Es ist über sechs Jahre her, seit Samsung den Micro-LED-Bildschirm The Wall
auf der CES in Las Vegas vorgestellt hat. Ich war damals vor Ort und ich kann euch sagen: Ja, Micro-LED fühlte sich wirklich wie das nächste große Ding an.
Zeitsprung ins Jahr 2024 und wir fragen uns: Ja, wo sind sie denn, die Micro-LED-TVs (zumindest ich tue das)? Machen wir doch mal eine Wasserstandsmessung.
Was ist eigentlich Micro-LED und was sind die Vorteile?
Bevor ich meine Bestandsaufnahme mache, solltet ihr natürlich wissen, warum Micro-LED so ein großer Sprung in der massentauglichen TV- und Monitor-Sparte sein könnte.
So funktioniert Micro-LED: Im Grunde ist Micro-LED wie OLED, nur eben anorganisch. Das bedeutet, dass die Pixel von selbst leuchten und winzig klein sind. Dadurch brauchen sie nicht nur keine Hintergrundbeleuchtung, sie sind auch modular beliebig einsetzbar.
Das sind die Vorteile von Micro-LED:
- Selbstemittierend, heißt, es ist keine Hintergrundbeleuchtung nötig.
- Höherer Kontrast im Vergleich zu LED.
- Perfektes Schwarz, ganz wie bei OLED.
- Keine Verschleißerscheinungen wie bei OLED und damit eine lange Lebensdauer.
- Schnelle Reaktionszeiten
- Modular einsetzbar, wodurch jede Displaygröße potenziell möglich ist.
Verwechselt Micro-LED aber nicht mit Mini-LED. Das sind im Grunde »nur« kleinere LEDs:
Wo ist Micro-LED?
Nun, man kann nicht sagen, dass es keine Micro-LED-TVs gäbe, denn Samsung hat bei uns zumindest einen im Programm: den MNA110MS1ACXXE von 2021. Wollt ihr den 110-Zöller allerdings bei einem Händler erstehen, kostet euch das eine sechsstellige Summe.
Da sind wir auch schon beim Kern des Problems: Massentaugliche Micro-LED-Fernseher sind schlichtweg (noch) zu teuer. Im Juli dieses Jahres gab Samsung bei seinen Partnern an, man müsse die Produktionskosten um rund 90 Prozent senken, um die Geräte rentabel zu machen.
Die Konsequenz daraus war, dass Samsung die Produktion entgegen der Planung nicht erhöht. LG zieht seine Micro-LED-Forschungsteams sogar ab.
Ja, aber, liegt es nur an den Kosten? Nicht nur, denn eine Technologie wurde in den letzten Jahren so viel besser, dass sie Micro-LED starke Konkurrenz macht.
OLED ist zu gut geworden
Die TV-Welt war 2018 noch eine andere: OLED war immer noch relativ neu und Samsung wollte gar nicht erst in die Technologie investieren. Im Zuge dessen haben die Südkoreaner QLED als Marketing-Stunt aus der Taufe gehoben.
OLEDs damaliges Hauptproblem: zu niedrige Spitzenhelligkeit, also flachere Kontraste und nicht so knackige Farben. Dementsprechend sexy sah Micro-LED im Vergleich aus – was uns Journalisten unter anderem heiß auf die Technologie machte.
Sechs Jahre lang ist viel Wasser den Han-Fluss in Seoul hinuntergeflossen und während Micro-LED keine signifikanten Verbesserungen vorzuweisen hat, ist OLED Jahr für Jahr besser geworden.
Damit hat OLED die Lücke zu Micro-LED so gut wie geschlossen.
- OLED-Fernseher sind günstiger geworden: Es gibt sie mittlerweile für dreistellige Eurobeträge.
- OLED-TVs gibt es jetzt in allen Größen, in denen es LED-Fernseher auch gibt.
- OLED-TVs sind top ausgestattet, dass selbst Mittelklasse-Geräte Sonderfunktionen wie Gaming Features bieten.
- OLED hat seine Einbrenngefahr durch Reinigungsprogramme und Pixel-Shift in den Griff bekommen.
- OLED-Geräte sind im Zuge dessen langlebiger geworden.
- OLED-Fernseher haben an der Helligkeit geschraubt und müssen sich vor Geräten mit Hintergrundbeleuchtung kaum mehr verstecken.
Was bleibt da vom Kuchen für Micro-LED noch übrig? Eigentlich nicht mehr viel. Höchstens die Modularität, sodass jeder die TV- und Monitor-Größe haben könnte, die er oder sie möchte. Doch auch hier macht der Preis (noch) einen Strich durch die Rechnung.
Fazit: Die Zukunft von Micro-LED
Maxe Schwind
Die Technologie überzeugt, keine Frage. Ich habe sie live und in Aktion gesehen. Wenn die Hersteller allerdings nicht aus dem Quark kommen, sieht’s finster aus – und das scheint nicht der Fall zu sein, wie ihr weiter oben gelesen habt.
Micro-LED-TVs könnten noch fünf bis zehn Jahre entfernt sein, schreibt Techradar, die diese Information ihrerseits von Hersteller TCL haben – und dann wäre der Zug vermutlich abgefahren.
Logisch, die Luft für OLED wird langsam auch dünn. So starke Sprünge wie in den letzten Jahren sind hier nicht mehr zu erwarten. Nichtsdestotrotz sind die Vorteile von Micro-LED geschmolzen.
Modularität ist ein großes Plus, aber solange die Displays so teuer sind, werden sie Hollywood-Studios vorbehalten bleiben oder womöglich in irgendwelchen Malls hängen (das war zumindest ein stark genanntes Einsatzgebiet 2018).
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Und dann stehen da noch die Nachfolger in den Startlöchern. QD-LED aus dem Hause Samsung könnte einen ähnlichen Zweck erfüllen wie Micro-LED. QDEL von Sharp und PeLED auf Basis von Solarzellen mischen womöglich ebenfalls mit.
Ja, meiner Einschätzung nach könnte Micro-LED immer noch das nächste große Ding bei Fernsehern sein. Allerdings wird es jetzt echt Zeit, die Technologie aufzubohren und vor allem bezahlbar zu machen. Sonst sehe ich Schwarz für die kontrastreichen, langlebigen Modularpanels.
Wie schätzt ihr Micro-LED ein? Glaubt ihr, die Technologie hat noch eine Chance? Oder ist OLED mittlerweile zu weit gediehen? Schreibt es gerne in die Kommentare.







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