Nachdem 2025 bereits global als das erfolgreichste Jahr der Geschichte für Solar- und Windstrom einging, schlägt 2026 in dieselbe grüne Kerbe. Ganz vorne mit dabei: Deutschland. Niemals zuvor floss mehr Solarstrom ins Netz als im Juli – doch erzählt das sogar nur die halbe Geschichte.
Rekordsommer bringt Rekorde
Laut einer Analyse des internationalen Wirtschaftsforums regenerative Energien (IWR) stellte Deutschland im vergangenen Juli einen neuen Solarstromrekord auf, der ins Netz floss: 12 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Das entsprach einem Anteil der gesamten Stromversorgung der Nation von ca. 30 Prozent. Sonst liegt Solar im Jahresdurchschnitt klar hinter der Windkraft, wie folgende Zahlen für das gesamte erste Halbjahr 2026 zeigen:
- Wind: 30 Prozent
- Kohle: 21,7 Prozent
- Solar: 19,3 Prozent
- Sonstige, inklusive Wasser: 15,6 Prozent
- Erdgas: 13,4 Prozent
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Wolkenkratzer als 1.000 Meter hoher Energiespeicher
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kletterte der Anteil aller erneuerbaren Energien von knapp 56 auf fast 62 Prozent. Passend hierzu überflügelte Strom aus Sonnenlicht, aufs ganze Jahr betrachtet, schon 2025 erstmals Braunkohle, und liegt auf Platz zwei der Energieträger hinter Windkraft.
Allerdings schafft es Kohle als Ganzes, also inklusive Steinkohle gerechnet, weiterhin vor Solar – doch der Abstand schrumpft zusehends. Eine dauerhafte Doppelspitze der erneuerbaren Energieträger übernimmt wahrscheinlich noch vor den 2030ern die Führung. Spanien hat übrigens der Kohle längst den Rücken zugekehrt.
Das unsichtbare Stück Solarstrom
Währenddessen spielt Solarenergie längst nicht alle Karten offen aus. Denn die ins Netz fließende Strommenge spiegelt nur den Großteil des erzeugten Solarstroms wider – ein erheblicher Teil befeuert nämlich am Standort seiner Erzeugung direkt Elektronik.
Ein für den Juli nicht aus den Daten der Netzbetreiber hervorgehender Anteil liegt im Eigenverbrauch der jeweiligen Häuser. Letzterer steigt aber bekannterweise seit einigen Jahren deutlich, wie wir euch hier kürzlich ausführlich schilderten. Wir können beim Juli 2026 dementsprechend von geschätzt rund 20 Prozent ausgehen, die niemals das Netz erreichen.
In gewisser Weise hat Solar also wahrscheinlich längst Kohle als Energieträger geschlagen, und zwar dort, wo es drauf ankommt: in den Haushalten.
Rekord verpackt im Rekord – also alles bestens? Nein
Einschätzung der Redaktion (Gerald Weßel): Bestwerte wie die hier vorgestellten suggerieren einen unaufhaltsamen Erfolgszug – doch das ist nur eine Seite der Medaille. Regenerative Energien, allen voran Solarstrom, mögen zwar global auf dem Vormarsch sein, doch bleibt lokal in Deutschland eine lange Liste an Aufgaben bestehen, darunter komplexe Punkte:
- Stromspeicher zur Stabilisierung bei weniger Sonnen-spendablen Wetter, wie
- Netzausbau, wie durch gewaltige Stromkabel zwischen Deutschland und England
- Ausbau der Windkraft als natürlicher Partner der Solarenergie, zum Beispiel durch Anlagen wie der weltweit höchsten in Deutschland oder der global leistungsstärksten in Dänemark.
Geht nämlich mit Solarstrom als Hauptnetztreiber etwas schief, kann es zu Situationen wie in Spanien im Frühjahr 2025 kommen: Blackouts, die sich durch das Stromnetz fressen und ganze Teile des Kontinents abschneiden. Damals rettete der europäische Zusammenhalt sowie Wasserkraft die iberische Halbinsel vor tagelanger Ausfällen der Versorgung – davor behüten uns auch keine AKW, wie die jüngsten Ausfälle durch Hitze und Dürre zeigen.
Es bleibt also noch einiges zu tun, doch wir wissen, was zu tun ist. Derweil weisen die Zahlen in eine eindeutige Richtung. Regenerative Energien, sogar Solar, funktionieren als zentrale Stromquellen selbst in Deutschland.
Respekt vor der völligen Abkehr von fossilen Energien ist berechtigt, aber keine Angst oder Zweifel ob der Umsetzbar-, geschweige denn der Sinnhaftigkeit. Die Rekorde stehen nicht als Ausreißer abseits einer Entwicklung, sondern als Säulen des Trends, den Politik, Wirtschaft und Bürger gemeinsam am Laufen halten müssen.

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