Ich werde in diesem Ranking hier tricksen, also seid gewarnt. Denn ja, es geht um meine fünf liebsten Star-Wars-Bücher aus rund 30 Jahren Lese-Erfahrung mit dem Krieg der Sterne, aber leider
bestehen Star-Wars-Geschichten ja fast immer aus Trilogien oder Duologien oder im Fall der Yuuzhan-Vong-Kriege aus, okay, Sekunde ... Penta..., Hepta..., Hexa..., also aus 19 Büchern.
Und dieses Ranking wäre ziemlich langweilig, wenn die Thrawn-Trilogie einfach drei der fünf Plätze einnimmt. Deshalb hier die Regel: Ich schnappe mir ein Buch pro Saga und weise dann darauf hin, ob es stellvertretend Teil einer größeren Trilogie ist, damit eine möglichst große Vielfalt gewahrt bleibt. Lieb von mir, oder?
Zweiter Disclaimer: Star-Wars-Bücher erscheinen seit 1978. Es gibt den alten Kanon, den neuen Kanon seit Übernahme von Disney, ihr könnt durch Dutzende, wenn nicht Hunderte von Romanen, Kurzgeschichten und Comics stöbern. Manche erzählen die Geschichten von Luke Skywalker, Han Solo und Leia weiter, andere erweitern die Klonkriege oder die Ära vor den Prequels, wieder andere reisen Jahrtausende in die Vergangenheit um die Zeit der Alten Republik in den Fokus zu rücken.
Ich könnte wahrscheinlich einen eigenen Roman über all die Timelines, Rückbezüge, Sortierungen und so weiter schreiben, aber das will ich euch hier bewusst ersparen: Ich schnappe mir einfach fünf Bücher, mit denen ich persönlich richtig viel Spaß hatte und schreibe euch dazu, welches Vorwissen ihr benötigt, um damit auch so viel Freude zu erleben.
Falls ihr euch separat für gute Einstiegsbücher in die Welt der Star-Wars-Romane interessiert, dann liefere ich das gerne als zusätzlichen Artikel nach!
Alter Kanon? Neuer Kanon? Wie bitte?
Vielleicht ganz kurz als Orientierung: Als Disney um 2015 herum die Star-Wars-Lizenz übernommen hat, wurde der komplette Kanon neu gestartet. Alle bisher erschienenen Spiele, Bücher und Comics der letzten 30 bis 40 Jahre wurden in ein separates Legends-Universum verfrachtet und gelten nicht länger als kanonisch. Disney wollte sich bewusst von Altlasten
befreien, um seine ganz eigene Version zu erzählen, wie es mit Luke, Leia und Han nach Episode 6 weitergeht. Die Legends-Bücher werden aber immer noch gedruckt und verlegt, ihr könnt euch also entscheiden, welchen Kanon ihr lesen möchtet.
Der Vorteil des alten Kanons: Damals galten die Star-Wars-Filme als Abschluss. Es gab keine Disney+-Serien, keine Sequels, also hatten die Bücher völlig freie Hand, den Krieg der Sterne weiterzuerzählen. Deshalb findet ihr in den Büchern sehr große und einschneidende Umwälzungen, Luke gründet seine Jedi-Akademie, er heiratet sogar, zentrale Charaktere sterben und eine neue Generation übernimmt die Fackel. Falls euch in den aktuellen Disney+-Serien zu wenig passiert, dann ist der alte Kanon eine tolle Alternative. Und die Geschichte wurde vor der Übernahme von Disney auch weitgehend abgeschlossen.
