RTX 5000: Nvidias Warnung ist fast beispiellos, aber leider auch unausweichlich

Nvidia warnt erstmals kurz vor Release neuer Grafikkarten selbst vor schlechter Verfügbarkeit. Alles andere als überraschend, und doch ärgerlich, finde ich.

Nils schreibt seit 2010 über PC-Hardware und seit 2013 für die GameStar. Wie sich die Situation bei Grafikkarten in den letzten Jahren entwickelt hat, gefällt ihm in mehrfacher Hinsicht nicht. Nils schreibt seit 2010 über PC-Hardware und seit 2013 für die GameStar. Wie sich die Situation bei Grafikkarten in den letzten Jahren entwickelt hat, gefällt ihm in mehrfacher Hinsicht nicht.

Ich beschäftige mich seit 15 Jahren beruflich mit Gaming-Hardware. In all der Zeit ist es fast nie vorgekommen, dass ein großer Hersteller vom Kaliber Nvidias kurz vor Release neuer Produkte davor gewarnt hat, dass sie schnell ausverkauft sein werden.

Normalerweise halten sich Hersteller sehr bedeckt, wenn es um die Verfügbarkeit ihrer Produkte geht. Ausnahmen wie Sony und die PS5 bestätigen die Regel, und dass Nvidia es im Falle der am 30. Januar erscheinenden Blackwell-Generation nun auch anders macht, ist alles andere als überraschend.

  • Einerseits musste es fast so kommen, auch weil sich die Gerüchte über eine schlechte Verfügbarkeit der RTX-5000-Grafikkarten zuletzt so stark gehäuft haben, dass sich Nvidia wohl dazu gezwungen sah, darauf einzugehen (wenn auch nur sehr kurz).
  • Andererseits ärgere ich mich auch ohne Überraschungseffekt über die zu erwartende Gesamtsituation, und das nicht nur in Bezug auf die besonders schnelle RTX 5090, die wohl am stärksten von den Problemen betroffen sein wird (siehe auch den Info-Kasten unten).

Wenn ihr stets wissen wollt, wie gut es um die Lieferbarkeit der RTX 5090 und RTX 5080 bestellt ist und wo ihr Karten bekommt (sofern denn dazu Chancen bestehen), schaut am besten in unseren Live-Ticker zum RTX-5000-Release.

Video starten 10:35 RTX 5090 lässt ihre Muskeln spielen - Kingdom Come: Deliverance 2 Gameplay in 4K

RTX 5000 Verfügbarkeit: Wie schlimm wird es zum Release?

Ich gehe aktuell davon aus, dass die meisten Bestände spätestens nach wenigen Minuten ausverkauft sein werden. Nvidias eigene Aussage dazu im Geforce-Forum ist zwar nicht so eindeutig:

»Wir erwarten eine große Nachfrage nach der Geforce RTX 5090 und 5080 und glauben, dass es zu Lieferengpässen kommen kann.«

Aber Rückmeldungen, die ich von Nvidias Board-Partnern sowie Händlern bekomme, machen klar, dass einmal mehr mit einer sehr schlechten Lieferbarkeit zu rechnen ist – und das mindestens wochenlang. Eine meiner Quellen, die nicht genau benannt werden möchte, beschreibt es so:

»Die Verfügbarkeit der neuen Grafikkarten zum Launch wird voraussichtlich nicht ausreichen, um die erwartete hohe Nachfrage am Markt zu decken.

Dies wird insbesondere in den ersten Wochen nach der Markteinführung deutlich spürbar sein, vor allem bei der RTX 5090. Hier rechnen wir mit einer besonders starken Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Auch bei der RTX 5080, von der wir zum Start zwar deutlich größere Stückzahlen haben werden, wird die Verfügbarkeit dennoch nicht ausreichen, um die Nachfrage vollständig zu bedienen.

