4. Shinto – Die japanische Geisterwelt
Apropos Shinto: Das neue Gameplay ist durchtränkt mit Anspielungen auf die japanische Staatsreligion, die neben dem Buddhismus das alltägliche Leben im Land der aufgehenden Sonne bestimmt.
Und auch das ist natürlich kein Zufall: Der Shintoismus umfasst auch den Glauben an Geister, Gottheiten, Ahnen, Exorzismen und und und. Damit liefert die Religion also die perfekte Vorlage für psychologischen Horror in einem Dorf, das am Rande zur Anderswelt entlang tänzelt.
Der Shintoismus begegnet uns in unterschiedlichsten Formen. Mal hören wir beispielsweise den Gebetsgesang eines shintoistischen Priesters, während Hinako ein Monster mit einem Rohr bearbeitet. Die rhythmischen Gebete werden Norito genannt und sollen Dankbarkeit und Respekt gegenüber den Kami, also Gottheiten, ausdrücken.
Viele Szenen des neuen Gameplays spielen sich auch auf dem Gelände eines Shinto-Schreins ab. Das erkennt man an den roten Torii, die den Übergang zum heiligen Schrein markieren. Vermutlich handelt es sich hier um eines der ersten Gebiete in der Anderswelt, das wir in Silent Hill f erforschen können – und das mit Hinakos Freundin Sakuko in Verbindung steht.
So sehen wir beispielsweise auch, wie Hinako auf der Suche nach ihrer Freundin durch eine riesige Schrein-Anlage läuft, die von Wasser umgeben ist. Wasser spielt im Shinto eine große Rolle, denn es steht für die Reinigung von Körper und Geist. Kann das ein Hinweis dafür sein, dass Hinako sich von etwas reinwaschen muss oder möchte? Welche Sünde könnte sie begangen haben? Ist Sakuko deshalb … milde gesagt … so schlecht auf sie zu sprechen?
Weitere Symbolik aus der Religion offenbart sich uns in Form von Puppen und Masken. Viele der Gegner erinnern an Marionetten oder setzen sich komplett aus Püppchen zusammen. Puppen sind im Shinto weit verbreitet und können Glücksbringer oder Schutzamulette darstellen, aber auch Gottheiten oder Menschen symbolisieren. Auch Masken werden in Zeremonien verwendet und dienen beispielsweise dazu, Gottheiten, Geister oder Yokai zu verkörpern.
Spannend: In einem der ersten Trailer sehen wir, wie sich Hinakos eigenes Gesicht wie eine Maske abschält. Welche Rolle spielt sie? Macht sie sich selbst und uns Spielern etwas vor? Hach, so viele Fragen!
5. Die blühende Schönheit des Horrors
Silent Hill f strotzt nur so vor Symbolismus und einen Teil davor könnt ihr gar nicht übersehen: Überall wuchern Blumen. Und das ist auch kein Zufall. Denn die Blüten spielen in der japanischen Kultur eine extrem wichtige Rolle und sind damit weit mehr als einfach nur eine schickes neues Gimmick.
In Japan schreibt man Blumen bestimmte Bedeutungen zu – diese Praxis stammt aus Religionen, wie etwa dem Shintoismus. Kirschblüten stehen in dem Glauben für Schönheit und Vergänglichkeit. Eine Chrysantheme ist ein Symbol für Langlebigkeit und Vollkommenheit und Lilien versinnbildlichen Reinheit und Wiedergeburt.
Man kann sich schon vor dem Release in der ganzen Blumen-Symbolik komplett verlieren – denn Silent Hill f scheint nicht eine einzige Blüte zufällig zu platzieren.
Die auffälligste Blume ist beispielsweise die rosarote Spinnenlilie. Die sieht mit der knallroten Farbe und den dünnen Ärmchen auf der Blüte nicht nur herrlich gruselig aus – sie hat in Japan auch eine ganz besondere Bedeutung: Diese Lilien wachsen häufig an Friedhöfen. Deswegen gelten sie als Übergang zum Totenreich und werden grundsätzlich mit dem Tod und der Erinnerung an Verstorbene in Verbindung gebracht. Außerdem blühen sie im Herbst, dem Übergang zum kalten Winter.
Kein Wunder also, dass diese wunderschönen, aber schaurigen Blumen mit der Anderswelt und ihren Monstern in Verbindungen zu stehen scheinen.