Der Vorteil des neuen Kanons: Der neue Kanon an Büchern backt deutlich kleinere Brötchen. Ihr findet hier vor allem Tie-In-Geschichten, die Charaktere aus den Serien und Filmen ein bisschen tiefer erörtern (beispielsweise Captain Phasma). Die eigentlichen großen Entwicklungen spart sich Disney für die TV-Serien und Filme auf. Aber: Dafür sind sämtliche neuen Spiele, Comics und Bücher offizieller Kanon. Wer sich für die Ära der High Republic in The Acolyte interessiert, findet hierzu zum Beispiel eigene Romane oder Anspielungen in Titeln wie Jedi: Survivor. Diese dichte Vernetzung an sich ist für Leute, die gerne stöbern, sehr interessant.
11:33
Star Wars: Empire at War - Gegen den genialen Klassiker haben selbst neue Spiele oft keine Chance!
Platz 5: Republic Commando - Feindkontakt
- Autorin: Karen Traviss
- Erschienen: 2004
- Kanon: Alter Kanon
- Teil von: Republic-Commando-Romanreihe, fünf Bücher
Auf den ersten Blick wirkt Karen Traviss' wie ein netter Tie-In-Roman zum gleichnamigen Star-Wars-Shooter Republic Commando, doch Feindkontakt und dessen Fortsetzungen sind so viel mehr als das. In den Büchern verfolgt ihr die Abenteuer des Omega Squad (also nicht der Delta Squad aus dem Videospiel), einer Elite-Einheit von Klontrupplern, die nach der Schlacht von Geonosis auf extrem tödliche Einsätze geschickt wird.
In Feindkontakt sollen die Republic Commandos beispielsweise auf dem Planeten Qiilura ein tödliches Virus ausfindig und unschädlich machen. Euch erwarten rasante Action-Einlagen, coole Charaktere – und es funkt sogar romantisch zwischen einer Jedi und einem Klontruppler!
Republic Commando bietet also gute Unterhaltung, keine Frage, die eigentliche Stärke von Traviss' Klonromanen geht aber tiefer: Die Autorin investiert unheimlich viel Zeit in überzeugendes Worldbuilding. Noch vor der animierten Clone-Wars-Serie bekommen die Klontruppler hier eine eigene Sprache, die mandalorianische Kultur wird erforscht, mit Kal Skirata bekommen sie einen charismatischen Ausbilder und, und, und. Der neue Kanon hat leider viele dieser Errungenschaften verworfen, aber umso cooler, dass die Klontruppen als Sprösslinge der Mandalorianer mal eine derart tief ergründete Kultur hatten, dass selbst die Klingonen von Star Trek respektvoll das Haupt neigen.
Teile dieser erfundenen Sprache findet ihr übrigens auch im Spiel Republic Commando, beispielsweise in den Titelbezeichnungen des Soundtracks. Das berühmte Theme Vode An bedeutet wörtlich übersetzt Alle sind Brüder
und ist ein mandalorianischer Kriegsgesang. Wissen, mit dem man auf Partys richtig punkten kann.
Link zum YouTube-Inhalt
Platz 4: Clone Wars - Im Verborgenen
- Autorin: Karen Miller
- Erschienen: 2010
- Kanon: Alter Kanon
- Teil von: The Clone Wars - Gambit, zwei Bücher
Heutzutage gelten die Prequel-Filme, also Episode 1 bis 3, ja als quasi-sakral, weil die Sequels uns so viel schlimmer enttäuscht haben. Aber früher gehörte es zum guten Ton, auch über all die Unzulänglichkeiten der Prequel-Trilogie zu fluchen. Mein größtes Problem mit diesen Filmen: Sie erzählen mehr als sie zeigen. Zumindest da, wo es zählt. Anakin und Obi-Wan sollen beste Freunde sein? In Episode 2 und 3 sticheln sie eigentlich nur gegeneinander. Und Anakins Fall zur dunklen Seite erfolgt so plötzlich durch irgendwelche Träume ... hier verschenken die Prequels viel Potenzial.