Eine ähnliche Situation erwarte ich auch bei der RTX 5070 Ti sowie später bei der RTX 5070. Die konkreten Zahlen zur anfänglichen Verfügbarkeit dieser Modelle liegen derzeit zwar noch nicht vor, aber die bisherigen Prognosen lassen darauf schließen, dass die anfänglichen Bestände auch hier knapp bemessen sein könnten.

Zusammenfassend bleibt die Lage angespannt, insbesondere in den ersten Wochen nach der Markteinführung aller RTX 50 Modelle.«

Kann AMD eine Ausweichmöglichkeit sein? Nur bedingt, da die RX-9000-Generation zum einen erst im März erscheint und zum anderen nicht die Leistungsregion einer RTX 5090 erreichen wird. Außerdem gibt es weltweit nur sehr wenige Hersteller, die die Chips für AMD, Apple, Nvidia & Co. produzieren können, so dass auch AMD mit niedrigen Beständen zu kämpfen haben könnte.

Warum es so kommen musste

Am Ende ist es bei Nvidia genau so wie beim GameStar-Inhaber Webedia und wie bei jedem anderen Arbeitgeber auch: Es geht um das Geschäft.

  • Bekanntermaßen verdient Nvidia längst mit dem Verkauf von Profi-Karten beziehungsweise KI-Beschleunigern das mit Abstand meiste Geld, und diese Karten setzen nun mal mehr oder weniger auf die gleichen Chips wie die Gaming-GPUs.
  • Kein Wunder also, dass Nvidias höchste Priorität nicht darin besteht, den Bedarf an neuen Gaming-Grafikkarten zum Release ausreichend zu decken, sondern möglichst viele KI-Beschleuniger zu verkaufen. Ob Fälle wie der überraschende Auftritt der Deepseek KI mit zunächst großen Folgen für Nvidias Aktienkurs nachhaltig etwas daran ändert, bleibt indes abzuwarten.
  • Im Falle der RTX-5000-Veröffentlichung kommen die Erdbeben in Taiwan sowie der etwa zweiwöchige Stillstand der Fabriken in China wegen der Neujahrsfeierlichkeiten erschwerend hinzu. Letztlich würde die schwierige Liefersituation aber sicher so oder so bestehen.

Wollt ihr trotz voraussichtlich schlechter Verfügbarkeit sehen, wie das neue Flaggschiff RTX 5090 ausgepackt aussieht, zeigt es euch unser GPU-Tester Alexander Köpf im folgenden Video:

Video starten 4:52 RTX 5090 Unboxing - Erster Eindruck von Nvidias neuer Flaggschiffgrafikkarte

Warum macht Nvidia überhaupt noch Gaming-Grafikkarten?

Es ist aus unternehmerischer Sicht meist eine gute Idee, Einnahmen aus mehreren Quelle zu generieren (hat da wieder jemand Deepseek gesagt?). Nvidia kennt und dominiert den Gaming-Markt außerdem wie kein Zweiter, auch dank über Jahrzehnte aufgebauter Strukturen und Partnerschaften. Zu guter Letzt lassen sich so Chips zu Geld machen, die für eine Nutzung auf den teuersten KI-Karten nicht geeignet sind.

Was mich daran so ärgert

Auch wenn mir vollkommen klar ist, dass es viele verschiedene (und aus Nvidias Geschäftssicht sicher gute beziehungsweise profitable) Gründe dafür gibt, die RTX-5000-Grafikkarten genau zu dem Zeitpunkt und auf die Art zu veröffentlichen, wie es nun geschieht, fühlt es sich einfach nicht richtig an.

  • Nach RTX 3000 und RTX 4000 erwartet uns nun schon die dritte Nvidia-Generation in Folge, bei der zum Release sehr viele interessierte Käufer in die Röhre schauen werden. Es sei denn, sie sind bereit, extrem hohe Preise bei Scalpern zu bezahlen.
  • Ich persönlich würde lieber noch ein Jahr auf neue GPUs warten und sie dann zuverlässig zur UVP kaufen können, statt mich schon wieder mit ausverkauften Karten und unverschämten Scalper-Preisen herumärgern zu müssen.
  • Erschwerend hinzu kommt, dass die RTX-4000-Generation voraussichtlich relativ bald nicht mehr als günstigere Alternative zur Verfügung stehen wird, weil sie sich wohl bereits im Abverkauf befindet.

