13 Jahre lang warten Silent-Hill-Fans nun schon auf eine richtige Fortsetzung der Survivalhorror-Reihe. Und am 25. September 2025 ist es endlich soweit: Silent Hill f belebt nicht nur das Franchise wieder, sondern bringt auch eine Menge Änderungen.
So spielt ein Silent-Hill-Spiel zum ersten Mal in einem japanischen Dorf, was eine Bandbreite neuer Möglichkeiten eröffnet. Außerdem lassen sich die Entwickler von modernen Action-Spielen inspirieren und legen einen stärkeren Fokus auf Kämpfe, als Fans es bisher gewohnt waren. Was das alles heißt und welche spannenden Details sonst noch in Silent Hill f stecken, haben unsere Horror-Koryphäen und leidenschaftliche Analysten Jonas und Natalie für euch aufgedröselt.
Denn das neue Gameplay könnte schon viel mehr über das Spiel verraten, als es auf den ersten Blick scheint:
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1. Nihon e youkoso – Willkommen in Japan
Als erstes schauen wir uns das Setting genauer an. Erstmals spielt ein Silent Hill nicht in der titelgebenden, fiktiven amerikanischen Kleinstadt. Stattdessen geht’s dieses Mal ins ebenfalls fiktive Ebisugaoka, also nach Japan.
Dem Ort ging es früher dank einer Kohlemine und dem Bau von Staudämmen finanziell sehr gut. Doch das ist in Silent Hill f lange her und Ebisugaoka ist nur noch ein Schatten dieser glorreichen Tage. Man könnte diesen Abschwung auch als Strafe eines Gottes sehen.
Immerhin setzt sich der Name Ebisugaoka aus »Ebisu« und »Gaoka« zusammen. »Ebisu« ist eine Gottheit, die als Beschützer von Anglern und Händlern gilt, »gaoka« bedeutet so viel wie Hügel oder Hang. Und wer dem Beschützer der Angler das Wasser per Staudamm wegsperrt, sollte sich über Probleme nicht wundern …
Fun Fact: So ein bisschen bleibt die Reihe damit doch in Silent Hill. Denn der Gott Ebisu ist zwar nicht leise oder stumm, dafür wird er in manchen Quellen als verkrüppelt und taub beschrieben. »Gaoka« bedeutet ja zudem Hügel, oder im Englischen Hill – Ebisugaoka spielt damit immerhin stark auf den Namen Silent Hill an.
Aber zurück zu Silent Hill f. In den 1960er Jahren taucht plötzlich ein mysteriöser Nebel auf und verschleiert die gesamte Stadt. Außerdem sprießen überall merkwürdige rote Blumen. Und genau da beginnt das Horrorspiel in dem scheinbar verfluchten Ort.
Silent Hill f wird, wie von der Reihe gewohnt, eine lineare Erfahrung mit offeneren Gebieten. Ein Blick auf die Ingame-Karte zeigt, wie verschachtelt Ebisugaoka aufgebaut ist. Das Dorf soll auch eine große Rolle einnehmen. Hier läuft man nicht nur von Gebäude zu Gebäude – die Erkundung des Dorfes soll wieder wichtiger werden. Man kann viele der kleinen Häuser frei erkunden. Also wieder mehr Silent Hill 1 und weniger Silent Hill 2. Außerdem verstecken sich in den vielen Ecken und Winkeln überall Monster.
»Dungeons«, wie etwa das Krankenhaus in Silent Hill 2, wird es in Ebisugaoka trotzdem geben. Bislang haben wir eine Schule, einen Shinto-Schrein und ein Feld gesehen. Gerade das Feld zeigt, wie Silent Hill f Dungeon und den dörflichen Charme von Ebisugaoka wunderbar kombiniert. Man rätselt sich durch ein geschlossenes Gebiet, ist aber nach wie vor draußen.
Natürlich darf in einem Silent Hill auch die Otherworld nicht fehlen, also eine Art Parallelwelt, die sich bislang durch die mystischen Kräfte der Stadt Silent Hill manifestierte.
Ebisugaoka ist ja aber ein bisschen weiter weg und entsprechend sieht die alternative Welt anders aus. Hier verzichtet die Parallelwelt auf Rost und Dreck und verwandelt die Umgebung zurück in die Zeit des feudalen Japans.
2. Die Geschichte eines Schulmädchens
Auch bei der Story bleibt Silent Hill f offensichtlich der Serientradition treu. Dafür schauen wir uns als zweites die Charaktere an. Protagonistin ist dieses Mal die Schülerin Hinako Shimizu. Die Teenagerin leidet unter dem Druck von Freunden, der Familie und der Gesellschaft. Sie wurde in den letzten Jahren immer stiller und verwandelte sich vom fröhlichen Kind in ein Mädchen, das kaum noch lächelt.
Wen wir ebenfalls schon gesehen haben, ist Iwai Shu: Er ist ein Kindheitsfreund von Hinako und für die 60er Jahre ziemlich progressiv – denn er sieht alle Menschen gleich und pflegt auch Freundschaften zu Mädchen. Er kennt sich zudem sehr gut mit Medizin aus, da seine Familie bereits seit Generationen in der Branche arbeitet.
Als drittes gehört Nishida Rinko zur Truppe. Die Freundin von Hinako und Shu ist eine richtige Tratschtante und natürlich über jedes Gerücht informiert. Sie ist zudem sehr romantisch und heimlich in Shu verliebt.