Die zwei Bücher Im Verborgenen und Unter Belagerung von Karen Miller setzen genau da an: Obi-Wan und Anakin merken beide, dass die Republik die Klonkriege verliert. Sie werden auf einen abgelegenen Planeten geschickt, auf dem die Separatisten angeblich eine Superwaffe entwickeln. Klingt sehr klassisch, die wahre Stärke dieser beiden Bücher liegt aber in der Charakterentwicklung. Ich erlebe wirklich mal, wie wichtig Kenobi und Skywalker einander sind. Und ich erlebe auch, wie sich Anakin immer weiter von den Idealen eines Jedi abwendet.
Das alles ist eingebettet in coole Action und überzeugende Dialoge – alles in allem ein ziemlich launiger Ritt für alle Fans der Clone-Wars-Ära.
Platz 3: Blutlinie
- Autorin: Claudia Gray
- Erschienen: 2016
- Kanon: Neuer Kanon
- Teil von: Standalone
Blutlinie hat jetzt auch schon fast zehn Jahre auf dem Buckel, aber ist in meinen Augen immer noch das beste, was der neue Star-Wars-Kanon bisher an der Bücherfront hervorgebracht hat. Jahrzehnte nach der entscheidenden Schlacht bei Endor ist das Imperium besiegt, doch die Neue Republik steuert einer Katastrophe entgegen. Denn nach dem Untergang von Vader, Palpatine und Co. haben nicht plötzlich alle Bock auf Frieden und Demokratie.
Im galaktischen Senat verlangen konservative Stimmen nach einer starken Führungspersönlichkeit, Korruption macht sich breit, Unterweltbosse nutzen diese Schwäche – und an den Rändern der Galaxis formiert sich mit der Ersten Ordnung eine ganz neue Bedrohung.
Blutlinie dreht sich ganz und gar um das politische Ringen von Leia Organa; und das Buch ist trotzdem purer Nervenkitzel, weil es die Nachwirken einer Diktatur deutlich vielschichtiger angeht, als es das alte Expanded Universe getan hat. Ein Beispiel: Wo im alten Kanon alle mehr oder minder abnicken, dass Leia Organa die Tochter eines der größten Kriegsverbrecher aller Zeiten ist, sorgt diese Info im neuen Kanon für ein Beben und zerstört ihre Karriere.
Claudia Gray streift Konzepte wie Entnazifizierung und die Tatsache, dass Palpatine die alte Republik ja nur deshalb stürzen konnte, weil er strukturelle Schwächen ausnutzt, denen sich auch eine Neue Republik stellen muss. Gray greift viel von dem vorweg, was Andor so fantastisch macht: Eine erwachsene Diskussion von Macht, Gesellschaft und den Lebewesen darin. Schade, dass die Autoren von Star Wars 8 und 9 daraus nichts gelernt haben.
Platz 2: Das Erbe der Jedi-Ritter - Die Abtrünnigen
- Autor: R.A. Salvatore
- Erschienen: 1999
- Kanon: Alter Kanon
- Teil von: Das Erbe der Jedi-Ritter, 19 Bücher
Die Yuuzhan-Vong-Kriege waren nie frei von Kritik, aber trotzdem unumstritten das größte Projekt des gesamten alten Kanons: eine komplett neue Schurkenfraktion, die das Imperium als Bösewichte ablösen würde. Jahrelang wurde eine intergalaktische Bedrohungen angeteasert, im Schatten agierten Schläferagenten schon zur Zeit des Galaktischen Imperiums – und mit Die Abtrünnigen begann ein Romanzyklus, der 19 (!) Bücher lang dauern sollte.
Die Story beginnt simpel: Rund 20 Jahre nach Die Rückkehr der Jedi-Ritter beobachtet ein Team von Wissenschaftlern am Rand der bekannten Galaxis einen mysteriösen Gesteinsbrocken. Doch hinter dieser vermeintlich harmlosen Anomalie verbirgt sich der größte Schrecken, den die Galaxis seit Imperator Palpatine erlebt hat: Die Yuuzhan Vong, mörderische Kriegstreiber aus einer fremden Galaxie. Derweil hat Luke eine neue Generation von Jedi in seiner Akademie ausgebildet: Die Kinder von Han und Leia, Jacen, Jaina und Anakin, sind mittlerweile fast erwachsen. Gemeinsam müssen sie sich der neuen Bedrohung in einem weiteren Krieg der Sterne stellen.
