie vorerst praktisch jeder neue Microsoft-Titel noch auf der Xbox One laufen. Auch für noch weiter entfernte Spiele wie das Open-World-Zauberwerk Hogwarts Legacy oder Gotham Knights ist ein Cross-Gen-Release bestätigt. Das ist grundsätzlich nichts Besonderes, aber ein Umstand macht daraus dann doch eine beängstigende Entwicklung.

PS5 und Xbox Series X ähneln in ihrer Hardware und der dahinterstehenden Mentalität mehr einem PC-Upgrade als einer gänzlich neuen Box. Im Jahr 2020 sind's nun eben ein bisschen stärkere Grafikkarten, schnellere Prozessoren und der überfällige Wechsel auf SSDs, die den Kaufpreis der Next-Gen-Konsolen rechtfertigen sollen. Auch beim Wechsel von Xbox 360 und PS3 auf die nachfolgende Konsolengeneration erschienen Spiele noch mehrere Monate auf allen Plattformen - aber diesmal dürfte der Unterschied zwischen den Fassungen deutlich geringer ausfallen.