Ich wollte doch nur Kuchen ausliefern!
Das möchte ich dem Mann entgegenrufen, der bedrohlich mit gezogenem Schwert auf mich zuläuft. Doch stattdessen weicht Spielfigur Elise langsam zurück, stolpert plötzlich und fällt in einen dunklen Schacht. Das ist mal schnell eskaliert!
Dabei fing doch alles so harmlos an. Scarlet Deer Inn hatte ich als kostenlose Demo beim Steam Next Fest entdeckt und mich sofort von den Screenshots verzaubern lassen.
Die versprachen ein idyllisches Mittelalterdörfchen, das von handgestickten (!) Menschen und Tieren bevölkert wird. Und eine emotionale Geschichte mit faszinierenden Charakteren. Das alles war auch nicht gelogen, mit der plötzlichen Wendung der Story hatte ich trotzdem nicht gerechnet.
Eine trügerische Mittelalter-Idylle
Zu Beginn scheint sich mein Eindruck noch zu bestätigen. Als Tavernenbesitzerin und Mutter erledige ich einige alltägliche Aufgaben, spreche mit Dorfbewohnern und dem örtlichen Priester, ärgere mich über einen sturen Esel und passe auf meine Tochter auf. Das fieseste hier ist die Omi, die jeden zu Botengängen verdonnert.
In den ersten Minuten genieße ich vor allem die gut gelungene Mittelalter-Atmosphäre. Ich laufe durch die Gassen meines kleinen Dorfes, die glücklicherweise nicht dem Klischee entsprechend voller Schmutz sind, und sehe mir die Fachwerk- und Holzhäuser an.
Reines Sightseeing betreibe ich allerdings nicht, denn die Omi verlangt, dass ich einige Kuchen an ihre Freunde und Bekannten liefere. Dabei muss ich auch mitdenken und etwa das Gebäck ohne knusprige Kruste an den richtigen Nachbarn liefern - der ist nämlich Alkoholiker und obendrein ein leicht reizbarer Zeitgenosse.
Schon hier wird deutlich, dass in meinem Dorf längst nicht alles in Ordnung ist. Ich denke mir aber nichts dabei. So ist das Leben eben manchmal.
Eine grausige Entdeckung
11:29
Im Mittelalter-Abenteuer Scarlet Deer Inn nimmt unser idyllischer Ausflug eine dramatische Wendung
Als der störrische Esel endlich den Weg freigemacht hat, wage ich mich aus dem Dorf hinaus, der nächste Kuchen soll nämlich zum Imker. Als ich ihn auf seinem Gehöft nicht antreffe, aber Geräusche aus dem Keller höre, beschließe ich nachzugucken - die Omi soll schließlich zufrieden sein.
Nichtsahnend spaziere ich ins Gewölbe, das überraschend groß ist, und laufe immer weiter. Langsam beschleicht mich ein beklemmendes Gefühl. Ich trete in einen Raum, der gefüllt ist mit Eisblöcken - und am Ende liegt auf einer Art Altar ein Kind, bewegungslos und mit geschlossenen Augen. Bevor ich darüber nachdenken kann, was hier passiert, höre ich, wie hinter mir ein Schwert gezogen wird ...
Witcher aus der Sicht einer Tavernenwirtin?
Tatsächlich erinnert mich Scarlet Deer Inn ab diesem Moment sehr an The Witcher. Das liegt an der Verbindung aus osteuropäischem Mittelaltersetting und der offenbar sehr düsteren Story, in der auch Monster aus der slawischen Folklore lauern. Die Lieder des Soundtracks, gespielt auf traditionellen Instrumenten (von den beiden Entwicklern selbst), verstärken diesen Eindruck noch.
Nach der Begegnung mit dem mörderischen Imker wird mein idyllischer Morgen schnell zum Überlebenskampf. In den Gängen einer alten Mine eile ich von Feuerschale zu Feuerschale - denn in der Dunkelheit warten tödliche Kreaturen. Meine einzige Hilfe ist eine lausige Fackel, die kaum eine halbe Minute brennt, bevor ich sie erneut entzünden muss.
Ich suche also nach versteckten Gängen und Hebeln, um mich langsam vorzuarbeiten. Die kleinen Rätsel werden nicht allzu schwer, ich muss lediglich mit Objekten um mich herum interagieren. Bestimmte Gegenstände aus dem Inventar an der richtigen Stelle zu verwenden, scheint dagegen keine Option zu sein. Ob das Gameplay noch viel abwechslungsreicher wird, ist fraglich.
Spannend ist Scarlet Deer Inn aber trotzdem schon mit dem Auftakt seiner Geschichte, der viele Fragen offen lässt. Wer weiß, welch düsteres Geheimnis in den Bergen seiner Entdeckung harrt?
Fazit der Redaktion
Tillmann Bier
@GameStar_de
Wie die ungefähr 20 anderen Demos, die ich beim Steam Next Fest gerne ausprobieren würde, habe ich Scarlet Deer Inn vor dem Spielen nicht allzu genau unter die Lupe genommen. Ich freue mich aber, dass ich es ausprobiert habe und bin schon gespannt auf das fertige Spiel, das bisher noch kein Releasedatum hat.
Denn das Abenteuer fühlt sich für mich einfach sehr nach The Witcher an, das ich auch wegen seiner tollen und einzigartigen Atmosphäre liebe. Scarlet Deer Inn verbindet ebenso eine nüchterne und düstere Mittelalterwelt mit unheimlichen Geschichten und slawischen Mythen.
Natürlich bleibt die Frage offen, wie lang und wie gut das Abenteuer seine Geschichte erzählen und die tolle Atmosphäre des Anfangs aufrechterhalten kann. Da das Spiel lediglich von einem zweiköpfigen Entwicklerteam entwickelt wird, sollte man wahrscheinlich von nicht allzu viel Umfang ausgehen. Doch das könnte Scarlet Deer Inn dadurch ausgleichen, wie liebevoll es gestaltet ist.
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