RGB-LED könnte OLED vom Thron stoßen, aber selbst ich mit 10 Jahren Berufserfahrung bin so verwirrt wie noch nie

Bei TVs gibt es eine neue Technologie, aber nicht einmal die Hersteller scheinen so richtig überzeugt zu sein – warum?

Wie gut ist RGB-LED denn nun? Ich kanns euch nicht sagen. (Bildquellen: Samsung, Maxe S., GameStar) Wie gut ist RGB-LED denn nun? Ich kann's euch nicht sagen. (Bildquellen: Samsung, Maxe S., GameStar)

Bei TVs tut sich technisch von Jahr zu Jahr meist nicht viel. Darum war ich aufgeregt wie ein Kind zu Weihnachten, dass 2026 mit RGB-LED endlich eine neue Panel-Technologie auf den Markt kommt.

Ich habe sogar OLED vom Thron gesehen (und war damit nicht der Einzige, Techradar war mit mir einer Meinung).

Jetzt ist RGB-LED fast da – und ich bin verwirrt. Es gibt jetzt schon mehrere Variationen. Und ist RGB-LED denn jetzt das Must-have? Kommt darauf an, wen ihr fragt.

Ich werde Licht ins Dunkel bringen, denn wenn ich schon verwirrt bin, wie geht es dann potenziellen Kunden?

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe ist seit 2016 Tech-Redakteur, und Fernseher waren schon immer sein Fachgebiet. LED, OLED, Mini-LED, Micro-LED: Völlig egal, er interessiert sich für alle Displays. Mit TVs kennt er sich also bestens aus und weiß, worauf man beim Kauf achten sollte.

RGB-LED ist Premium – je nachdem, wen ihr fragt

Im Grunde genommen steckt hinter der Technologie ein relativ simples Prinzip. RGB-LED-TVs arbeiten in der Hintergrundbeleuchtung nicht mit weißen oder blauen LEDs, sondern mit roten, grünen und blauen. Die Vorteile sind heruntergebrochen:

  • Displays erreichen dadurch eine größere Bandbreite an Farben als herkömmliche LEDs und Mini-LEDs.
  • Es entsteht weniger Blooming, also weiße Ringe um helle Objekte, die durch die Hintergrundbeleuchtung durchscheinen.

Klingt wie ein direktes Upgrade, oder? Ja, aber wie gut ist RGB-LED nun wirklich? Ich habe (noch) keine Antwort und die Hersteller scheinbar auch nicht.

Beweisstück 1: TCL

Der chinesische Hersteller, der die TV-Sparte von Sony übernimmt, hat gleich zwei neue Modelle mit RGB-LED im Programm. Doch das Flaggschiff X11L setzt weiterhin auf reguläres Mini-LED. Hä? Das ist doch eigentlich schlechter.

Die RGB-LED-Geräte reihen sich einmal unter dem Top-Modell ein und eines unterhalb des Mittelklassesegments (was an weniger Dimming-Zonen liegt). Das ist definitiv nicht Premium und auch kein OLED-Killer.

Video starten 11:48 OLED-Killer? RGB Mini-LED & Super Quantum Dots kommen! TV-Trends 2026

Beweisstück 2: LG

LG ist der OLED-König; die Firma, die organische Pixel immer weiter angetrieben hat. Und auch die Südkoreaner werden RGB-LED im Programm haben, wie sie in einer Pressemitteilung verraten haben.

Hier steht ein entsprechender Fernseher unterhalb der prunkvollen G6 und G6 OLED. Wenig verwunderlich, denn LG wird auch weiterhin an OLED als Premium-Produkt festhalten. Nichtsdestotrotz haben sie RGB-LED ins Line-up aufgenommen, vermutlich, um eine größere Bildschirmdiagonale abdecken zu können, die mit OLED immer noch extrem teuer ist.

Übrigens verhält es sich auch bei Philips so. Hier bleibt OLED ebenfalls an der Spitze, aber RGB-LED wird – scheinbar der Vollständigkeit halber – ins Line-up aufgenommen (via 4Kfilme).

Drei TV-Hersteller und alle drei denken, dass RGB-LED nicht den Spitzenplatz verdient hat. Eine klare Botschaft.

