Las Vegas, 11. Januar 2018: Zusammen mit einem Samsung-Mitarbeiter sitzen wir Journalisten im Garten des Mandalay Bay. Wir bombardieren ihn mit Fragen. Dem Mann stehen die Schweißperlen auf der Stirn, denn nur die wenigsten davon kann und darf er beantworten.
Der Grund: Am Abend zuvor hat Samsung den The Wall gezeigt. 8K-Auflösung, modulare Bauweise – und das ist am wichtigsten – Micro-LED-Bildschirm.
Auf die Frage, wann eine Version fürs Wohnzimmer kommen würde, hatte der Mann keine Antwort.
Jetzt wissen wir es: Nach Südkorea kommt ein Micro-LED-TV endlich außer Landes auch in die USA; ein weltweiter Launch ist geplant. Das schreibt der Hersteller in einer Pressemitteilung.
Endlich. Auch, wenn die Sache einen Haken hat.
Der Haken: Kein echter Micro-LED-TV
Um zu verstehen, warum Samsung keinen »echten« Micro-LED veröffentlicht, müssen wir verstehen, wie die Technologie funktioniert und wo ihre Vorteile liegen.
So funktioniert Micro-LED: Im Grunde ist Micro-LED wie OLED, nur eben anorganisch. Das bedeutet, dass die Pixel von selbst leuchten und winzig klein sind. Dadurch brauchen sie nicht nur keine Hintergrundbeleuchtung, sie sind auch modular beliebig einsetzbar.
Das sind die Vorteile von Micro-LED:
- Selbstemittierend, heißt, es ist keine Hintergrundbeleuchtung nötig.
- Höherer Kontrast im Vergleich zu LED.
- Perfektes Schwarz, ganz wie bei OLED.
- Keine Verschleißerscheinungen wie bei OLED und damit eine lange Lebensdauer.
- Schnelle Reaktionszeiten
- Modular einsetzbar, wodurch jede Displaygröße potenziell möglich ist.
Seit 2018 ist natürlich viel Wasser den Han-Fluss in Seoul heruntergeflossen. Im Juli 2024 sah es für Micro-LED schlecht aus, denn sowohl LG als auch Samsung haben nach Jahren ihren Fokus verschoben. Die Gründe:
- Die Technologie entwickelt sich nicht schnell genug weiter.
- Micro-LED-Geräte sind zwar günstiger geworden, die Preise bewegen sich allerdings immer noch im sechsstelligen Bereich.
- Micro-LED ist limitiert auf riesige Panels und ist damit für den häuslichen Gebrauch (noch) zu groß.
Eine Wendung kam im Januar 2025. Wir berichteten, dass Samsung wohl nur auf Micro-LED bei der Hintergrundbeleuchtung setzen könnte, anstatt den gesamten Bildschirm mit selbstleuchtenden auszustatten.
In einem Meinungskasten in der News schrieb ich:
Ja, das alles sind erst mal nur Zwischenschritte und der Weg zu bezahlbarem Micro-LED ist noch sehr lang. Dieses Jahr könnten allerdings diese Zwischenschritte genau die richtigen Puzzleteile sein, um das Bild irgendwann zu vervollständigen.
Ein »reiner« Micro-LED-TV ist das neue Modell von Samsung also nicht, aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
3:12
Habe ich die Zukunft gesehen? So sehr wie dieser TV hat mich noch nie ein neuer Fernseher begeistert
Was ist Micro-RGB-LED?
Das Display besteht zwar nicht vollflächig aus Micro-LEDs, neu sind dafür die RGB-LEDs, die uns Sony erstmals zeigte.
Das sind RGB-LEDs: Für die Hintergrundbeleuchtung von LED-TVs kommen üblicherweise einzelne weiße oder blaue LED zum Einsatz. Bei RGB-LED ist es so, dass stattdessen drei LEDs leuchten, und zwar in Rot, Grün und Blau (wie der Name vermuten lässt).
Auf einem Schaubild von Sony sieht das dann so aus:
Auf der linken Seite seht ihr, dass die Hintergrundbeleuchtung bunt ist. Das ist neu bei RGB-LED. (Bildquellen: Sony)
Das soll viele Vorteile bringen, so Sony:
- Breiteres Farbspektrum
- Höhere Spitzenhelligkeit
- Bessere Blickwinkelstabilität
- Weniger Clouding (Lichtwolken, die durch ungleichmäßige Beleuchtung entstehen)
- Leicht geringerer Stromverbrauch
Unterm Strich legt Samsung mit dem Micro RGB-LED-Fernseher erst mal einen Zwischenschritt ein. Das halte ich für sinnvoll, damit wir in ein paar Jahren hoffentlich echte Micro-LED-TVs werden haben können.
Und es bleibt immer noch die Krux mit dem Preis – selbst beim Micro-RGB-LED, bei dem nur die Hintergrundbeleuchtung aus MicroLEDs bestehen.
MicroLED-Info berichtet von einem Preis von 45 Millionen Won für den TV in Südkorea. Das entspricht rund 32.000 US-Dollar oder etwa 28.000 Euro. Der Fernseher ist zwar laut Samsung 115 Zoll groß und ein Premium-Produkt, aber diesen Preis werden sicherlich nur Early Adopter zahlen. Immerhin sind bei einem etwaigen globalen Lauch verschiedene Displaygrößen in Planung.
Ja, ich freue mich auf den TV, auch wenn ich bis zum »echten« Micro-LED-TV noch warten muss. Sollte sich der Preis irgendwann nach unten korrigieren, sehe ich aber selbst bei einem Micro-RGB-LED-Fernseher OLED bereits in Gefahr.







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