Wie gesagt: Die Yuuzhan-Vong-Kriege wurden durchaus viel kritisiert, aber ich liebe sie einfach dafür, dass sie aus dem altbekannten Geflecht von Imperium gegen Republik
ausbrechen und einen komplett neuen Krieg der Sterne entfesseln. Gleichzeitig sind sie die Feuertaufe für Lukes neue Generation an Jedi, die er über Dutzende Bücher ausgebildet hat. Die Yuuzhan-Vong-Kriege bringen neue Helden, Schurken und Machtdynamiken hervor, in die man sich als Leserin oder Leser monatelang hineinstürzen kann.
Platz 1: Erben des Imperiums
- Autor: Timothy Zahn
- Erschienen: 1991
- Kanon: Alter Kanon
- Teil von: Thrawn-Trilogie, drei Bücher
Ich weiß, ich weiß, bei Platz 1 bin ich langweilig, aber es ist nun mal so: Ohne Erben des Imperiums wäre ich wahrscheinlich nie Fan der Star-Wars-Bücher geworden. Und so ging es vielen, schließlich gilt der erste Teil der originalen Thrawn-Trilogie als das einflussreichste Star-Wars-Buch aller Zeiten. Erben des Imperiums wirkte Anfang der 90er wie die Fortsetzung, die wir auf der Leinwand nie bekommen sollten. Es war das nächste Kapitel einer Saga, die als abgeschlossen galt. Erben des Imperiums trat das Expanded Universe erst so richtig los.
Aber mehr noch: Erben des Imperiums ist auch einfach verdammt gutes Star Wars. Ein paar Jahre nach Die Rückkehr der Jedi-Ritter kämpft die Neue Republik immer noch mit den verstreuten Überresten des Imperiums. Einzelne Warlords beherrschen letzte imperiale Sektoren, doch die Tage des Imperiums scheinen gezählt. Aber dann tritt ein neuer mysteriöser Gegenspieler auf.
Durch die Augen seines Adjutanten Pellaeon begegnen wir Großadmiral Thrawn, der wie das exakte Gegenstück eines Darth Vader wirkt. Er ist ruhig, gelassen, philosophisch, manchmal sogar irgendwie sympathisch. Aber Thrawn ist auch das größte Militärgenie, das die Galaxis je gesehen hat. Und er hat einen Plan, die Neue Republik rund um Luke, Leia und Han zu Fall zu bringen.
Mittlerweile gehört Thrawn nicht zuletzt seit Rebels und Ahsoka wieder zum offiziellen Star-Wars-Kanon, doch in meinen Augen hat ihn niemand (auch Timothy Zahn selbst) je wieder so fesselnd zu Papier gebracht wie in den allerersten Thrawn-Büchern. Es macht so einen Spaß, Seite um Seite herauszufinden, mit welchem Masterplan er die Republik stürzen will – und was meine Kindheitshelden dagegen unternehmen.
Doch Thrawn ist nicht die einzige Legende, die Timothy Zahn damals erschuf. Mit Mara Jade tritt eine weitere mysteriöse Figur in Erscheinung, die einen abgrundtiefen Hass gegen Luke Skywalker hegt, aber leider mit ihm zusammenarbeiten muss. Dass alteingesessene Fans wie ich bis heute dem alten Kanon hinterhertrauern, liegt vor allem an dem, was Timothy Zahn damals mit Mara, Thrawn und Co. erschaffen hat. Und es lohnt sich auch heute noch, dem eine Chance zu geben.
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