Kaum waren die neuen High-End-Grafikkarten von Nvidia auf dem Markt, waren sie auch schon wieder vergriffen. RTX 5090 und 5080 waren direkt nach dem Marktstart ausverkauft – und tauchten kurz darauf zu absurden Preisen auf eBay auf.
Scalper nutzen die hohe Nachfrage schamlos aus, während Gamer und PC-Enthusiasten leer ausgehen. Doch wie kann das passieren? Unser genauer Blick auf die Gesamtsituation zeigt, dass es dafür vielschichtige Gründe gibt.
Angebot und Nachfrage: Warum waren RTX 5090 und 5080 sofort ausverkauft?
Die Knappheit neuer Grafikkarten hängt stark mit den grundlegenden Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage zusammen. RTX 5090 und 5080 sind besonders begehrt, weil sie Nvidias neueste High-End-Technologie repräsentieren. Doch während die Nachfrage extrem hoch ist, bleibt das Angebot aus mehreren Gründen begrenzt.
1. Hohe Nachfrage bei Gamern und Entwicklern
- Viele PC-Spieler und Content Creator wollen sofort upgraden, da neue GPUs in der Regel spürbare Leistungssteigerungen bringen. Der Performance-Sprung in der Rasterisierung fällt bei der RTX 5080 zwar vergleichsweise klein aus, dennoch ist sie die derzeit drittschnellste Grafikkarte und verspricht dank Multi-Frame-Generation in einigen Spielen massive FPS-Steigerungen.
- Auch KI- und Machine-Learning-Entwickler zeigen verstärkt Interesse an leistungsstarken GPUs. Besonders die RTX 5090 mit ihren 32 GByte GDDR7-Grafikspeicher ist für das Training kleinerer Sprachmodelle relevant.
- Hersteller von Fertig-PCs kaufen ebenfalls große Mengen auf, um ihre Systeme zu bestücken. Zwar greifen sie nicht erst zum Launch zu, sondern sichern sich bereits im Vorfeld große Kontingente von den Boardpartnern – doch das führt letztlich zum gleichen Effekt.
2. Scalper verstärken das Problem
- Reseller setzen Bots ein, um den Bestand innerhalb von Sekunden leerzukaufen – ein bekanntes Problem, das schwer zu bekämpfen ist. Maßnahmen wie Mengenbegrenzung pro Kunde, Captcha-Abfragen und Warteschlangen-Systeme helfen nur bedingt, da Scalper mit mehreren Konten, Kreditkarten und Adressen arbeiten.
- Anschließend werden die GPUs auf Plattformen wie eBay mit massiven Preisaufschlägen weiterverkauft.
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Produktionskapazitäten bei TSMC: Warum kann Nvidia nicht einfach mehr Chips herstellen?
Ein entscheidender Punkt ist, dass Nvidia seine GPUs nicht selbst produziert, sondern auf den Auftragsfertiger TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) angewiesen ist. Obwohl beide Unternehmen eng miteinander verbunden sind, lässt auch eine Vielzahl anderer Chip-Designer bei TSMC fertigen.
1. Begrenzte Fertigungskapazitäten
- Nvidia nutzt für die RTX-50-Serie einen 4-Nanometer-Prozess von TSMC – eine optimierte Variante des 5-Nanometer-Verfahrens der RTX-40-Serie. Obwohl dieses Verfahren schon länger existiert, ist es weiterhin stark nachgefragt.
- TSMC hat begrenzte Produktionskapazitäten, da auch andere Tech-Giganten wie Apple, AMD und Qualcomm dort fertigen lassen. Um die Nachfrage zu bedienen, wird beispielsweise gerade eine neue Fabrik in Arizona errichtet, die ab der zweiten Jahreshälfte 2025 4-Nanometer-Chips produzieren soll.
- Der Aufbau neuer Produktionslinien ist jedoch extrem teuer und dauert Jahre, weshalb Nvidia nicht einfach beliebig viele Chips produzieren lassen kann.
