Die für viele beste Folge von Star Trek: Deep Space Nine könnte nicht weiter entfernt sein von der Utopie, als die Gene Roddenberrys Sci-Fi-Serie Star Trek einst gestartet ist. Denn die dritte (heute legendäre) Serie im Universum zeigte Zuschauern im Jahr 1998 ein damals neues Gesicht der Sternenflotte.
Inmitten des verheerenden Dominion-Krieges wagte Deep Space Nine ein erzählerisches Experiment. Die Episode »Im fahlen Mondlicht« dehnte die unumstößlichen Prinzipien der Föderation, sondern brach komplett mit ihnen. In Staffel 6 der Serie greift Captain Benjamin Sisko zu Mitteln, die seine Ideale verraten - und er kann damit leben.
Von Vulkan zu Betazed
Hinter den Kulissen der Produktion rang das DS9-Autorenteam lange um die richtige Richtung von »In the Pale Moonlight«, so der englische Titel der 19. Episode von Season 6. Ursprünglich sollte die Episode unter dem Arbeitstitel »Patriot« eine völlig andere Geschichte erzählen.
Geplant war ein Konflikt zwischen Sisko und seinem Sohn Jake, der Korruption innerhalb der bajoranischen Regierung aufdecken sollte. Die Autoren erkannten jedoch schnell, dass diese familiäre Dynamik der epischen Tragweite des Krieges nicht gerecht wurde. Sie strichen Jakes Rolle fast vollständig, um den Fokus ganz auf den Captain zu richten.
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Ein fast perfekter Spiele-Trailer zu Star Trek: Deep Space Nine ... gehört zu einem Mobile-Game
Auch strategisch gab es drastische Änderungen. Zuerst sollte der bekannte Planet Vulkan vom Dominion erobert werden, wo Wissenschaftsoffizier und Botschafter Spock herkommt. Schließlich entschieden sich die Macher jedoch für Betazed, die Heimatwelt von Deanna Troi aus Star Trek: The Next Generation.
Der Titel der Folge geht auf den Autor Ronald D. Moore zurück. Er baute eine bewusste Anspielung an den Batman-Film von 1989 ein, in dem der Joker vom »Tanz mit dem Teufel im fahlen Mondlicht« spricht.
Rückblick auf dubiose Machenschaften
Die Episode nutzt die Stilmittel des Film Noir. Sisko spricht in einer düsteren Beichtstuhl-Atmosphäre direkt in die Kamera seines Logbuchs. Er versucht, seine Taten nachträglich zu rechtfertigen. Wie in einer Dokumentation bekommt der Zuschauer anschließend gezeigt, wie die hehren Absichten des Captains in seinem Niedergang resultierten.
Entmutigt von verheerenden Frontberichten mit tausenden Kriegstoten beschließt Sisko (gespielt von Avery Brooks), die Romulaner als Alliierten gegen das Dominion zu rekrutieren. Beim Dominion handelt es sich um eine Art Anti-Föderation, angeführt von den Gründern, repressiven Formwandlern mit einer genetisch manipulierten Klon-Armee unter sich.
Der cardassianische Ex-Spion Elim Garak (Andrew Robinson) geht Sisko dabei zur Hand; das Zusammenspiel der beiden ist das Highlight der Episode. Zuerst lässt Sisko einen kriminellen Fälscher laufen, damit der mithilfe von Garak eine holografische Aufzeichnung fälscht. Dafür erpresst Sisko von Doktor Bashir ein gefährliches biomimetisches Gel als Tauschware. Als die Operation durch einen Messerangriff auf der Station aufzufliegen droht, übgt Sisko Druck auf Barbesitzer Quark aus.
Das Ziel der Täuschung ist ein romulanischer Senator namens Vreenak. Doch Vreenak enttarnt die Aufzeichnung als Fake, er reist Richtung Romulus ab und der Plan droht, in sich zusammenzufallen - bis Vreenaks Shuttle explodiert. Verantwortlich ist Garak, dessen Plan es von Anfang an war, die Fälschung durch Schäden der Explosion authentisch erscheinen zu lassen. Das Dominion wird für das Attentat verantwortlich gemacht und Romulus steigt aufseiten der Föderation in den Krieg ein.
Moralisches Dilemma ohne Antworten
Während sich Captain Jean-Luc Picard aus The Next Generation stets der Wahrheit verpflichtet sah, zeigt »Im fahlen Mondlicht« eine andere Art von Sternenflotten-Kapitän. Von inneren Zweifeln zerrissen, ringt der Kommandant der Raumstation Deep Space Nine mit seinem Gewissen - und stellt seine eigene Moral schließlich dem Wohl von vielen hintenan.
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Im Gespräch mit Sisko argumentiert Garak, dass der Tod weniger Personen ein geringer Preis für die Rettung des gesamten Quadranten sei. Sisko akzeptiert diese bittere Logik am Ende. Er löscht den Logbucheintrag und gesteht sich ein, dass er mit der Schuld für seine Taten leben kann - oder überredet er sich doch nur selbst? Die Interpretation überlassen die Autoren dem Zuschauer.
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