Klar kann ich selbst einfach warten und natürlich kaufe ich keinem Scalper eine der neuen GPUs ab. Aber die Angebote wird es trotzdem wieder geben und die Grafikkarten werden sich bestimmt gut verkaufen.

So ist der Lauf der Dinge und es gibt leider gute Gründe, davon auszugehen, dass es bei zukünftigen GPU-Releases vorerst nicht mehr anders aussehen wird.

Aber auch, wenn all mein Jammern nichts an der Situation ändern kann, muss man seinem Ärger manchmal einfach etwas Luft machen.

Wenn die Ausnahme zur Regel wird

Ich kann verstehen, wenn man jetzt sagt: Das war doch absolut vorhersehbar, wieso sich überhaupt noch aufregen? Dabei muss man meiner Meinung nach aber auch die unterschiedlichen Vorzeichen der letzten Geforce-Generationen berücksichtigen.

  • RTX 3000 beziehungsweise die RTX 3080 wurde von den meisten nach der eher enttäuschenden RTX-2000-Generation freudig erwartet, sowohl aufgrund der Leistung als auch mit Blick auf den zunächst angekündigten Preis. Gleichzeitig war das Ausmaß der Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Booms von Kryptowährungen auf die tatsächlichen Anschaffungskosten und die Lieferbarkeit nur bedingt vorhersehbar.
  • RTX 4000 erschien zu einem Zeitpunkt, als sich der GPU-Markt nach über zwei Jahren schlechter Verfügbarkeit und sehr hoher Preise größtenteils wieder beruhigt hatte und die Pandemie sich ihrem Ende neigte. Zudem war der KI-Boom noch in seiner Anfangsphase, so dass man durchaus Hoffnung auf eine bessere Verfügbarkeit zum Release haben konnte (was sich nicht bestätigt hat).
  • RTX 5000 kommt nun zu einem Zeitpunkt, an dem Nvidia längst im vollen KI-Fokus steckt und ist wie erwähnt aller Voraussicht nach die dritte Geforce-Generation in Folge, die zum Release nur schlecht verfügbar und sehr teuer sein wird. Und wie heißt es doch so schön: Einmal ist keinmal, zweimal ist Zufall und dreimal eine Regel.

Ein schwacher Trost und wenig Hoffnung

Am Ende verhält es sich für mich mit Blick auf die UVP der neuen GPUs wohl ähnlich wie mit der neuen Multi-Frame-Generation beziehungsweise MFG (zu den technischen Details erfahrt ihr unter dem folgenden Link mehr).

So wie mir eine beispielhafte Zahl von 150 FPS mit MFG nur wenig bringt, wenn das entsprechende Spielgefühl ausbleibt, bringt mir eine UVP von 1.169 Euro nur wenig, wenn ich mehrere hundert Euro draufzahlen müsste, um zuverlässig an eine der neuen Grafikkarten zu kommen.

Zugegebenermaßen habe ich MFG noch nicht selbst ausprobiert und es kann mit Blick auf die Preise immer noch besser kommen, als ich aktuell befürchte. Große Hoffnungen mache ich mir da aber ehrlich gesagt nicht.

Vorerst bleibt mir also wohl bloß der gewisse Trost, dass wir immer noch nur von Gaming-Grafikkarten reden, zumal sie wesentlich langsamer veralten, als das früher noch der Fall gewesen ist.

Und wer weiß, vielleicht kommt ja doch irgendwann nochmal eine GPU-Generation, bei der die neuen Karten zum Release gut verfügbar und für Ihre UVP zu haben sind – aber bitte nicht erst bei Preisempfehlungen im mittleren vierstelligen oder fünfstelligen Bereich.

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