Beweisstück 3: Hisense

Und dann betritt Hisense die Bühne. Hier ist RGB-LED dieses Jahr das Flaggschiff in Form der UR8S-Reihe, so deren Webseite. Sogar das nächstbeste Modell besitzt RGB-LED-Beleuchtung, es gibt also einen Doppelschlag der Chinesen.

Hisense hat nie groß auf OLED gesetzt, dementsprechend ist das womöglich nicht weiter verwunderlich. Aber dann wartet mal ab, wie Samsung RGB-LED regelt.

Beweisstück 4: Samsung

Bei Samsung gibt es zwei Wahrheiten:

  • Der R95H ist das Flaggschiff und besitzt eine RGB-LED-Hintergrundbeleuchtung.
  • Der S95H ist ebenfalls das Flaggschiff und kommt mit einem OLED-Panel.

Samsung spielt 2026 also mit Doppelspitze. Einerseits finde ich das gut, weil es schlichtweg doppelt so viel Auswahl gibt, wenn man mit einem Top-Gerät von Samsung liebäugelt.

Andererseits weiß ich aber jetzt immer noch nicht, ob RGB-LED wirklich das nächste beste Ding ist oder einfach nur ein Upgrade. Hisense setzt darauf, Samsung auch ein bisschen, aber TCL, LG und Philips nicht.

Aber wir haben das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

RGB-LED ist nicht immer dasselbe

Das Konzept von RGB-LED ist im Grunde glasklar und einfach zu verstehen: Hintergrundbeleuchtung mit mehr Farben anstatt nur mit Weiß.

Wusstet ihr, dass RGB-LED aber nicht gleich RGB-LED ist?

Gemäß dem Namen müsste eigentlich immer eine rote, eine grüne und eine blaue LEDs verbaut sein. Es gibt aber günstigere Varianten, so Techradar, in welchen nur blaue und grüne LEDs verbaut sind. Ein Farbfilter aus Phosphor deckt dann die restlichen Farben ab. Einfacher zu produzieren, aber sicher nicht mit derselben Bildqualität.

Techradar hat versucht herauszufinden, wer denn nun angeblich die minderwertigen RGB-LED-Hintergrundbeleuchtungen verbaut haben will.

  • Sony, die Urheber der Technologie, schon mal nicht. Sie plädieren, dass drei LEDs unabdingbar sind.
  • Hisense behauptet dasselbe und fügt hinzu, dass ihre neuen RGB-TVs alle drei LEDs verwenden – im Gegensatz zu anderen, die nur auf zwei setzen könnten.
  • TCL setzt noch einen drauf und verwendet bei den High-End-RGB-TVs sogar zwei von jeder LED für bessere Performance.

RGB-LED-Hintergrundbeleuchtung soll die Bildqualität spürbar erhöhen. (Bildquelle: Sony) RGB-LED-Hintergrundbeleuchtung soll die Bildqualität spürbar erhöhen. (Bildquelle: Sony)

Ja, was denn jetzt? Mehrere Unternehmen werfen anderen vor, Abstriche zu machen, betonen aber gleichzeitig alle, dass sie selbst keinesfalls Abstriche machen würden.

Übrigens lasse ich an dieser Stelle außen vor, dass es noch Mini-LED-RGB und Micro-LED-RGB gibt. Ach ja, und Hisense zeigte auf der CES 2026 bereits den nächsten Schritt: RGBC, mit einer zusätzlichen Cyan-LED.


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Fazit: Die Verwirrung ist verwirrt

Ich bin es ja gewohnt, dass TV-Hersteller nicht unbedingt kundenfreundlich agieren, wenn es um die Benennung oder Verwendung ihrer Technologien geht – QLED als Gegenentwurf zu OLED lässt grüßen.

Aber so verwirrt wie bei RGB-LED war ich noch nie. Weder wird es als der nächste große Schritt angepriesen, noch versuchen die Hersteller Klarheit zu schaffen, wie sie die Technologie verbaut haben.

Ist RGB-LED besser als OLED?

Wird es LED und Mini-LED ersetzen?

Verwenden manche wirklich nur zwei anstatt drei LEDs?

Ich weiß es nicht. Für den Moment müssen wir erst einmal Tests entsprechender Geräte abwarten. Denn wenn jemand Licht ins Dunkel bringen kann, dann sind es wir Tech-Redakteurinnen und -Redakteure.

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