Eine weitere sehr auffällige Pflanze ist die Kamelie: Sie taucht im Shinto-Schrein, an Hinakos Klamotten und sogar als Speichersymbol auf. Ihre Blätter findet man auf alten Gemälden des Gottes Ebisu und sie steht für Schönheit, Ausdauer und Langlebigkeit. Und was verkörpert Langlebigkeit besser als Abspeichern? Eben!
Die Kamelie hat aber auch eine andere Seite: Ihre Blüte symbolisiert nämlich Liebe und einen schnellen Tod – da die Blume alle Blätter schnell auf einen Schlag verliert. Ihr seht schon: Allein in den Blumen stecken so viele Anspielungen und versteckte Botschaften.
6. Ein neuer Fokus auf Action
Obwohl Kämpfe nie die große Stärke der Silent-Hill-Reihe waren, möchte Silent Hill f einen besonderen Fokus auf die Kampf-Mechaniken legen. Neben der Lebensanzeige müssen wir auch auf Hinakos Ausdauer aufpassen. Das junge Mädchen hat nämlich nicht unendlich Kraft, um mit den unterschiedlichsten Nahkampfwaffen zuzuhauen. Pistolen oder andere Fernkampfwaffen wird es dieses Mal übrigens nicht geben.
Zusätzlich zur Ausdauer müssen wir auch noch die Haltbarkeit der Waffen im Auge behalten. Denn mit jedem Schlag nimmt der Halbmond, den ihr links neben Lebens- und Ausdaueranzeige seht, ab. Sinkt die Anzeige auf Null ist die Waffe unbrauchbar – außer ihr repariert sie mit einem Reparatur-Kit. Die sollen aber recht rar sein und sollten wohlbedacht eingesetzt werden.
Und dann gibt es auch noch die Fokus-Anzeige, die ihr an der Blumenleiste über Hinakos Lebenspunkten erkennt. Die Blumen erinnern an die roten Spinnenlilien, von denen wir bereits vorhin erzählt haben. Eine passende Symbolik, schließlich steht die Leiste in Verbindung mit der Otherworld und zeigt Hinakos mentalen Zustand.
Zieht in der japanischen Kleinstadt Ebisugaoka beispielsweise wie roter Nebel und starker Wind auf, knabbert er langsam, aber stetig, an der Leiste. Passiert um das Schulmädchen herum also etwas, was ihr Angst einjagt, verkürzt sich die Leiste dauerhaft. Zum Glück gibt es Items, mit denen der mentale Zustand wieder verbessert werden kann. Und das ist auch wichtig, denn die Blumenleiste braucht Hinako, um einen speziellen Fokus-Modus zu aktivieren.
Im Fokus-Zustand hat sie mehr Zeit, um den passenden Moment abzuwarten und ihren Gegnern einen Gegenangriff reinzudrücken. Oder sie lädt ihren Angriff auf, um das Gegenüber zum Taumeln zu bringen.
Sollte Hinakos mentale Gesundheit auf Null sinken, könnte sie im schlimmsten Fall erstarren und sich nicht mehr vom Fleck bewegen. Das Management von mentalem Zustand und Ausdauer ist damit äußerst wichtig. Ganz so hart wie in einem Soulslike soll es laut Entwickler nicht werden, aber erste Anspiel-Berichte erzählen davon, dass besonders Bosskämpfe selbst auf normalem Schwierigkeitsgrad durchaus anspruchsvoll ausfallen.
Was hingegen immer noch etwas stört: Das Trefferfeedback wirkt noch etwas durchwachsen. Die Schläge selbst lösen kaum Reaktionen bei den Feinden aus. Erst durch Sound und Blut- und Blütenspritzer merken wir etwas. Außerdem ist noch unklar, ob sich derartige Action-Kämpfe in das sonst so intensiv-schaurige Gameplay einfügen können, ohne den feinen Atmosphäre-Nebel zu verscheuchen.
Wie sich die Kämpfe tatsächlich anfühlen, erfahren wir, wenn wir am 25. September selbst Hand anlegen können. Übrigens wird es fünf verschiedene Enden geben. Beim ersten Durchspielen erwartet uns alle dasselbe Ende.
Erst ab dem zweiten Durchlauf können wir eins der anderen vier Enden erspielen – eins davon soll auch eine Hommage an das berühmte UFO-Ende sein. Mit etwa 12 Stunden soll Silent Hill f ein eher kurzes Erlebnis werden.
Wir werden das neue Survival-Horrorspiel auf der gamescom für euch anspielen und über unsere Eindrücke berichten. Bis dahin könnt ihr uns ja in den Kommentaren verraten, was ihr bisher vom neuesten Ableger haltet und wie euch die Änderungen bei den Kämpfen gefallen.
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