2. Hohe Vorabkosten für Fertigungsplätze
- Nvidia muss Kapazitäten bei TSMC lange im Voraus reservieren und bezahlen. Die Produktionsmengen werden bereits festgelegt, bevor die eigentliche Fertigung startet. Dadurch kann Nvidia nicht kurzfristig auf erhöhte Nachfrage reagieren.
- Um Kosten zu optimieren, bestellen Unternehmen tendenziell eher konservativ, um nicht auf unverkauften Chips sitzenzubleiben. Auch wenn dies aus Kundensicht ärgerlich ist, handelt es sich um eine wirtschaftlich nachvollziehbare Praxis.
- Falls die Nachfrage höher ausfällt als erwartet, entstehen Engpässe – besonders zum Marktstart, wenn der Andrang am größten ist. Falls die Vorlaufzeit für die Produktion nicht ausreicht, sind zum Launch nur begrenzte Stückzahlen verfügbar. Warum Nvidia den Release dann nicht verschiebt, um größere Mengen bereitzustellen, darf hinterfragt werden.
Frisst die KI-Branche Kapazitäten für Gaming-GPUs?
Ja, und zwar auf mehreren Ebenen:
- Nvidia dürfte hochpreisige KI-GPUs priorisieren, da sie erheblich profitabler sind als Gaming-Grafikkarten. Ein Teil der Produktionskapazitäten bei TSMC wird daher für KI-Beschleuniger reserviert, die mehrere Zehntausend Euro kosten – während eine RTX 5090 zur UVP
nur
2.329 Euro kostet. Diese Fokussierung spiegelt sich auch in den Umsatzzahlen wider: Im dritten Quartal 2025 erzielte Nvidia mit Rechenzentrums-Produkten rund 31 Milliarden US-Dollar, während der Gaming-Sektor lediglich 3,3 Milliarden US-Dollar einbrachte. - Speicher ist ebenfalls eine knappe Ressource. Die Produktionskapazität von GDDR7-VRAM ist noch nicht voll ausgereizt, da die Massenfertigung erst 2024 angelaufen ist. Zudem bedienen Speicherhersteller wie Micron, SK Hynix und Samsung auch Rechenzentrums-Produkte wie Nvidias H200, wodurch weniger Kapazitäten für GDDR7 zur Verfügung stehen.
- Rechenzentren bestellen zudem langfristig. Großkunden wie Microsoft, Google und Amazon sichern sich Produktionskapazitäten Jahre im Voraus. Der Gaming-Markt hingegen ist unsicherer, weshalb Unternehmen hier eher konservativ kalkulieren.
Die Wut über Scalper, schlechte Verfügbarkeit, hohe Preise und letztlich auch Nvidia ist zwar verständlich.
Dass das Unternehmen die Knappheit künstlich forciert halten wir dagegen für unwahrscheinlich – schließlich verkauft Nvidia den Großteil seiner GPUs vorab zu Fixpreisen an Boardpartner, bei denen letztlich auch die überschüssigen Gewinne verbleiben.
Der genauere Blick offenbart gleichzeitig, wie vielschichtig die Situation tatsächlich ist.
Aus Unternehmenssicht ist es sicherer, auf eine kontinuierliche Versorgung der Händler und Boardpartner zu setzen, anstatt auf kurzfristige Spitzen zum Launch zu reagieren.
Nvidia hätte die Veröffentlichung möglicherweise auf Mitte des Jahres – etwa nach der Computex – verschieben können, um eine größere Stückzahl bereitzustellen.
Dies könnte man dem Unternehmen durchaus vorwerfen.
Ein Pre-Order-System wäre ebenfalls eine Möglichkeit, Engpässe zu vermeiden – doch wer möchte schon eine Grafikkarte vorbestellen, ohne genau zu wissen, was er bekommt?
Letztlich bekommen Händler aber stetig Nachschub. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis sich Angebot und Nachfrage einpendeln. Wer eine neue Grafikkarte ergattern möchte, sollte sich also noch ein wenig gedulden.


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