Zu guter Letzt wird Igarashi Sakuko eine wichtige Rolle spielen. Das verträumte Mädchen mit einem Sinn für Humor wacht mit ihrer Familie über den örtlichen Shinto-Schrein. Deswegen hilft sie bei Ritualen auch hin und wieder aus.
Zu Beginn des Spiels will Hinako nach einem Streit mit ihrem betrunkenen Vater zu ihren Freunden laufen. In dem dichten Wasserdampf trifft sie dann aber schnell auf gruselige Kreaturen und will nun herausfinden, was zur Hölle hier abgeht. Dabei muss sie sich laut offizieller Beschreibung zwischen Eleganz und Schönheit oder Wahnsinn und Grauen entscheiden.
Thematisch erwartet uns hier also eine Dualität von schön und schrecklich – was nicht nur zum Horror-Setting, sondern auch zur japanischen Kultur passt. Denn dort stehen Gegensätze immer wieder im Fokus.
Zudem fallen immer wieder in scheinbar normalen Gesprächen plötzlich Wörter wie »Verräter«, oder Sprüche wie »Du hast versprochen, dass wir immer zusammen bleiben!«
Das ist auch kein Wunder, denn Silent Hill f wird sich thematisch um Weiblichkeit, traditionelle Rollenbilder, Familienmissbrauch, das Erwachsenwerden und die damit verbundenen Änderungen innerhalb einer Freundesgruppe drehen.
Damit würde das Spiel auch der Serientradition treu bleiben: Silent Hill behandelte immer wieder die Aufarbeitung von traumatischen Ereignissen – nichts, was hier passiert, ist »nur« reines Gameplay. Alles hat eine Bedeutung.
3. Das japanische Grauen
Es gibt noch mehr Anhaltspunkte, die fürs Thema Mobbing oder die Aufarbeitung eines persönlichen Traumas sprechen würden. Schauen wir uns dafür die Gegner ein bisschen genauer an.
Einer der Gegnertypen ist eine puppenartige Frauengestalt, die auf den Namen Kashimashi hört. »Kashimashi« bedeutet im Japanischen »laut, lärmend oder ungestüm« und wird oft mit tratschenden Frauen in Verbindung gebracht.
Das könnte eine Anspielung darauf sein, dass Hinako Lästereien und Gerüchten ausgesetzt ist, die lautstark über sie verbreitet werden. Im Gameplay beobachten wir beispielsweise auch eine Szene, wo sich zwei Frauen abwertend über eine Familie und einen angeblichen Fluch unterhalten.
Der zweite Gegnertyp sieht aus wie Hinakos Mitschülerinnen. Die sogenannten Ayakakashi tragen dieselbe Schuluniform wie Hinako und ihre Freunde – weisen aber auch Verstümmelungen auf, die sie aussehen lassen wie Vogelscheuchen. Und das passt perfekt zum Namen: Ayakakashi könnte sich aus den Wörtern »Ayashii« und »Kakashi« zusammensetzen. »Ayashii« bedeutet so viel wie »verdächtig, suspekt, dubios«. »Kakashi« ist in dem Fall nicht der Typ aus Naruto, sondern heißt schlicht »Vogelscheuche«.
Spannend: In Japan werden Vogelscheuchen häufig mit der Gottheit Kuebiko in Verbindung gebracht, die für Weisheit steht. In Kombination mit dem »ayashii« wird den gruseligen Schulmädchen also jegliche Weisheit entzogen und sie wirken wie Gören, die nur Stroh im Kopf haben. Könnte das ein weiterer Hinweis darauf sein, dass Hinako dummem Geschwätz oder Mobbing ausgesetzt ist?
Übrigens sollen die Vogelscheuchen auch mit einem Kindheitstrauma zusammenhängen: Die kleine Hinako hatte sich in einem Feld verlaufen und sich vor den Stroh-Konstrukten erschreckt. Aber vielleicht steckt ja tatsächlich noch mehr dahinter!
Den wohl größten Hinweis, dass wir es hier mit sehr persönlichen Problemen von Hinako zu tun haben, liefert der erste Blick auf einen der Bosse: im Gameplay sehen wir nämlich niemand Geringeren als Sakuko, Hinakos Freundin, die uns in Monstergestalt gegenüber tritt.
Sie ist in ein zeremonielles Gewand gehüllt und mit einer Aureole, also einem Strahlenkranz, ausgestattet. Ihre Gestalt erinnert an eine verzerrte und furchteinflößende Interpretation der Sonnengottheit Amaterasu, der wichtigsten Göttin im Shinto-Glauben. Ihre Augen sind geschlossen und in ihrer Brust klafft ein Loch. Sie ist es auch, die Hinako ein schlechtes Gewissen einredet und ständig wiederholt, dass sie ja versprochen hätte, sie nicht allein zu lassen.
Dass Sakuko hier derart von shintoistischer Ikonografie überflutet wird, ist kein Zufall: Schließlich stammt sie aus der Familie, die sich um den örtlichen Schrein kümmert, und hilft bereits bei Ritualen und Zeremonien aus.
Könnten die geschlossenen Augen vielleicht dafür stehen, dass Sakuko zwar das Antlitz einer Heiligen hat, die Augen aber vor Hinakos Problemen verschließt? Stellt das Loch in der Brust ein fehlendes Herz dar? Handelt es sich hier wirklich um Sakuko – oder nur eine verzerrte Version aus der Otherworld? Und treten wir im Laufe des Spiels vielleicht auch Hinakos anderen Freunden, Shu und Rinko, in einem Kampf gegenüber?
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