So richtig zur Ruhe kommt der Markt für PC-Komponenten nicht. Ich erinnere mich noch mit Grusel-Gänsehaut an die GPU-Knappheit vor einigen Jahren. Jetzt also Speicherprodukte, toll. RAM ist in den letzten Monaten im Preis nicht nur gestiegen, der Preis ist explodiert.
Schaut besser gar nicht erst, was gerade bei SSDs passiert. Und Grafikkarten sind das nächste Problem, die sind im Idealfall ja auch mit Speicher vollgestopft. Sich einen neuen PC theoretisch zusammenzustellen ist eine frustrierende Aufgabe geworden. Den PC dann auch zu kaufen: fast unerschwinglich.
Ein Ende der auch durch den steigenden Bedarf von KI-Rechenzentren und deren Zahlungsbereitschaft angeheizten Krise ist nicht in Sicht. Der Speichermangel wird daher wohl spürbare Auswirkungen auf den PC-Markt haben – alles, was viel Speicher benötigt, dürfte schon bald irgendwie umgangen und ersetzt werden müssen.
Ich sehe drei Dienste, die vom Speichermangel profitieren dürften – Zeit vielleicht schon einmal über ein paar neue Gewohnheiten nachzudenken.
Ein Hersteller gewinnt gleich doppelt: Nvidia
Die Speicherkrise ist nicht nur einem Protagonisten zuzurechnen: Rechenzentren für KI wachsen wie Pilze aus dem Boden, bislang war eher ihr Energiebedarf in der Kritik aber nicht die Menge der benötigten Rechenhardware.
Beim Verkauf von Grafikchips hat Nvidia bereits die Wahl, ob die GPU und der GDDR-Speicher für KI-Beschleuniger oder für Gamer-Grafikkarten genutzt werden soll – der Preissprung im Highend wie der RTX 5090 auf inzwischen über 3.000 Euro hängt auch damit zusammen. Auf einer KI-Karte könnte Nvidia die Chips aber sogar noch teurer verkaufen.
Erste Grafikkartenlinien werden bereits eingestellt. Wer sich dieses oder kommendes Jahr einen PC gönnen will, wird also noch teurere Alternativen oder ebenfalls teure aber langsame Grafikkarten kaufen müssen. Oder die teuren Komponenten übergehen und auf Alternativen setzen.
Und hier kommt (unter anderem) wieder Nvidia ins Spiel: Geforce Now ist als Abodienst erfreulich unabhängig von eigenen GPU-Upgrades. Auf einem virtuellen PC mit fetter Grafikkarte per Streaming zu spielen, funktioniert – eine stabile Internetverbindung vorausgesetzt – schon sehr gut. Und die Kosten für das Abo wirken verträglicher als den Gegenwert eines Gebrauchtwagens für eine Grafikkarte hinzulegen.
Nvidia kann dabei schlecht verlieren: Sie stellen beliebte Grafikkartenmodelle (die mit viel Speicher) ein und zwingen Gamer mehr oder weniger zum Streaming – an dem sie ebenfalls verdienen.
PCs mit weniger Speicher sorgen für zwei weitere Gewinner
Nicht nur Gaming-PCs brauchen RAM, auch Office-Systeme fühlen sich mit ausreichend Arbeitsspeicher besser an. Günstig lässt sich ein solcher Rechner aber nicht mehr bauen, Desktops und Laptops werden 2026 entsprechend in jeder Leistungsklasse einen Preissprung hinlegen.
Allerdings gibt es eine günstige Alternative, die mit weniger Siliziumgold in Form von Speicherbausteinen auskommt: Googles Chromebooks. Das Konzept dieser Geräte ist einfach: Idealerweise werden alle Anwendungen in der Cloud genutzt statt direkt auf dem System. Dafür reicht auch Minimalhardware, selbst lächerliche vier Gigabyte RAM können bereits genug sein.
Mittlerweile bietet Google eine reiche Auswahl an Cloud-Apps für Chromebooks an, Google Docs als Cloud-Office war nur der Anfang. Zum Arbeiten reicht es, zumindest solange das Internet stabil läuft. In Deutschland ist das ja auch nicht überall ausreichend schnell gegeben. Trotzdem werden sich Hardwareleichtgewichte mit ChromeOS oder sogar Tablets und Smartphones mit Android als Arbeitsgeräte weiter verbreiten.
Linux auf dem Vormarsch: Der Pinguin bekommt seine Chance
Während Microsoft gerade erst viele Leute zum Umstieg auf Windows 11 gezwungen hat, ist Linux deutlich flexibler. Auch, was die Menge an idealerweise vorhandenem RAM angeht: Es gibt sogar aktuelle Distributionen, die speziell für Systeme mit wenig RAM gedacht sind.
Auch beim Gaming erwacht der Kampfgeist des Pinguins, aufgeputscht durch Valve und deren SteamDeck – und natürlich durch die kommende Steam Machine und sogar die VR-Brille Steam Frame. Diese Systeme nutzen Linux auf eher schwacher Hardware und auch nur begrenztem Speicher.
Windows-Games lassen sich dank Proton oft erstaunlich gut spielen, auch hier hat Valve maßgeblich mitgearbeitet. Die Steam Machine macht es nur wahrscheinlicher, dass mehr Entwickler ihre Spiele auch für linuxbasierte Hardware mit eingeschränkter Hardware optimieren.
Wenn ein neuer Windows-PC aufgrund des verschwenderischen Umgangs mit Arbeitsspeicher bei Microsoft immer unerschwinglicher wird, könnte Linux tatsächlich relevante Marktanteile für sich erobern.
Fazit: Jede Krise bringt auch Neues hervor
Sollte der Mangel an Speicherchips länger anhalten, könnte das die PC-Welt (und nicht nur die) spürbar aufmischen. Streaming könnte sich noch stärker verbreiten, ressurcenschonende Betriebssysteme und Anwendungen ebenfalls. Für Valve beziehungsweise Linux als Betriebssystem, Google und Nvidia dürfte sich das schnell in Form von Marktanteilen auszahlen.
Und wir Gamer? Wir müssen wohl erst einmal mit Stagnation leben lernen. Spiele, die 64 Gigabyte RAM ausreizen? Schwierig. Spiele, die sich auf 16 Gigabyte Speicher der Grafikkarte ausruhen? Ebenfalls nicht einfach, wenn nur noch vierstellig bepreiste Highendkarten so viel Speicher mitbringen. Da könnte der Griff zum Geforce-Now-Abo die Zeit bis zu Preissenkungen sogar recht gut überbrücken.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.