Quantic Dream - Entwicklerchefs bestreiten Vorwürfe von Belästigung und Rassismus im Studio

Laut mehreren einstimmigen Berichten soll bei Quantic Dream eine vergiftete Arbeitsatmosphäre herrschen. Die beiden ranghöchsten Mitarbeiter widersprechen den Anschuldigungen.

von Martin Dietrich,
15.01.2018 13:06 Uhr

Detroit: Become Human ist das nächste Spiel von Quantic Dream. Jetzt sind Anschuldigungen gegenüber den Studio-Chefs und Mitarbeitern aufgetaucht. Detroit: Become Human ist das nächste Spiel von Quantic Dream. Jetzt sind Anschuldigungen gegenüber den Studio-Chefs und Mitarbeitern aufgetaucht.

David Cage und Guillaume de Fondamière, Gründer und Leiter der Heavy-Rain-Entwickler Quantic Dream, wehren sich gegen Anschuldigungen, dass es bei ihrer Firma regelmäßig zu rassistischen, homophoben und sexistischen Ausfällen kommen würde. Am Wochenende meldeten drei französische Magazine (Le Monde, Mediapart und Canard PC) über derartige Vorkommnisse und stützten sich dabei auf Berichte ehemaliger Mitarbeiter (Übersetzung via Eurogamer).

Cage und De Fondamière streiten alle Anschuldigungen ab

Gegenüber Kotaku erklärt de Fondamière, dass er jeden legalen Weg einschlagen werde, um diese Anschuldigungen aus der Welt zu schaffen:

"Quantic Dream bestreitet kategorisch die Vorwürfe. Ich bin wütend und empört über diese Anschuldigungen, die ich sehr ernst nehme. Und ich werde alle möglichen rechtlichen Schritte unternehmen, um meine Ehre zu verteidigen. "

David Cage bezeichnet die Meldungen als »lächerlich, absurd und grotesk« und verweist auf seine bisherige Zusammenarbeit mit Schauspielern:

"Ihr wollt mir etwas über Homophobie erzählen? Ich arbeite mit Ellen Page, einer Kämpferin für die Rechte der LGBT-Gemeinde. Ihr wollt mir etwas von Rassismus erzählen? Ich arbeite mit Jesse Williams, der in den USA für Bürgerrechte einsteht ... beurteilt mich anhand meiner Taten."

Quantic Dream hat mittlerweile auch ein offizielles Statement abgegeben. Im Text streiten sie ebenfalls alle Vorwürfe ab und geben an, bereits vor einigen Monaten Beschwerde eingereicht zu haben und in Zukunft noch weitere folgen zu lassen. Die Beschwerden richten sich höchstwahrscheinlich gegen die Ex-Angestellten, die die Vorwürfe erheben.

Interne Ordner mit über 600 Bilder

Die Vorwürfe drehen sich zum einen über einen internen Ordner auf den Servern von Quantic Dream mit über 600 Fotomontagen. Die Fotos sollen vor allem anstößige Inhalte zeigen. Konkret ist die Rede von Bildern, die Mitarbeiter in sexuellen Posen darstellen, versehen mit homophoben und sexistischen Beleidigungen.

Bei einigen Bildern, die bis ins Jahr 2013 zurückgehen und im Email-Verkehr der Firma scheinbar häufig geteilt wurden, sollen Mitarbeiter-Fotos so manipuliert worden sein, dass sie wie Nazis ausgesehen hätten. Laut den beiden Studio-Chefs hätten sie von dem ganzen Ausmaß erst Anfang 2017 erfahren und zuvor nur die »lustigen und amüsanten« Fotomontagen gesehen.

Arrogante und lästerne Chefs

Cage wird in den Berichten auch persönlich angegriffen. Sein selbstverliebtes und autokratisches Auftreten habe ihn bei Kollegen den Titel »Sonnenkönig« und »Gott« eingebracht. Er fordere oft Überstunden, höre nicht auf andere Personen und sehe Mitarbeiter nur als Werkzeuge, berichten die ehemaligen Quantic-Dream-Angestellten und sprechen von 15-Stunden-Tagen und 80-Stunden-Wochen.

Die Firma sei für ihn ein mehr oder weniger privater Raum, bei dem er sich auch despektierlich gegenüber weiblichen Kollegen und Schauspielern sowie seiner eigenen Frau äußere. Als sie sich ein Video eines Einbruchs ansahen, soll Cage gegenüber eines Mitarbeiters mit tunesischer Herkunft gefragt haben: »Ist das ein Cousin von dir?«

Laut den Anschuldigungen sprach David Cage immer wieder abfällig über die Schauspielerinnen mit denen er zusammenarbeitete. Laut den Anschuldigungen sprach David Cage immer wieder abfällig über die Schauspielerinnen mit denen er zusammenarbeitete.

Trotz guter Bezahlung haben zwischen 2015 und 2016 insgesamt 50 Angestellten das Unternehmen, teils aufgrund von Depression und Überarbeitung, verlassen.

Bei Firmen-Feiern soll Co-Gründer Guillaume de Fondamière außerdem sehr aufdringlich gewesen sein und aggressiv geflirtet haben. Quantic Dream beschäftigt rund 180 Mitarbeiter, 83 Prozent sind davon männlich. De Fondamière stritt im Gespräch mit den französischen Magazinen ab, dass es je zu solchen Vorkommnissen gekommen wäre.

Nicht die erste Kontroverse

Quantic Dream arbeitet aktuell an der Fertigstellung ihres Sci-Fi-Spiels Detroit: Become Human für die Playstation 4. Ob die Vorwürfe Einfluss auf den angepeilten Release im Frühling 2018 haben, ist bisher nicht bekannt. Der Titel löste bereits eine Kontroverse aus, als ein während der Paris Games Week gezeigter Trailer häusliche Gewalt darstellte. Kritiker warfen dem Spiel vor, solche Themen im Rahmen einer Präsentation zum Selbstzweck zu missbrauchen und ohne die nötige Sensibilität zu behandeln.


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