Silent Hill 2 gilt als eines der besten Horrorspiele aller Zeiten, nicht zuletzt wegen seiner tragischen Nebencharaktere, die die gequälte Psyche des Protagonisten James Sunderland widerspiegeln.
Einer dieser Charaktere ist Eddie Dombrowski: Im Spiel durchlauft ihr mit ihm eine verstörende Entwicklung vom gemobbten Außenseiter zum wahnsinnigen Killer, die in einem klaustrophobischen Bosskampf in einem Kühlhaus gipfelt. In der neuen Verfilmung Return to Silent Hill wird diese Figur allerdings eine deutlich kleinere Rolle spielen als im Spiel.
Im exklusiven Interview mit GameStar-Redakteurin Natalie Schermann verriet Regisseur Christophe Gans nun, dass das ursprünglich gar nicht so geplant war.
Der Bosskampf gegen Eddie existiert – aber nicht im Kino
Auf die Frage, welche Story-Stränge gekürzt werden mussten, bestätigte Gans, dass Eddie das prominenteste Opfer des Schneideraums wurde. Fans der Vorlage können sich aber zumindest damit trösten, dass die Vision für die Szene existierte und sogar mit Schauspielern umgesetzt wurde.
Christophe Gans erklärte uns dazu im Detail:
»Tatsächlich gibt es bei Eddie eine Szene, die nicht in den Film geschnitten wurde. Der Tod wurde gedreht. In einem großen Gefrierschrank [...] Aber wir konnten es nicht in die Kontinuität des letzten Aktes des Films einfügen.«
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Damit bestätigt der Regisseur, dass das berühmte »Meat Locker«-Szenario, einer der markantesten Orte des Spiels, tatsächlich gebaut und gefilmt wurde. Dass ihr diese Szenen im Kino nicht sehen werdet, hat laut Gans einen rein erzählerischen Grund, der mit dem Tempo des Films zu tun hat.
Warum Eddie der Story im Weg stand
Der Regisseur begründet die harte Entscheidung mit dem Fokus des finalen Drittels: Während ein Videospiel sich Zeit lassen kann, verschiedene Handlungsstränge parallel zu beenden, muss ein Film im Finale zuspitzen.
Im Interview führte er aus:
»Wie ihr gesehen habt, ist der letzte Akt des Films fast wie eine surreale Spirale in einen Albtraum [...] und es funktionierte nicht, weil es plötzlich keine Szene mehr über Mary war, über die Suche nach Mary, sondern eine erklärende Szene, die darlegte, dass Eddie eigentlich fast wie ein Doppelgänger von James war.«
Gans musste sich also entscheiden: Entweder er behält die komplexe Lore-Erklärung bei, die Eddies Funktion als Spiegelbild von James verdeutlicht, oder er bleibt emotional bei der Kernstory um James und seine verstorbene Frau. Er entschied sich für Letzteres, um den Zuschauer nicht aus der Immersion zu reißen.
Gans gab zu, dass er dieses Problem beim Dreh noch nicht erkannt hatte:
»Es funktionierte nicht, weil ich [beim Dreh] nicht realisierte, dass im letzten Akt das Einzige, was zählt, tatsächlich die Suche nach Mary ist. Und nicht plötzlich zu erklären, dass dieser Charakter nicht existiert, so wie Maria, wie Laura, und dass sie nur Geister aus dem gebrochenen Verstand von Sunderland sind.«
Die Szene hätte den Film also von einem emotionalen Trip in eine "Erklärstunde" verwandelt, was die Wirkung des Finales geschmälert hätte.
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Der Regisseur des ersten Silent-Hill-Films kehrt mit einer Fortsetzung zurück - diesmal geht es um die Geschichte von Silent Hill 2
Ein Trostpflaster für Fans
Ganz verloren ist die Performance des Eddie-Darstellers und das aufwendige Set des Kühlraums allerdings nicht. Christophe Gans versicherte uns im Gespräch, dass das Material nicht für immer in einem Archiv verschwinden wird:
»Ich musste es schneiden. Natürlich werdet ihr es im Bonusmaterial sehen, aber das ist die einzige Sequenz, die ich aus dem Film geschnitten habe.«
Wer also sehen möchte, wie der Regisseur den Kampf gegen Eddie und dessen tragisches Ende inszeniert hat, wird wohl auf den Heimkino-Release warten und einen Blick in die Extras der Blu-ray werfen müssen. Im Kino liegt der Fokus hingegen voll und ganz auf James und seiner Suche nach seiner vermeintlich verstorbenen Ehefrau Mary.
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