Der wuseligste Ort auf der ganzen gamescom ist die Indie-Arena. Hier reihen sich unzählige kleine Spiele mit winzigen Ständen aneinander, die um die Aufmerksamkeit der Besucher wetteifern.
Und nirgendwo anders kann man so viele überraschende Spieleentdeckungen machen. Wie zum Beispiel den Multiplayer-Shooter Incursion Red River, den ich hier anspielen durfte.
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Endlich ein taktischer Military-Shooter ohne PvP-Zwang: Incursion Red River ist anders als die anderen
So gefällt mir Extraction
Mit Extraction-Shootern verbindet mich eine Hassliebe. Auf der einen Seite verfolge ich liebend gerne mit meinem Team eine Mission, bei der viel auf dem Spiel steht und taktisches Vorgehen Pflicht ist.
Auf der anderen Seite wird mir aber der Druck zu groß, wenn ich weiß, dass ich mich anderen Spielerinnen und Spielern stellen muss und beim Tod alles verliere.
Incursion Red River löst dieses Problem auf die offensichtlichste Weise. Der Shooter mit Modern-Military-Setting verzichtet einfach auf menschliche Gegner und bleibt ein reines Koop- oder Singleplayer-Spiel. Ich wage mich allein oder mit bis zu drei Verbündeten in den Kampf und muss gegen Trupps schießfreudiger KI-Soldaten antreten.
Die machen mir zwar auch das Leben schwer, sind aber in Schach zu halten, wenn ich vorsichtig und taktisch vorgehe. Bin ich einmal unaufmerksam ist es aber schnell vorbei: Bei meiner Proberunde werde ich wenige Meter vom Extraktionspunkt von einem Scharfschützen erledigt, weil ich das Gelände vorher nicht ordentlich gesichert habe.
Auch bei seiner Wirtschaft ist Incursion Red River nicht ganz so unbarmherzig wie etwa ein Tarkov. Ich verliere beim Tod zwar auch meine Ausrüstung und muss sie dann neu kaufen, das Spiel ist aber nicht darauf ausgelegt, dass ich nach einer Pechsträhne sofort pleite bin. Geld bekomme ich beim Abschließen von Missionen oder durch den Verkauf von wertvoller Beute.
Wo steht Incursion Red River jetzt?
Seit April 2024 ist der Shooter im Early Access auf Steam verfügbar. Aktuell mit noch bescheidenem Umfang: Zur Auswahl stehen bisher zwei Karten, ein größeres Dschungelgebiet und ein verschachtelter Bunker. Hier erledige ich einen von vier einfachen Missionstypen, um Ansehen bei einer der Fraktionen zu sammeln und so neue Ausrüstung, Waffen, Munitionsarten und Modifikationen freizuschalten.
Auch wenn Incursion Red River noch nicht fertig ist, macht es einen guten Eindruck. Das Schießgefühl ist dank spürbarem Rückstoß, flüssigen Animationen und sattem Sound sehr zufriedenstellend. Gegner kippen nach einem Kopf- oder wenigen Körpertreffern aus den Latschen, das gilt aber auch für mich.
Grafisch setzt der Shooter keine Maßstäbe, aber das ist auch weder notwendig, noch von einem kleinen Entwicklerstudio zu erwarten. Dank ausreichend detaillierter Maps sieht das Spiel trotzdem gut aus. Wetter- und Tag-Nacht-Wechsel tragen zusätzlich zur Abwechslung und Immersion bei.
Immersion und ein Stück weit auch Realismus stehen für die Entwickler ohnehin im Vordergrund. Inventar und Karte sind nicht einfach Menüs, stattdessen holt mein Soldat ein Tablet heraus. Eine Munitionsanzeige im Eck gibt es ebenfalls nicht, stattdessen muss ich das Magazin herausziehen, um zu sehen, wie viele Patronen mir noch bleiben.
Wer will, kann auch alle verbleibenden Elemente der Benutzeroberfläche abschalten, wie etwa den Kompass. Generell kann ich mir meine Spielerfahrung komplett zurechtschneidern, vor allem wenn es um die Schwierigkeit geht. Hier lässt sich kleinteilig unter anderem der Schaden, die Aggressivität und Aufmerksamkeit der feindlichen Soldaten anpassen.
Solide Basis, große Pläne
So weit, so gut, doch an was es Incursion Red River noch fehlt, sind Inhalte. Bei nur zwei Karten und 4 Missionen ist nicht viel Abwechslung geboten. Deshalb sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren, die der Shooter noch im Early Access bleibt, vier weitere Karten dazukommen. Eines der nächsten Updates erweitert die Missionen außerdem um mehr Hintergrundstorys. Neue Missionstypen sollen ebenfalls folgen.
Auch die Anzahl der Waffen soll wachsen, auch wenn es hier schon eine Menge Auswahl gibt. Die insgesamt 33 Knarren lassen sich beim Waffenschmied außerdem mit zahlreichen Modifikationen wie Visieren, Griffen oder neuen Läufen anpassen. Bisher sind aber vor allem die Sturmgewehre gut bedient, später wird es wahrscheinlich auch mehr Schrotflinten, Scharfschützengewehre oder Pistolen geben.
Zu guter Letzt sollen auch noch ganz neue Features dazukommen: Meine Basis, in der ich zwischen den Runden meine Waffen anpasse und die nächste Mission wähle, werde ich irgendwann ausbauen und verbessern können. Auch offiziellen Mod-Support soll es geben; die Entwickler können sich sogar einen Map-Editor vorstellen, das ist aber noch Zukunftsmusik.
Überhaupt ist die Zukunft des Shooters noch ungewiss: Aktuell tummeln sich nämlich täglich nur einige hundert Spielerinnen und Spieler gleichzeitig auf Steam.
Immerhin kommt Incursion Red River aber auf sehr positive Bewertungen und wer weiß: Vielleicht haben auf der gamescom noch andere Shooter-Fans das Spiel entdeckt.
Fazit der Redaktion
Tillmann Bier
Meine ersten 15 Minuten mit Incursion Red River habe ich zwar in einer lauten Messehalle mit jeder Menge Ablenkungen verbracht, trotzdem hatte ich in der kurzen Runde eine Menge Spaß. Als erfahrener Shooter-Spieler fand ich mich schnell zurecht, wurde aber trotzdem herausgefordert.
Die taktischen Koop-Gefechte könnten eine angenehme Abwechslung zu hektischeren Multiplayer-Shootern bieten. Und ein paar motivierte Freunde vorausgesetzt, kann ich mir gut vorstellen, in Incursion Red River einige Abende zu verbringen.
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