Harte neue Altersschranken für Spiele in Europa – was passiert bei uns?

Die PEGI setzt strenge Regeln für Spiele mit simuliertem Glücksspiel in Europa um. In Deutschland ist die USK zuständig. Wir haben ein Statement.

von Christian Just,
08.09.2021 06:40 Uhr

Die PEGI setzt auf harte Maßnahmen, um Glücksspielmechaniken in Videospielen kenntlich zu machen. Die PEGI setzt auf harte Maßnahmen, um Glücksspielmechaniken in Videospielen kenntlich zu machen.

Das für Europa zuständige Alterseinstufungssystem Pan European Game Information (PEGI) wertet künftig erheblich strenger, wenn es um Glücksspiel in Computerspielen geht. Sollten Spiele Mechaniken enthalten, die Glücksspiel anleiten, realistisch darstellen oder glorifizieren, erfolgt automatisch eine Einstufung »ab 18 Jahren« - mit entsprechendem Vermerk auf der Produktpackung.

Die PEGI nimmt Alterseinstufungen in 38 europäischen Ländern vor, zum Beispiel in Österreich und der Schweiz, nicht jedoch in Deutschland. Hierzulande ist die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) zuständig. In Anbetracht der veränderten Handhabung bei der PEGI stellten wir eine Anfrage bei der USK, ob auch in Deutschland künftig strengere Einstufungen zu erwarten sind. Hier lest ihr die ausführliche Antwort.

Das Thema Jugendschutz in Videospielen nahm in den letzten Jahren in der Politik an Fahrt auf. Auch deutsche Gesetzgeber widmen sich Lootboxen und Glücksspiel:

BRD-Gesetzgeber gegen Lootboxen   91     5

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Prüfung im Einzelfall

Die USK erklärte gegenüber der GameStar, dass das Thema Glücksspiel bereits seit längerem auf der Agenda stehe. Auch seien bereits konkrete Maßnahmen aktiv, die Prüfstelle sehe aber von einer pauschalen Behandlung ab und prüfe Spiele stattdessen weiterhin im Einzelfall.

"Tatsächlich hat sich auch der Beirat der USK bereits im Juni 2020 mit diesem Thema befasst und die Leitkriterien der USK um "Glücksspiel" als eigenen Aspekt der Wirkungsmacht erweitert. Dies war eine Reaktion auf die sich verändernde Games-Landschaft, in der sich glücksspielähnliche Elemente insbesondere im Online-Bereich bei sogenannten Casino-Apps und casinoähnlichen Apps etabliert haben.

Im Gegensatz zu PEGI werden Spiele bei der USK innerhalb von unabhängigen Gremien bestehend aus Jugendschutzsachverständigen und staatlichen Vertreter*innen der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB) diskutiert und anschließend über die Altersfreigabe entschieden. Es wird demnach jeder Einzelfall abgewogen und entschieden, sodass eine pauschale Anhebung der Altersfreigabe nicht erfolgt.

Innerhalb dieses ersten Jahres wurde das Element der Glücksspielthematik in nur wenigen geprüften und für den physischen Verkauf bestimmten Spielen als jugendschutzrelevant und entwicklungsbeeinträchtigend für entsprechende Altersgruppen angesehen. Die Entscheidung zu einer höheren Alterseinstufung betraf insbesondere Japanese Role-Playing Games (JRPGs), Casino-Games und Management-Spiele, in denen die Glückspielthematik in ihrer Darstellung und Aufmachung einen relevanten Teil des Spielverlaufs ausgemacht hat.

Insgesamt können sich Anhaltspunkte für die Jugendschutzprüfung unter anderem aus der Rahmenhandlung des Computer- oder Videospiels, dem Anteil am Gesamtspiel (Zentralität des Glücksspielthemas) oder aus glücksspielähnlichen Mechanismen und Ausgestaltungen sowie deren Einbettung in ein kinderaffines Setting ergeben. Konkret wird dabei überprüft, ob Spielinhalte vorliegen, die zu einer Gewöhnung an beziehungsweise Verharmlosung von Glücksspiel führen können, indem sie eine positive Einstellung gegenüber Glücksspielen fördern, zur Desensibilisierung gegenüber Spielverlusten beitragen oder unrealistische Gewinnerwartungen hervorrufen."

Wie eingangs erwähnt, die PEGI geht da anders vor: In vielen Ländern, darunter in Österreich und der Schweiz, erfolgt die Kennzeichnung »ab 18 Jahren« pauschal, sobald bestimmte Kriterien erfüllt wurden. Allerdings gibt es auch hier kontextuelle Ausnahmen.

Wie die PEGI entscheidet

Nintendolife.com erhielt vom für die PEGI in Großbritannien zuständigen VSC Game Rating Board eine genauere Erklärung, wie die Einstufung vorgenommen wird:

"Im Jahr 2020 wurden die PEGI-Kriterien dahingehend geändert, dass künftig alle Spiele mit bewegten Bildern, die "die Nutzung von Glücksspielen lehren und/oder verherrlichen, die als traditionelles Mittel des Glücksspiels gespielt/ausgeführt werden", mit PEGI 18 bewertet werden.

Dies bezieht sich auf Arten von Wetten oder Glücksspielen um Geld, die normalerweise in Casinos, Spielhallen oder auf Rennbahnen gespielt oder durchgeführt werden. Dies gilt nicht für Spiele, bei denen Wetten oder Glücksspiele einfach Teil der allgemeinen Handlung sind. Das Spiel muss dem Spieler tatsächlich beibringen, wie man spielt oder wettet, und/oder das Glücksspiel verherrlichen. Dazu gehören zum Beispiel Spiele, bei denen der Spieler lernt, wie man Kartenspiele spielt, bei denen normalerweise um Geld gespielt wird, oder wie man die Chancen bei Pferderennen nutzt."

Nintendolife warf die Frage auf, ob auch ältere Pokémon-Spiele nachträglich mit der hohen Altersschranke belegt werden könnten, da diese Glücksspiel enthalten. Hier erklärte das VSC Game Rating Board, dass alte Titel nur neu bewertet würden, wenn sie in veränderter Form erneut herausgebracht werden.

Ein etwaiger Port von Pokémon Rote und Blaue Edition für Nintendo Switch könnte auf diesem Weg also einen roten Aufkleber bekommen, falls Nintendo es neu herausbringen würde, ohne die Glücksspielelemente zuvor anzupassen.

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